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Dick Van Dyke gehört wohl zu den größten und fabelhaftesten Clowns, die Hollywood je erlebt hat. Hierzulande kennen ihn viele vor allem als liebenswerter Marry Poppins-Verehrer Bert, aus Disneys Meistermusical Nr. 1. In Amerika kannte ihn damals aber wirklich jedes Kind. Mit "Der Komiker" hat er 1969 einen Film abgedreht, der vor allem als Hommage an die großen Zeiten des Stummfilms gedacht war, aber auch als tragisch komischer Hinweis darauf, wie es mit vielen Künstlern der Stummfilmära steil bergab ging, als der Film den Ton erfand. Herausgekommen ist dabei ein brillant fiktives Bio-Pic das beim Zuschauer wohl genauso viele Lacher wie Tränen hervorrufen dürfte.

"Der Komiker" erzählt von dem fiktiven Spaßmacher Billy Bright, der aus seinem Sarg heraus über sein Leben erzählt. Dabei geht er sowohl auf die schwierigen Anfänge ein, seinen großen Beiträgen zur Stummfilmära und seinem schnellen Fall, als der Tonfilm erfunden wurde. Für den Zuschauer ergibt sich dabei zwar eine rein erfundene Story, die aber wohl nicht besser aus dem Leben einiger der größten Stummfilmkünstler, wie Charlie Chaplin oder Buster Keaton, hätte geschnitten werden können. Nahezu alle Stufen, wie die Kurzfilmzeiten der Stummfilmära, erste große Spuren im Langfilmbereich, tragische Abstürze zu Zeiten des Tonfilms, sowie natürlich all die bekannten Problemchen der großen Stars, wie die meist nicht allzu lange haltenden Promi-Ehen oder finanzielle Schwierigkeiten trotz großen Vermögens, werden aufs sauberste durchleuchtet, hier und da leicht überspitzt, aber immer noch mit dem genügenden Ernst aufgearbeitet, ähnlich wie in der späteren Verfilmung von Charlie Chaplins Leben mit Robert Downey Jr. Man weiß als Zuschauer nur allzu oft nicht, ob man über das Gesehene nicht groß lachen soll oder doch eher die Taschentücher bereithält.

Großes Lachen ist vor allem immer dann angesagt, wenn der Film sich als Hommage an die Stummfilmzeit gibt. Während Bright nämlich seine Filme dreht, werden diese kleinen Minifilmchen immer in der bekannten Art und Weise der Stummfilme präsentiert. Sprich der Film läuft schwarz-weiß ab, es spielt nur Musik und jedes gesprochene Wort wird nur durch Texttafeln eingeblendet. Dabei sind in diesen Momenten die Handlungen natürlich ebenfalls immer voll und ganz auf Stummfilme zugeschnitten, sprich es regiert der Slapstick, so wie er vor allem zu Chaplins Zeiten stehts present war. Ein wahrhaft göttliches Feuerwerk der Komik wird hier abgebrannt. Und eine Torte im Gesicht kann selbst heute noch witzig sein!

Für das prächtige Gelingen des Films sind vor allem zwei Menschen verantwortlich. Zum einen Regisseur Carl Reiner, den die meisten wohl vom Steve Martin-Klassiker "Tote tragen keine Karos" kennen dürften, der, wie im Martin Klassiker, seiner Liebe zu den großen Filmen von anno dazumal freien Lauf lässt.

Zum anderen aber natürlich auch ein grandioser Dick Van Dyke, der hier einfach nur purstes Gold wert ist. Selten habe ich einen Schauspieler gesehen, der Witz und Ernst so prächtig und glaubwürdig unter einen Hut zu bringen vermag wie er. Er ist ein wunderbarer Quatschmacher, ein talentierter Schauspieler und vor allem eine so großartige Persönlichkeit, welche er zudem wirklich in all seinen Figuren einzubringen vermag. Wie er hier den, erst mega erfolgreichen dann mächtig unglücklichen, Komiker Billy Bright darstellt ist schier eine Wucht und sicher mit das Beste, was es je auf Zelluloid zu sehen gab. Heutzutage noch so eine hachgradige Mime zu entdecken, vor allem im Comedy-Bereich, dürfte schlichtweg unmöglich sein. Hut ab dafür!

Fazit: Großartige Hommage und einvernehmliches Bio-Pic einer fiktiven Figur, die vor allem durch seinen grandiosen Hauptdarsteller zu so viel Leben erweckt wird, dass es schlichtweg unbeschreiblich ist. Durchgehend glaubwürdig, immer wieder wunderbar witzig, dabei aber auch unheimlich ernst in seiner ganzen Art und Weise, versprüht Carl Reiners, viel zu selten gezeigtes, Meisterstück "Der Komiker" einen ungeschönten, ehrlichen und dennoch hochgradig unterhaltsamen Blick auf Hollywood zu Stummfilm- und (den Anfängen der) Tonfilmzeiten, wie man ihn sonst wohl nicht noch einmal zu Gesicht bekommen hat. Cineasten, sowie alle Fans des großen Dick Van Dykes, sollten sich dieses Meisterstück jedenfalls nicht entgehen lassen, sofern sie einmal die Chance bekommen sollten es zu sehen!

Wertung: 9,5/10 Punkte

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