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Denzel Washington als Star in einem britischen Film – das ist ungewöhnlich und äußerst selten. Noch ein Jahr bevor er für seine Nebenrolle als aufmüpfiger Sklaven-Soldat in „Glory“ den Oscar gewann, spielte er in diesem etwas langatmigen Sozialdrama mit. Und leider gelingt es dem derzeit vielleicht besten schwarzen Schauspieler trotz aller Mühen nicht, „Für Königin und Vaterland“ zu einem mitreißenden Film zu machen.

Die Story: Nach jahrelangem Einsatz als Fallschirmjäger in der britischen Armee kehrt Reuben James (Denzel Washington, „Training Day“) in die trostlose Trabantenstadt, in welcher er früher zu Hause war, zurück. Sein britisches Visum läuft für Einwanderer Reuben trotz seiner treuen Dienste für das Vaterland ab, sein aggressiver Kumpel Fish sitzt im Rollstuhl, überall herrscht polizeiliche Willkür und Kriminalität und Gewalt sind an der Tagesordnung. Doch Reuben verwährt sich dagegen, in diesen Sumpf der Gewalt herein gezogen zu werden und zur Waffe zu greifen – vorerst…

„Für Königin und Vaterland“ gehört eher zu den unbekannten Filmen im Oeuvre von Schauspieler Denzel Washington. Und das leider mit Recht: Obwohl um Atmosphäre und Milieuzeichnung bemüht, fehlt dem Film doch die notwendige Tiefe und Intensität. Anstatt schonungslose Bilder voller Dreck zu zeigen und etwas über Reubens Charakter zu offenbaren, kratzt der etwas dröge wirkende Film nur an der Oberfläche. Das reicht zwar für ein mit Problemen beladenes Drama um Gang-Kriminalität und soziale Brennpunkte, ist jedoch für eine Milieustudie zu unreflektiert und trivial dahinplätschernd, als dass so etwas wie Spannung aufkommt. In der zweiten Hälfte jedoch entwickelt der Film eine Dynamik und schafft ein nachvollziehbares Motiv für die aufkeimende Gewalt. Auch hier bleibt jedoch Reubens Gefühlsleben eher verhüllt: Die drohende Abschiebung und Entwurzelung trotz jahrelangen Dienstes für sein britisches Vaterland wird trotz der ungebrochen aktuellen politischen Brisanz des Themas nicht weiter verfolgt (obwohl es sich eigentlich angeboten hätte), sondern dient simplifiziert einzig als Vorwand für Hass gegen den Staat, die Staatsgewalt, von der Reuben sich im Stich gelassen und ausgenutzt fühlt – hier macht es sich der Film zu einfach. In diesem Sinne gleicht die reißerische letzte Viertelstunde um die Mobilisierung gegen die Polizei „Rambo“, ohne jedoch dessen Actionsequenzen zu generieren – was neben Washingtons eher zurückhaltenden Spiels erst recht einen kraftlosen Eindruck hinterlässt. Von der ansonsten beinahe unbekannten Besetzung sticht einzig noch B-Mime Bruce Payne („Warlock – Das Geisterschloss“) heraus, der einen zwielichtigen Drogendealer und Freund Reubens gibt.

Fazit: Ein Film mit lobenswerter Botschaft, die aber aufgrund der Oberflächigkeit keine politische Relevanz erhält. „Für Königin und Vaterland“ wird von Denzel Washington als Protagonist solide getragen – was allerdings dramaturgische Mängel und die dröge, unterkühlte Inszenierung von Regiedebütant Martin Stellman nicht kaschieren kann. Bemühungen bzgl. einer realistischen Milieuzeichnung sind jedoch zu erkennen, weswegen „Für Königin und Vaterland“ über dem filmischen Durchschnitt anzusiedeln ist.

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