Review

Gesamtbesprechung

Echte Gruselserien sind heute nichts Besonderes mehr, direkt nach dem zweiten Weltkrieg waren sie jedoch mehr wie Blumen in der Wüste (Western und Krimis waren jahrzehntelang die Waffe der Wahl, wenn es um die US Networks ging), rar gesät und mit vielen Restriktionen verziert.
Meistens mischten sich Thriller mit Übernatürlichem und nicht selten wurde das Spukhafte später dann als „nachgemacht“ entlarvt, während eher mit SciFi und erweiterter „Fantasy“ wie „The Twilight Zone“ ein Staat zu machen war.
Erst Rod Serlings zweiter erfolgreicher Genreversuch mit „The Night Gallery“ im Jahr 1970 befreite den übernatürlichen Grusel aus den Konventionen (die Engländer hatten das Prinzip schon mehrfach unterlaufen, machten aber meist studiogebundene Kammerspiele daraus) und schuf Platz für neue Möglichkeiten. Und die Serie provozierte Nachfolger wie „The Sixth Sense“ und eben in diesem Fall „Ghost Story“!
Anders als in früheren Fällen war hier das Übernatürliche das Zentrum der Handlung, nicht nur ein Aufhänger und die Serie bereitete wie „Night Gallery“ die Bühne für spätere erfolgreiche Anthologien der 80er wie „Monsters“ , „Tales from the Darkside“ oder „The Hitchhiker“.
Es gab bei „Ghost Story“ weniger Zweifel am Übernatürlichen, stattdessen standen die Auswirkungen des Übernatürlichen im Mittelpunkt und so wurden die Figuren mit Geistern, Spuk, Doppelgängern, mysteriösen Verfolgern, dämonischen Wesenheiten oder Wiedergängern konfrontiert, teils als Teil eines Geheimnisses, teilweise als „Rache“ für eine begangene Schuld. Dabei wurde die Gewalt jedoch meistens ausgeblendet und den Gedanken der Zuschauer überlassen, dafür setzte man auf eine unheimliche Atmosphäre und bemühte sich um stimmungsvolle Sets. Und natürlich hatte man auch eine Reihe von Gaststars zu bieten, altbekannte Gesichter der Filmgeschichte und prägnante Gesichter, die in den vielen Serien und TV-Filmen der 60er und 70er zu bekannten Größen geworden waren.
Nach klassischer Struktur setzte man auch hier auf eine Rahmenhandlung innerhalb des Originalkonzepts: Sebastian Cabot trat – nach einigen Teaserszenen, die allerdings viel Druck aus der zu erwartenden Geschichte nahmen – als Hotelbesitzer Winston Essex auf, in dessen Mansfield House man nicht nur luxuriös logieren, sondern sich auch bespuken lassen konnte. Cabot richtete stets salbungsvolle Worte an das Publikum und sorgte für Seriösität, dennoch fielen diese Einleitungen so dröge aus, dass man sie halb durch die Season komplett aus dem Konzept strich. Das hatte aber auch wieder nicht den gewünschten Erfolg, denn die komplett neu betitelte Serie, jetzt unter „Circle of Fear“ konnte den Rückstand gegenüber den übrigen Networks nicht mehr aufholen und so starb die Serie nach 22 Folgen plus einem Pilotfilm einen stillen Tod.
Mitschuldig daran war sicher auch, das Übernatürliche größtenteils aus dem Fokus der Kamera zu lassen. Hier und da gab es einen optischen Effekt, doch weder gab es Gewaltdarstellungen, noch etwas anderes Visuelles, welches auf die Andersartigkeit Rückschlüsse zuließ. Gestorben wurde sauber und blutfrei – meistens dann doch auf der Basis von Angst – durch Herzinfarkt oder – besonders unbefriedigend – mittels Schwarzblende und komplett außerhalb des Sichtbereichs der Kamera. Die hielt zumeist lange und nicht selten ominös auf sturmgepeitschte Landschaften, musikumtost, ohne das Versprechen des übergriffigen Jenseits gerecht zu werden.
Ja, „Ghost Story“ handelte wirklich von Geistern, verweigerte sich aber dem Risiko, sein Publikum zu schockieren und produzierte so nur recht brave Atmosphäre-Stücke, die man außerhalb eines gesetzten Alters durchaus für zahnlos halten konnte.
Das erfolgreiche Prinzip bekannter Gesichter und berühmter Altstars behielt man aber bei – und häufig waren die Auftritte das Bemerkenswerteste an dem ganzen Zinnober.

