Review

"STEREO” einer von David Cronenbergs frühen, äußerst Experimentellen Kurzfilmen. “Stereo” wurde komplett in Schwarzweiß auf 35mm gefilmt. Der Film hat keinerlei Synchronisation oder Musikunterstreichung, was das Betrachten etwas anstrengend gestaltet.
Einziger Richtungsweiser in “Stereo” ist eine Erzählstimme, die stets aus dem “Off” ertönt und das Geschehen im Film dokumentiert, garniert mit einer Unzahl von medizinischen Fachbegriffen, wird die Erzählstruktur dadurch nicht unbedingt erleichtert.
Auf der anderen Seite kann man das unterkühlt-düstere und stimmige Ambiente genießen, hervorgerufen durch ein Universitätsgebäude das die unverkennbare kalte, konstruktivistische Betonbauweise der sechziger Jahre repräsentiert und die technisch/emotionslose Darbietung des Films wesentlich prägt.

Stereo spielt in der Zukunft, wann genau erfährt man nicht. Schauplatz der Handlung ist die “Canadian Academy for Erotic Inquiry”, hier trifft ein junger Mann ein (Ronald Mlodzik - eingeflogen per Helikopter, mit Spazierstock und in ein langes Cape gekleidet, erinnert er an einen Adligen des 19. Jahrhunderts).
Der junge Mann (Ronald Mlodzik) wird - im Institut angekommen, von einem der Teilnehmer in sein zukünftiges Zimmer geführt und in den Tagesablauf eingeführt. Die Einheitskleidung die den Teilnehmern gegeben wird, besteht aus einer mittelalterlich inspirierten Tunika (was im starken Kontrast zu dem modernen, futuristischen Ambiente der Gebäude steht). Insgesamt sieben freiwillige Personen unterziehen sich dort - in isolierter Abgeschiedenheit, einer neuartigen Therapie von Dr. Luther Springfellow. Ziel der Therapie ist es das Sprachzentrum im menschlichen Gehirn zu eliminieren und Telepathie zu fördern.
In den ersten Tagen wird noch miteinander kommuniziert, Erkundungsbesichtigungen im Institut unternommen und gemeinsam in den Zimmern Tee getrunken. Bald darauf werden erste sexuelle Annäherungen unternommen.
Nach den ersten gemeinsamen Sitzungen, werden die Teilnehmer für die nächste Stufe der Therapie voneinander getrennt.
Die einzelnen Teilnehmer der Therapie verhalten sich immer merkwürdiger, anscheinend führt die Therapie - sowie die Isolation und Abgeschiedenheit, zu starken Spannungen und einem verkümmerten Sozialverhalten.
Die Isolation der einzelnen Personen, sowie das starke unterdrücken von menschlichen verhalten und dem Verlust von Kommunikation, führt immer häufiger zu Eskalationen. Gewalt, Aggressionen und Selbstmord bestimmen bald den Tagesablauf.

Bizarre, surreale Szenen und Vorgänge durchziehen den ganzen Film. In kalten bedrückenden Bildern wird “Stereo” präsentiert. Die Darsteller werden in linearer Geradlinigkeit in die kalte, monumentale Architektur des Institutes eingebunden.
Die Kameraführung ist streng, sachlich und gerade deswegen sehr ästhetisch. “Stereo” bietet des öfteren meditative, tranceartige Sequenzen welche durch minutenlange Stille verstärkt werden.

Welche Aussage hinter “Stereo” steckt, oder was David Cronenberg dem Zuschauer mittzuteilen versucht, ist nur sehr schwer zu sagen und lässt sich wahrscheinlich stundenlang interpretieren und diskutieren.

Sind die späteren Filme Cronenbergs oftmals speziell - nicht immer für ein Massenpublikum zugänglich, mit einem eigenständigen, merkwürdigen Charme versehen, so beweist “Stereo” das es noch wesentlich subtiler und verstörender in David Cronenbergs filmischen Kuriositätenkabinett zugehen kann.

Wer etwas mit David Cronenberg anfangen kann und experimentellen, unterkühlt- surrealen Filmen aufgeschlossen gegenübersteht, ist mit “Stereo” nicht am schlechtesten beraten.

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