Review

Zwischen Kannibalenfilm im Doku- Stil und Liebesschnulze in der Wildnis Afrikas beschäftigte sich Regisseur Ruggero Deodato so am Rande auch mal mit Trash.
Zumindest muss man das so einstufen, wenn Telefonkabel mit böser Energie eine Frau erdrosseln oder Münzen eines Telefons einen Mann erschlagen und es für all das bis zuletzt keine gescheite Erklärung gibt.

Auch Model Jenny (Charlotte Lewis) blickt nicht so recht durch. Erst kann sie ihren Freund telefonisch nicht erreichen und dann wählt sie versehentlich eine falsche Nummer und setzt damit schwarzmagische Kräfte frei. Kurz darauf erhält sie merkwürdige Anrufe mit sonderbaren Geräuschen im Hintergrund, dann sterben Menschen in ihrem nahen Umfeld auf unheimliche Weise, bis sie und ihr Nachbar der Zentrale des Bösen auf die Spur kommen.

Woher die Kraft genau kommt und in welcher Verbindung sie nun ausgerechnet mit Model Jenny steht, bleibt bis zum Ende schleierhaft. Genauso, wie ein Anrufbeantworter mit Lichtsignalen und schrillen Tönen zum Selbstmord per Sprung vom Dach treiben kann, das gleiche Gerät Fische im Aquarium tötet und Telefone von selbst ihren Standort wechseln.
Mal ganz zu schweigen von Telefonzellen, die sich in den Boden hinab senken und wieder andere, die einen Herzschrittmacher förmlich zum Explodieren bringen.
Hier muss man eine Menge hanebüchener Vorgänge hinnehmen, zu denen kaum ein Erklärungsansatz geliefert wird.

Demgegenüber scheinen einige Szenen recht selbstzweckmäßig zum Einsatz zu kommen, denn Charlotte Lewis ist definitiv ein Hingucker, weshalb man sie in einer Szene halbwegs wollüstig mit einem schwarzen Etwas in eine Wanne ohne Schaumwasser steigen und sich räkeln lässt. Das ergibt ebenso wenig Sinn, wie an anderer Stelle Wind aus dem Telefonhörer kommt und die Hauptfigur für einen Moment in zarte Ekstase treibt. Diese Szenen stehen völlig ohne Zusammenhang da und widmen sich lediglich dem leicht erotischen Anteil, - allerdings auch ohne jegliche Spannung.

Dabei gibt es durchaus Sequenzen, die Suspense zutage fördern. Etwa, als Jenny einen Freund im U-Bahn Tunnel sucht, sich an Wegelagerern vorbeischlingern muss und in einer Bahn landet, die weder Gäste noch Fahrer beinhaltet und sich dennoch in hoher Geschwindigkeit fortbewegt. Dass ihr noch ein Junkie in die Quere kommt, der ihr an die Wäsche will und zwischenzeitlich eine Wohnung Feuer fängt, kann durchaus als abwechslungsreich betrachtet werden, denn auch wenn viele Szenen an sich in keinem Kontext stehen, so ist zumindest die meiste Zeit Bewegung im Spiel.
Auch wenn man die Party bei einem Talent- Scout, sowie ein Foto- Shooting für Zahnpasta als völlig überflüssig bezeichnen kann, kommt eher selten Langeweile auf.

Nur Sinn ergibt das Ganze eben kaum. Telefone, sowie Kabel und Anrufbeantworter machen sich selbstständig, doch was genau dahinter steckt, bleibt ein Rätsel.
Da kann der etwas kurz ausgefallene Showdown mit Bondage- Einlage per Tonbänder in einem verlassenen Büroraum ebenso wenig Erhellung bewirken, wie wegfliegende Tauben, die offenbar für gefangene Seelen stehen, weshalb man ihnen lächerlich klingende Stimmchen unterlegt.

Ja, der Trash -Anteil kommt durchaus nicht zu kurz, zwischendurch kommen beim zaghaften Spiel mit Licht und Schatten auch mal atmosphärische Momente vor und bei alledem hat man immerhin noch eine Hauptfigur, die sich bewegungstechnisch überaus feminin, wenn auch darstellerisch nicht so prägnant aus der Affäre zieht.
Der Stoff bietet für geneigte Unsinn-Film-Fans also genügend Material, um größtenteils über die volle Distanz zu unterhalten, alle anderen werden „Dial: Help“ nicht ganz zu Unrecht als vages Stückwerk in Sachen Giallo mit übersinnlichen Elementen abstufen.
5 von 10

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