Hier nun ein kleiner Aufwasch mit den zur Verfügung stehenden Episoden…

Alles begann mit „The New House“ (0), einem klassischen Pilotfilm von noch 60 Minuten Länge, mit dem man die Akzeptanz der Publikum vortestete. Für das Skript verpflichtete man den damals schon berühmten Richard Matheson, der in just jenem Jahr mit „The Night Stalker“ und dem unbequemen Journalisten Kolchak die Einschaltquoten im Sturm genommen hatte – sogar den Regisseur John Moxey hatte man mit verpflichtet. Aus heutiger Sicht ist sogar dieses Episode brav – und leider mit einer Stunde schon fast zu lang, denn bis die Story von auf einem alten Galgenplatz errichteten Eigenheim in die Puschen kommt, ist der Ofen schon fast aus. Die Pointe stinkt aus heutiger Sicht so überdeutlich nach der Hälfte dem Showdown entgegen, dass selbst bei all dem finalen Budenzauber (Ehefrau allein im Haus…bei Nacht…ohne Ehemann…) Unglaube vorherrscht, das könne doch nicht alles gewesen sein. Aus meiner Sicht biederes Mittelmaß.

Die eigentliche Serie begann dann sechs Monate später mit „The Dead we leave behind“(1), einer klassischen „Rache aus dem Grab“-Sonate, in der sich Jason Robards und Stella Stevens in ihrer Wildnis-Klause auf den Strauss gehen, was mit einem präcognitiven TV-Apparat einher geht. Das ist nicht die ganze feine Art, hat aber so seine Momente.

Eher lyrisch kommt „The Concrete Captain“(2) daher, in dem auch Hammer-Alumni Jimmy Sangster seinen Schreibgriffel hatte. Hier gerät ein Liebespaar während des Küstenurlaubs an den legendären „Beton-Kapitän“, der sein letztes Grab laut Skript in einem Betonklotz mit Riss und herausragender Harpune gefunden hat. Das hätte jetzt Anklänge von MR James‘ „Count Magnus“, aber der in die Felsenküste geklatschte, walförmige Betonklotz sieht dermaßen Kacke aus, das die rauschende Frauenmystery-Atmosphäre immer wieder flöten geht. Immerhin: einige intensive Momente bleiben.

Das altbekannte Thema visonärer Träume beackert „At the Cradle Foot“(3), in dem James Franciscus (Rückkehr zum Planet der Affen) bemüht ist, den Mord an seiner Tochter zu verhindern, der aber erst in 20 Jahren stattfinden wird. Das ist dann schon mehr „Twilight Zone“-Territorium, doch Franciscus übertreibt maßlos laut Drehbuch, als entsprechend am entscheidenden Tag dem Täter (den er ja kennt) den Fangschuss zu geben. Stattdessen lässt sich der Autor auf eine Pointe ein, die eigentlich keine richtige ist. Visuell nett, aber wenig mehr.

Eine Camp-Volldröhnung bietet in „Bad Connection“(4) dann Horrorfilm-Star Karen Black an, die hier ständig gehauchte Anrufe aus dem Jenseits bekommt. Auslöser scheint ihr sehr toter Ehemann zu sein, den offenbar in Vietnam der Blitz getroffen hat, weswegen er ihr scheinbar in Army-Botten hinterher schleicht. Eine nicht so kreative Grundsituation, die an Reiz gewinnt, weil die Black hier regelmäßig volle Pulle loskreischt, allein wenn das Telefon nur bimmelt, während sie in interessanteren Momenten durch das Glasdach ihres Hauses von einer Gestalt beobachtet wird, dem aber weniger laute Aufmerksamkeit widmet. Das alles hat auch eine Pointe, ist aber im Vergleich zum Aufwand dann doch eher den Aufwand nicht wert.

