Es ist allgemein bekannt, dass die von „Scream“ ausgelöste „Teen-Slasher“-Filmwelle schon seit einigen Jahren abgeebbt ist, doch ab und an taucht mit konstanter Sicherheit ein neuer Vertreter dieser Machart auf, welcher sich dann jedoch augenblicklich einem direkten Vergleich mit den Genre-Highlights („Scream“/„I know what you did last Summer“ oder den stark unterschätzten „Urban Legends“/„Cherry Falls“) stellen muss…
„Trespassing“ ist solch ein Fall – und gleich vorweg: Auch er erreicht zu keiner Zeit die Qualität der Vorbilder, obwohl sich die Macher zugegebenermaßen Mühe gegeben haben, nicht einfach nur eine formelhafte Kopie vorzulegen, sondern andere Ansatzpunkte und Stilelemente auswählten…
Der Film beschränkt fast ausschließlich auf nur ein atmosphärisches und minimalistisches Stetting – ein abgelegenes Haus in den Sümpfen Louisianas. Die Inszenierung gleicht mal nicht einem Videoclip mitsamt Hochglanzoptik und schnellen Schnitten, sondern dokumentiert die Geschehnisse eher zurückhaltend, während die eingefangenen Bilder einen fast unsauberen und realistischen Look aufweisen. Im Gegensatz zu oben genannten Vorbildern zelebriert der Film auch nicht seine Morde, sondern bleibt seinem betrachtenden Stil treu und beschränkt sich größtenteils auf das Auffinden der Leichen durch die übrig gebliebenen Protagonisten.
Das Intro zeigt einen Jungen, der (eine Hundemaske tragend) seine Eltern auf grausame Weise umbringt – der Vater wird erstochen, die Mutter bei lebendigem Leibe verbrannt. Natürlich gehen die Behörden davon aus, dass der Killer bei dem Feuer selbst ums Leben gekommen ist, doch seine Leiche wurde nie gefunden…
Jahre später: Um Hintergrundinfos für eine Abschlussarbeit zu sammeln, fahren 5 Studenten – drei von ihnen männlich (zwei davon Brüder), zwei weiblich (und die ein Liebespaar) – raus auf das abgesperrte Gelände jener Tragödie, da sie im Rahmen einer Dokumentation einen angeblichen aus der Geschichte entstandenen Fluch (vor den Morden stand eine Plantage auf jenem Besitz, wo es auch schon zu Misshandlungen und Toten unter den Sklaven gekommen war) untersuchen wollen.
Gerade angekommen, trennt sich die Gruppe nach Geschlechtern und macht sich ans Werk – die Mädels erkunden erst einmal die Umgebung, die Jungs das heruntergekommene Haus. Es dauert nicht lange, da wird der erste von ihnen im Dachboden ans Gebälk gefesselt ermordet aufgefunden, die beiden Brüder verdächtigen sich gegenseitig (warum genau, wird leider nicht so ganz klar), und es scheint sich tatsächlich noch jemand mit einer Hundemaske im Gebäude aufzuhalten…
Vieles in „Trespassing“ wirkt einfach zu unausgereift, um zufrieden stellend zu überzeugen, wie beispielsweise die Hintergründe der Charaktere oder ihre Motivationen, wodurch einem die Figuren recht wenig bedeuten. Erst gegen Ende werden die Morde expliziter gezeigt (was vielleicht Spannung fördern soll, dafür aber Genre-Erwartungen enttäuscht), doch die Identität des Killers wird nie ganz geklärt, was dann noch in einem überflüssigen „zu Spekulationen anregenden, offenen Cliffhanger“ mündet.
Im ersten Drittel bemüht sich Regisseur James Merendino („SLC Punk“) um den Aufbau seiner Geschichte und Atmosphäre (mitsamt Gesprächseinleitung eines über die geschichtlichen Vorfälle informierten Professors sowie „Mardi Gras“- und Sumpflandschafts-Aufnahmen), doch das raubt dem Film viel Tempo und lässt geringfügige Längen entstehen. Zusätzlich hat mich besonders eine bestimmte Kamerafahrt genervt, die man etliche Male verwendet hat (genau dieselbe Szene), obwohl sie weder spektakulär noch irgendwie bedeutsam war.
Aus der Darstellerriege ragt keiner besonders heraus, höchstens drei von ihnen wegen ihrer Bekanntheit: Topmodel Estella Warren („Driven“/„Planet of the Apes“, das Remake) sieht gut aus und spielt die Hauptrolle gar nicht mal so schlecht, Kurtwood Smith („Fortress“/„Boxing Helena“) wurde in der Rolle des Professors verschenkt, Ex-„Bondgirl“ Maryam d´Abo („007 – der Hauch des Todes“) stirbt bereits gleich zu Beginn.
Was kann der Film also auf der „Haben“-Seite verbuchen? Es gibt einige wirklich stimmige Sequenzen, beispielsweise wenn die Mädels in dem Wald hunderte von Tierfallen entdecken, von denen etliche noch „scharf“ sind (in den anderen befinden sich Knochen aller Arten), oder sich die Protagonisten durch den abgedunkelten Keller oder Dachboden schleichen müssen – in solchen Momenten kommt tatsächlich Atmosphäre und Spannung auf, doch leider nicht allzu oft. Einige (durch die Kino-Soundanlage verstärkte) Schockeffekte wurden effektiv platziert, und der Showdown (hat was mit einem Redneck und anschließend mit einem Truck zu tun) vorm Cliffhanger gefiel mir ganz gut, doch insgesamt betrachtet war das einfach zu wenig – neue Genreimpulse oder gar Innovationen bleiben aus.
Fazit: „Trespassing“ ist Standard-„Slasher“-Ware im „Old-School“-Stil – leider nicht allzu überzeugend, obwohl es deutlich miesere Vertreter des Genres gibt (vgl. „Lover´s Lane“) … 4 von 10.