Neunzehnhunderteinundneunzig hatte good ol' Terence Hill schon einige Jährchen auf dem Buckel. Was die italienischen Filmemacher aber keineswegs davon abhielt, ihr blauäugiges Ex-Vorzeige-Zugpferd noch einmal vom Gnadenhof zu holen, um den allseits beliebten Comic-Helden Lucky Luke zu mimen. Westernerfahrung hatte er ja immerhin schon zur Genüge. Und ja: Ein, zwei Jahrzehnte früher wäre das sicher auch noch nicht einmal die schlechteste Idee gewesen. 1991 hingegen, im eingetretenen Vorrentenalter wirkt Hill hier allerdings sichtlich unpassend in der Rolle des jugendlichen Helden. Schon im Kinofilm gleichen Namens versteckte er die Altmännerplauze bemüht unter dem Leder eines langen Mantels und der Hut warf notdürftig seinen gnädigen Schatten über die Furchen, die das Leben über die Jahre in das Gesicht der Filmikone von einst gegraben hatten.
Und, es war fast zu erwarten, die Eltern stürmten nichtsdestotrotz mit ihren Kids die Kinos und beschehrten dem auch storytechnisch bestenfalls mittelprächtigen Streifen einen ungerechtfertigten Erfolg. Ja, fast hat man manchmal den Eindruck mit der Elternschaft einhergehend scheint sich das menschliche Gehirn irgendwie in manchen Bereichen kurzzuschließen. Zumindest in punkto Filmauswahl bewahrheitet sich das zumindest offenbar, denn die wehrten Erzeuger scheinen ihren Kindern einfach alles vorzusetzen. Sei es auch noch so schlecht und witzlos, Hauptsache es ist "pädagogisch korrekt" (fast unnötig anbei zu erwähnen, dass Luke in dieser Version seiner geliebten Zigaretten verlustig gegangen ist). Und nachdem sie so den ersten Teil von Lucky Luke in einen rentablen Kassenschlager verwandelt hatten, legten die Freunde aus little Italy freilich schnellstmöglich nach. Ein zweiter Film folgte somit schneller als Luke ziehen kann und auch die vorliegende Serie wurde den Fans der Comics so zeitnah wie gnadenlos als weitere Realverfilmung ihres Helden verkauft und um die Ohren geprügelt.
Und allzuviel braucht man ja bei genauerer Betrachtung auch nicht, um einen Lucky Luke zu verfilmen. Mal eben mit 'nem Klaffter Obi-Bretter eine Westernstadt aus dem Boden gestampft, Terence "Wrinkly Luke" Hill aus dem Seniorenstift geholt, die ewigen Gegenspieler Daltons aufgefahren und schon konnt's losgehen. Sehr schonend und auch angenehm für den klammen Geldsäckel italienischer Filmproduzenten. Für talentierte Storywriter hat's da offenbar nicht mehr gelangt. Wir begegnen hier somit billigstem Abklatsch aus den Tiefen des mottenzerfressenen Lucky Luke-Urfundus an dem man sich weidlich bediente. Verrührt wird das Ganze dann noch mit einigem Klamauk und Blödsinn, der dem denkenden Menschen nur noch Kopfschütteln abringen kann. Ich erwähne in diesem Zusammenhang bsp.-weise die Folge, in der eine Zigeunerin einen Liebestrank in Daisy Town rumreicht und sich in Folge dessen alle unkontrolliert ineinander verlieben. Ha, ha. Wie lustig... - Wie? Hört sich nicht lustig an? Recht habt Ihr! Ist es leider nämlich auch nicht...
F A Z I T :
Nun, zumindest muß man dieser recht lieblosen Flickschusterei von einer Serie zu Gute halten, dass sie offensichtlich eher auf Kinder als Zielgruppe abzielt. Und diese legen per se bekanntlich ohnehin weniger Anspruch an die Storytiefe an. Somit wird die Serie für die Dreikäsehochs vielleicht auch noch der Bringer sein. - Alle, deren Alter jedoch schon im zweistelligen Bereich rangiert, finden sich schon nach Minuten dieses unmotivierten Serien-Trauerspiels in gähndender Langweile wieder. Zu umfaßend sind die Defizite: Dümmliche Plots und Gags auf Stummfilmniveau, ein behäbig wirkender Hauptdarsteller (der sich besser schon weit früher auf's Altenteil begeben hätte), wenig Action und kaum Höhepunkte. Größtenteils unmotiviert und träge plätschert die Sache vor sich hin. Wie gesagt, für die Kleinsten mag diese Realserie um Luke und Jolly Jumper durchaus noch ein lustiger Kuzweilspaß sein, für Alle anderen ist die Serie bloße Zeitverschwendung. Gerade wenn man sich eines so großen Titels wie dem Lucky Luke's zur Umsetzung annimmt, sollte man doch mit mehr Liebe zum Detail an die Sache herangehen. Enttäuschend! - Mit viel Gnade und Gutwill erreicht diese Reihe in meiner Gunst gerade noch magere 4 von 10 Punkten.