Eine wirklich zündende Pointe hat auch „The Summer House“(5) nicht zu bieten, aber viele „creepy pictures“ von einem Sommerhäuschen, in dessen Keller ein Brunnen auf Teufel komm raus nicht zugedeckt bleiben will. Carolyn („Morticia Addams“) Jones ist vor ihrem Männe in die Sommerfrische gereist, obwohl sie die Bude hasst und nervt nun stetig einen befreundeten Nachbarn, während es im Keller deftig ruckelt. Am Ende deutet sich eine Ellipse an, aber was wirklich geschehen ist, oblag offenbar nicht den Fähigkeiten des Autors. Dafür ist Jones ein Genuss und unheimlich ist die Folge wenigstens auch zeitweise.

Das kann man von „Alter-Ego“(6) nicht behaupten, einer Story, die schon generell unter Schuss ins Knie leidet. Weil der kleine Robert sich die Gräten gebrochen, hängt er daheim vor dem Schachbrett. Plötzlich taucht ein mobil-agiler Doppelgänger auf, der vor allem eines ist: ein soziopathisches manipulatives Arschloch des Bösen, welches der geliebten alten Grundschullehrerin Helen Hayes die Rente versaut. Warum Robert daheim sein kann, während sein Spiegelbild zur Schule geht, will sich mir nicht recht erschließen, aber man will eh nur wissen, wann der kleine Drecksack seine Rechnung präsentiert bekommt. Ein Fest für Fans von bösen Kindern, erzählerisch tritt der Film aber ziemlich lange auf der Stelle, bis die Pointe einreitet.

Leere Versprechungen produziert leider auch „Half a Death“(7), in dem Pamela Franklin („Schloß des Schreckens“, „And Soon the Darkness“, „The Legend of Hell House“) der verbliebene Teil eines Zwillingspärchens ist, nachdem Schwester Lisa den Löffel abgegeben hat. Bei der Beerdigung zu Beginn geht auch noch Daddy ex, bevor Franklins Christina überhaupt in die Handlung eingreifen kann. Von nun an steht sie häufig in der Botanik und hascht nach Erscheinungen ihrer Schwester und bitcht an ihrer Mutter herum, für die man mit Kinostar Eleanor Parker wieder eine namhafte Darstellerin gefunden hat. Was also gut anfängt, verliert später leider total den Fokus und endet reichlich unspektakulär. Womit sich ein Trend abzeichnet.

Mit „House of Evil“(8) bliebt die nächste Folge vielen im Gedächtnis, das liegt vielleicht auch an der Paarung von Altstar Melvyn Douglas mit einer sehr jungen – und in dieser Folge taubstumm agierenden – Jodie Foster. Ihre beiden Figuren stehen in dieser Geschichte von Robert Bloch in telepathischem Kontakt miteinander und der bösartige Douglas bastelt sich einen finsteren Plan zurecht, wie er an der kompletten Familie (minus Foster) Rache nehmen kann. Mittels Püppchen aus Keksen! Das ist so absurd, wie die Folge lang ist, da kann auch Richard Mulligan als Daddy nichts retten. Wieso diese absurd umständliche Rache und wie sie eigentlich funktioniert, wird nie ganz klar, ebenso wenig wie eine überraschende Wendung am Ende, die mit dem sehr beliebten Hausbrand endet. Kann man schauen, echte Gruselatmosphäre sucht man aber vergebens.

Darauf ging es leider mit „Cry of the Cat“ (9) qualitativ noch ein paar Etagen runter, denn diese Abmalstudie aus „Cat People“, in der ein Puma all jene angreift, die einen jungen Rodeostar bedroht oder in Gefahr gebracht haben (inclusive eines Pferdes!!!), ist geradezu sturzlangweilig. Doug McClure ist der „handsome young man“, dessen alte Freundin befürchten muss, dass seine neue Flamme ein felines Geheimnis mit sich führt. Und so ist es dann auch. Dazu ein paar alte Ideen aus Werwolffilmen und gut war es. Oder war es eben nicht.

Etwas populärer ist in der Erinnerung die unvermeidliche Vampirfolge gewesen, doch die auf einer bekannteren Kurzgeschichte basierende Folge „Elegy for a Vampire“ (10) stottert sich letztendlich auch nur bemüht mit vielen langen Blicken über die in dieser Serie doch meist großzügig bemessene Laufzeit von 50 Minuten, in der ein Collegeprofessor sich seiner Fangzähne lange nicht recht bewusst ist.

