Der kanadische Spielfilm „Feurige Ärsche“ eines Komikerduos sorgt in South Park für Empörung: Er enthält eine Reihe obszönster Begriffe, die von nahezu allen Kindern der Kleinstadt aufgeschnappt werden. Damit nicht genug: Fortan verwenden sie die schlimmen Wörter auch noch in ihrem Alltag. Vor allem den Müttern schmeckt das gar nicht; sie gründen die Initiative „Mütter gegen Kanada“ und beschließen, das Duo unverzüglich öffentlich hinzurichten, im Gegenzug erklären die Kanadier ihrem Nachbarn den Krieg. Nun liegt es in den Händen der vier Freunde Cartman, Kyle, Stan und Kenny, eine Katastrophe zu verhindern. Währenddessen schmieden der Teufel und Saddam Hussein in der Hölle böse Pläne...
Die in den USA sehr erfolgreiche wie respektlose TV-Zeichentrickserie „South Park“ spaltet seit ihrer Erstausstrahlung das Publikum: Für die einen ist sie bereits Kult, für die anderen schlicht ekelhaft und schier unerträglich. Ich gehöre eher zur ersteren Gruppe, wobei ich deutlich davon Abstand nehme, sie als genial zu bezeichnen. Für einen kleinen lustigen Abend ist „South Park“ allerdings ideal geeignet.
Durch die zunehmende Popularität der grotesken Figuren konnte ein Kinofilm natürlich nicht ausbleiben: 1999 ließen die Zeichner Matt Stone und Trey Parker ihn folgen - und auch er fand einen großen Zulauf.
Resultiert der große Erfolg vielleicht auch daraus, daß es den Regisseuren gelungen ist, ihren in der Serie schon ausreichend derben Humor noch weiter unterhalb der Gürtellinie anzusiedeln? Möglich wäre es, denn hier wird ein solches Feuerwerk an Geschmack- und Respektlosigkeiten abgeschossen, daß man es kaum glauben mag: Saddam Hussein kommt ums Leben und steigt daraufhin mit dem liebebedürftigen und sensiblen Teufel ins Bett, um sich bei ihm einzuschmeicheln und die Weltherrschaft an sich reißen zu können; Bill Clinton erklärt den Kanadiern den Krieg; beim finalen Gemetzel fliegen dem Zuschauer Köpfe und Beine um die Ohren usw.
Mit unvorstellbarer Zerstörungswut werden auch noch so große Prominente nicht verschont, sondern der Lächerlichkeit preisgegeben und hart karikiert - ganz nach dem Geschmack der „South Park“-Fans.
Daß der ein oder andere Gag in die Hose geht und zu sehr in die primitive Albernheitskiste abgleitet, darf durch die Vielzahl nicht weiter verwundern und kann auch gern verziehen werden.
Was diesen Zeichentrickfilm von anderen, zumeist zuckersüßen und ohne Anspruch versehenen Vertretern seines Genres abhebt, ist die mehr als offensichtliche Abrechnung mit der amerikanischen Gesellschaft, die von Parker und Stone mit einer ernsthaften Intention und nicht bloß zur allgemeinen Belustigung eingebaut wurde. So handeln die beiden z.B. die immer noch nicht überwundene Rassenproblematik bitterböse und gnadenlos überspitzt ab: Als der Krieg ausbricht, werden die Schwarzen bei einer Bombardierung als eine Art Pufferzone zum Schutz der weißen Soldaten eingesetzt, so daß wenigstens letztere den Angriff überleben. Klar, in erster Linie soll der Film unterhalten, nichtsdestotrotz kann er zusätzlich als Satire bezeichnet werden.
Mehr als schade finde ich, daß das verantwortliche Synchronstudio es sich nicht nehmen lassen konnte, die zahlreichen Lieder ebenfalls ins Deutsche zu übersetzen, anstatt mit deutschen Untertiteln zu arbeiten. So verlieren sie einen nicht unerheblichen Teil ihres Humors. (Daß eingedeutschte Gesangseinlagen in die Hose gehen können, bewies man ja unlängst mit „Verrückt nach Mary“.) Gerade den immerhin oscarnominierten Song „Blame Canada“ hätte ich als Nicht-DVD-Besitzer liebend gern im Originalton gehört.
Gewiß gehört die abgrundtief häßliche, dilettantisch aussehende Animation, die wahrscheinlich sogar ein Kleinkind zustandebringen könnte, mittlerweile einfach zu „South Park“ (auch ich konnte mich nach einigen Folgen der Serie daran gewöhnen), aber verglichen mit allen bisher von mir gesehenen Trickfilmen ist diese nun einmal absoluter Schrott - egal ob von den Schöpfern so gewollt oder ungewollt - und in meinen Augen durchaus als Minuspunkt anzusehen.
Fazit: Derb-respektloses, erfrischend unkonventionelles Gegenstück zu den liebenswerten Disney-Produktionen. Dazu sehr unterhaltsam und urkomisch. „South Park“ ist mit ungemeinem Ideenreichtum ausgestattet und in seiner Boshaftigkeit wie seinen deftigen Seitenhieben gegen den Staat schwerlich zu überbieten. Das Vergnügen wird leider durch die verpfuschte deutsche Synchronisation stark beeinträchtigt.
GESAMT: 7/10