Besser wird die Serie dann endlich – und faktisch schon zu spät – ab „Touch of Madness“ (11), in dem eine psychisch schon recht labile junge Frau nach dem Tod ihrer Mutter in ein abbruchreifes Haus zieht, das sie geerbt hat. Leider sind Onkel und Tante dort noch ansässig und die beiden haben derbe einen an der Waffel, wenn sie auch nicht ganz unwillig sind, zumindest den Garten aufzuräumen. Die Folge spielt ganz erfolgreich mit der Frage, ob die Geistererscheinungen rund um einen Mord tatsächlich passieren oder ihr durch das ständig angebotene „Tonic“ nicht induziert werden, denn die Butze zeigt sich mal wohl aufgeräumt und mal komplett „wasted“. Das ist manchmal ganz effektiv, kaut aber wie in so vielen Folgen zu häufig und zu lange auf stets den gleichen Sequenzen und Effekten herum.

Mit „Creatures of the Canyon“ (12) holt sich Angie Dickinson ihren Gehaltsscheck ab, als sie von einem böswilligen Dobermann belagert wird, den der verstorbene Gatte einem nahebei wohnenden Angestellten geschenkt hat. Selbst als sie den Vierbeiner in die nächste Welt geschickt hat, macht ihr das Dauergebelle den Keks mürbe und vielleicht sind ihre Beteuerungen, Hunde zu lieben (sie hat selbst so einen Plüschie bei sich) nicht ganz so ehrlich. Ingesamt dann doch eher so mittel – und die Folge bekam dann auch die schlechtesten Noten.

„Time of Terror“ (13) war dann die letzte Serienfolge 1972 und auch die letzte unter dem Ursprungstitel „Ghost Story“. Darin findet Patricia Neal in einem Hotel/Casino ihren Göttergatten nicht mehr, der laut Informationen der Angestellten bereits ausgecheckt hat. Verwirrt taumelt sie durch die Menge, in der ein seltsames Bingo/Lotto-Spiel zu laufen scheint und ständig muss sie sich anhören zu warten, bis ihre „Nummer“ aufgerufen wird. Wer hier nach 10 Minuten den Braten nicht riecht, muss dringend mal inhalieren, aber die Folge ist zumindest streckenweise etwas „eerie“, ruht sich aber zu sehr auf Neals dahindämmernder Performance aus, die in endlosen Starrsequenzen kulminiert. Eine weitere Folge, der das 30-Minuten-Format der „Twilight Zone“ besser getan hätte und zu der Serie gehört die Folge inhaltlich auch eher.

Anfang Januar 1973 ging es dann mit „Death’s Head“(14) weiter und die Serie hieß plötzlich „Circle of Fear“, präsentierte sich mit anderem Vorspann und ließ den Erzähler Sebastian Cabot und sein Geisterhotel Mansfield House komplett fallen. Stattdessen ging man gleich in jeder Episode in die Vollen. Und siehe da: die Serie kann plötzlich was. Das liegt natürlich auch an der Professionalität von Janet Leigh (das berühmte Psycho-Duschopfer), die sich hier einer hartnäckigen Totenkopfmotte stellen muss. Leigh spielt eine latent vernachlässigte Ehefrau, die Insekten hasst, welche aber gerade zum beliebtesten Hobby ihres Gatten mutieren. Ihr Herz schlägt für dessen Kumpel Rory Calhoun und deswegen nimmt sie auch das Pülverchen einer Wahrsagerin an, die ihr Problem aus dem Weg schaffen will. Doch erst einmal Witwe hört sie überall ein ominöses Flappen. Die Folge spielt erfolgreich mit dem Schiss vor den „Creepy Crawlies“, wie sie immer heißen und die Leigh hat den Drive, der so vielen Stars bei den müden Drehbüchern fehlte. Das Skript geht dann auch von der soften Geistergeschichte weg und rudert in „Tales from the Crypt“-Territorium rüber, leidet allerdings unter teilweise absolut lachhaften Tricks (Fake-Nachtfalter an kaum kaschierter Angel, eingebildete Insekten). Die Pointe könnte dann aber immerhin David Lynch zu einem Schicksal in „Twin Peaks“ inspiriert haben. Dennoch eine deutlich bessere Episode.

Bemerkenswert wirksam trotz kaum vorhandener Effekte ist auch „Dark Vengeance“ (15), in der Martin Sheen als Bauarbeiter eine Kiste ausbuddelt, die er zwar säubern, aber nicht öffnen kann. Derweil bekommen er und seine Holde, Kim Darby, üble Alpträume über ein diabolisch wieherndes Pferd und rollende Räder. Als die Kiste endlich aufgeht, enthält sie lediglich einen Spiegel und ein hölzernes Spielzeugpferd – Gegenstand der Alpträume. Leider ist der Wunsch, das gute Stück, schnell wieder zu entsorgen nicht umzusetzen, denn es wächst und bewegt sich munter durch die Gegend, selbst wenn man es fixiert oder vergräbt. Da bedarf es baldiger Aufklärung, was seine Frau mit dem Vieh zu tun hat. Der Plot ist jetzt nicht superoriginell und wird gerade im ersten Drittel ziemlich gestreckt, bekommt dann aber mit der Back Story in der zweiten Hälfte den nötigen Drive. Insgesamt die für mich beste Folge bisher.

„Earth, Air, Fire and Water“ (16) ist dann eine weitere memorable Episode, deren Wiedersehen mich sehr gefreut hat, war deren Finale doch eins dieser unerklärlichen Enden, die einen noch mehr verfolgen, wenn man sich nicht mehr erinnern kann, was man gesehen hat. 1990 in der Erstausstrahlung verfolgt, konnte ich jetzt überraschend die ganze Folge sehen – und fast wie immer bei „Ghost Story“ passt das nur bedingt zusammen. Die Story, auf einer Vorlage von Harlan Ellison und geskriptet von der „Star Trek“-Autorin D.C.Fontana, handelt von sechs wackeren Handwerkern/Künstlern, die gemeinsam einen Laden aufmachen (Künstlerkommune post-hippie-style) und im Hinterzimmer auf eine Kiste mit sechs bunten Glasgefäßen stoßen, zu denen sie eine unglaubliche Nähe und Affinität entwickelt. Das ist auch kein Wunder, denn die Gefäße enthalten eine Art uralte Entitäten, die bei den Herrschaften dazu führen, dass sie von Kunst auf „morbide Kunst“ umschwenken und vollkommen in ihrer Arbeit aufgehen, bis sie sich selbst auflösen. Auch hier gilt wieder: nach etwa 15 Minuten weiß man ungefähr wie der Hase läuft und das trabt dann in bedächtigem Tempo so weiter bis kurz vor Schluß, als die Folge in die Vollen geht. Immerhin ist die Ausweglosigkeit dieser Folge echt creepy, allerdings hätte man sich ein paar mehr Aktivposten gewünscht, an die man sein Herz hängen kann. Wie gesagt: das Ende ist ein großes Fragezeichen, haut aber gut rein.

Das gilt leider nicht für „Doorway to Death“ (17), die als Skript bestimmt ganz ordentlich wirkte, auf 50 Minuten gestreckt sich doch ziemlich zieht – nur diesmal ohne Überraschungen. Hier zieht eine Familie (Vater, große Tochter, zwei kleine Geschwister) in ein kleines Haus in San Francisco. Im oberen Geschoss grüßt immer ein schnauzbärtiger Herr am Fenster, doch dort wohnt gar niemand. Stattdessen entdecken die Kiddies (in einer frühen Rolle Teenie-Star: Leif Garrett), dass eine der Türen in eine verschneite Ebene führt, wo besagter Grüßaugust seine holde Ehefrau verhackstückt hat. Ungeachtet dessen besuchen sie ihn aber immer wieder. Nun muss man nicht groß raten, dass ihnen das niemand glaubt oder der Durchgang nicht immer da ist. Und natürlich fällt dem Autor auch nicht soviel zur Motivation ein, denn die Schnee-Besuche wiederholen sich endlos, dann baut man einen armen Hausmeister als Hilfsopfer ein und erst im Nachklapp wird die Absicht des Axtschwingers endlich geklärt, den man offenbar auch noch mit Sympathieentzug im Zaum halten kann. Schön gefilmt, aber leider insgesamt meistens sehr undramatisch und repetititv.

Im Fall von „Legion of Demons“ (18) haben die Autoren offenbar ein wenig zu oft „Rosemary’s Baby“ gesehen, denn die Story von der schüchternen Kleinstadtmaus, die in einem großen Bürohaus als Sekretärin arbeitet und nicht auf „socialising“ steht, weist doch einige Parallelen auf. Als ihre Mitbewohnerin und Kollegin verschwindet, gerät sie in den Fokus einer Gruppe von fünf Angestellten, die Teufelsbeschwörungen praktizieren, um mal so richtig frei zu schwingen. Auch hier ist der Fall praktisch nach 10 Minuten mehr als klar, das wenige Interesse bezieht die Folge mehr oder minder aus der Frage, ob der freundliche Kollege, der ihr zur Seite steht, eventuell auch zu dem Zirkel gehört. Ansonsten gibt es ein Wiedersehen mit den Elementargläsern aus Folge 16 (enthält jetzt: eine miniaturisierte Kollegin), ein ominöses 13.Stockwerk, wilde Optik, eine absurde magisch kontrollierte Autoflucht, in die man allerlei komisches Zeugs (Achterbahnoptik, sich näherndes Schiff) reingeschnitten hat und am Ende tatsächlich Typen in roten Kutten und gebogenen Zeremonialdolchen. Der Kokolores wäre vielleicht sogar wirksam, wenn Shirley Knight nicht eine 50 Minuten lang permanent wimmerndes und jaulendes Mäuschen spielen müsste, die einem nach gefühlt 20 Sekunden schon tierisch auf den Anker geht. Und der mehrfach wiederholte Beschwörungssermon der fünf Teufelsfreunde kann da mithalten.

Ein Scherz sollte offenbar „Graveyard Shift“(19) sein, in dem John „Gomez Addams“ Astin als hinkender Nachtwächter auf ein abbruchreifes Filmstudio aufpassen muss, in dem er früher selbst einige (Horror-)Rollen gespielt hat. Seine Holde ist schwanger und das eine Jugendbande auf dem Gelände Spaß haben will, ist ärgerlich – bedrohlich aber sind die Stimmen, die er hört. Die kommen von allerlei Hollywoodmonstern, die sich selbständig gemacht haben und nun als Geister speziell gern seine Frau und das Ungeborene bedrohen. Dabei ist das Setting durchaus interessant und angenehm, die Story aber lahmt und ganz besonders furchtbar sind die albernen Monstermasken der Geister, die sich an den Universalmonstern orientiert haben, ihnen aber nicht mal die Schuhe putzen dürften. Astin macht sich fortan zum Horst, bis er endlich gefeuert wird (William Castle selbst spielt einen Besucher des Studios), geht dann aber zum Angriff über. Hätte nett werden können, hat aber wieder mal weder besonders viel Plot noch Pointe.

Und wenn du denkst, es geht nichts mehr…kommt mit „Spare Parts“ (20) doch noch eine brauchbare Episode, in der nach dem Tod eines angesehenen Arztes, drei Komponenten (Hornhaut, Stimmbänder und Hände) als Organspende transplantiert werden. Leider gibt sich der Tote mit der guten Tat nicht zufrieden und nutzt seine Jenseitskräfte, um die drei Patienten (darunter Meg Foster) zu kontrollieren, um Jagd auf seine Gattin zu machen, von der annimmt, dass sie ihn umgebracht hat. Die Episode spielt fast ausschließlich auf der Transplantationsstation und hat einen gewissen morbiden Reiz, vor allem weil der Geist zusätzlich auftritt (entsprechend ohne die transplantierten Teile) und nicht alle auf einmal kontrollieren kann. Ausnahmsweise hat die Story dann auch endlich mal eine Pointe.

Die wiederum ist bei „The Ghost of Potter’s Field“ (21) eher dürftig, obwohl die Prämisse gut ist. Nach dem Besuch eines Anonymenfriedhofs sieht sich Tab Hunter einem Doppelgänger ausgesetzt, dessen Auftauchen allerlei Dinge in Bewegung setzt, seine Existenz bedroht, Leute verletzt und ihn selbst zunehmend aggressiv werden lässt. Da wiederholt sich leider vieles und das Ende ist eher unspektakulär, aber insgesamt ist die Episode noch okay.

Das Finale der Serie bestreitet schließlich „The Phantom of Herald Square“ (22), die noch besser wäre, wenn sie nicht so durchsichtig daherkäme. Hier haben wir David Soul als scheinbar netten Love Interest für eine junge Dame, allerdings steht er bei jemanden in der Schuld und muss so einen Auftrag erfüllen. Gleichzeitig wird die Frau von einem alten Mann bedroht, der mit Morddrohungen verhindern will, dass sich zwischen ihnen eine Beziehung entwickelt. Liest sich auf dem Papier gut, ist aber eher eine romantische Affäre, deren gruselige bzw faustische Bestandteile a) offensichtlich werden und b) nachgerade alle erklärt werden, weil man sie eben nicht so gut im Zeitrahmen zeigen kann. Ein versöhnlicher Abschluss, aber noch lange kein Highlight.

Fazit: Das waren sie dann also, die 23 Folgen und ich kann schon verstehen, dass die Serie ihre erste Season nicht überlebt hat. Selbst angesichts doch eher züchtiger Gruselserien wie „Night Gallery“ wirkte „Ghost Story“ überraschend bieder und unentschieden. Offenbar gepeinigt von beschränkten TV-Budgets mussten eben interessante Kamerawinkel und Verfremdungseffekte herhalten, wenn denn nun wirklich mal etwas gezeigt werden musste. Für sanfte Gemüter ist das sicherlich „creepy“ genug, aber genuine Horrorfans dürften die meisten Episoden eher etwas zahnlos und in fast allen Fällen mit 50 Minuten viel zu lang finden. Die Plots sind meistens gedehnt, wie schon erwähnt teilweise zeitschindend repetitiv und es mangelt an interessanten, aufregenden oder bösartigen Wendungen, die den Zuschauern länger in Erinnerung bleiben. Visuell sieht die Serie immer noch gut aus (abgesehen von den Tricks), die Darsteller sind alte Bekannte und vor allem die Musik hat so ihre atmosphärischen Pluspunkte, aber viel zu häufig weiß man schon wie der Hase läuft.
Bei der imdb hängen die Folgen zumeist im Bereich einer 6er oder 7er-Wertung, was meistens schon kein gutes Zeichen ist, tatsächlich funktionierten aber offenbar nicht überall die erwartbaren Episoden gleich. Die höchste Wertung hat etwa die Jodie-Foster-Episode „House of Evil“ und die steckt nun wirklich voller Fragezeichen und ist wegen ihrer Keks-Voodoo-Püppchen streckenweise affig. Im Umkehrschluss hat „Death’s Head“ mit Janet Leigh und der Totenkopfmotte eine extrem schwache Wertung, die aber wohl an den albernen Tricks liegt, denn in Sachen Plot ist die Folge ein seltenes abwechslungsreiches Beispiel für einen Revenge-Horror.
So sind dann auch die tatsächlichen Geisterepisoden meist melodramatische Chosen, die nicht wirklich überzeugen können, aber ggf. stimmungsvoll im Kanon von Mystery-Büchern ankommen. Wann immer die Serie etwas Abwechslung versuchte, brachte das meist auch frischen Wind.
Wenn ich Episoden empfehlen soll, würde für einen Test „Dark Vengeance“, „Spare Parts“ und „Earth, Air, Fire, Water“ vorschlagen, dazu vielleicht noch „Death’s Head“; „Touch of Madness“ und „Time of Terror. Andere wie „The Summer House“, „Doorway to Death“ und „Legion of Demons“ haben zumindest ihre Momente.
Insgesamt habe ich die „Circle of Fear“-Episoden aus der zweiten Staffelhälfte mehr genossen (und auch der Vorspann ist imho besser), während sich am Anfang vieles eher müde dahin schleppte.
„Ghost Story“ war nichts für Leute, die ihr TV raffiniert mögen, eher für Interessierte an konventionell aufbereiteten Stoffen, wobei sich die Serie aber immerhin nie der Lächerlichkeit preisgab, eher zeitweise der Einfallslosigkeit. In Sachen 70er-Network-TV ist sie aber guter Standard und wird daher sicher ihre Fans finden. Mehr als eine knappe 5/10 kann ich aber nicht spendieren.

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