„Die Vampire töteten die Türken!“ (Amerikanerinnen bekommen Geschichtsunterricht)
Im Jahre 1991 startete US-Produzent Charles Band für seine „Full Moon Pictures“-B-Movie/Direct-to-Video-Schmiede unter der Regie Ted Nicolaous („Lucky Luke – Der neue Film“) mit „Subspecies“ eine bis dato vierteilige Vampir-Horrorfilmreihe, die sich an klassischen Genre-Vorbildern orientiert, aber auch moderne Aspekte einzubringen versucht.
Die US-amerikanischen Studentinnen Michele (Laura Tate, „Dead Space - Galaxis des Grauens“) und Lillian (Michelle McBride, „Riptide“) verschlägt es nach Transsylvanien, wo sie für ihre Examensarbeit forschen wollen. Sie suchen die Burg des berüchtigten Grafen Dracula auf und stoßen auf den blutrünstigen Vampir Radu (Anders Hove, „Idioten“), der mittels des Blutsteins seines Vaters zu mehr Macht gelangen will. Doch ein friedliebender, freundlicher Vampir (Michael Watson, „Black Scorpion“) eilt ihnen zu Hilfe, der sich als Radus ungleicher Bruder entpuppt...
„Subspecies“ beginnt mit einem Wechselbad der Gefühle für den Zuschauer: Während sich Freunde des europäischen (Gothic-)Kinos an den rumänischen Originalschauplätzen erfreuen können und eine Fahrt mit einem Trabant ostalgische Gefühle weckt, sind bereits die Dialoge inhaltlich eher fragwürdiger Natur. Fast schon abgeschrieben hätte ich den Film dann, als Radus schlecht nachträglich in den Film eingefügte Helferlein, putzige kleine Teufelchen, mehr belustigten, als gruselig oder gefährlich zu wirken. Doch das wäre etwas vorschnell gewesen, denn obwohl die Handlung lange Zeit frei von Höhepunkten und recht langweilig vor sich hindümpelt und das ganze Gelaber vom Blutstein und allem, was damit zusammenhängt, ziemlich uninteressant ist, kann man mit dem einen oder anderen durchaus punkten: Das Ambiente ist stimmig und trägt positiv zur Atmosphäre des Films bei, die zumindest jeweils so lange besteht, bis die schlechten Helferlein-SFX sie wieder zerstören, und das Erscheinungsbild Radus wurde zwar recht eindeutig bei Max Schreck aus „Nosferatu“ entlehnt, was sich aber trotz der langen Gummifinger nicht als die schlechteste Inspirationsquelle erweist: Anders Hove als Radu ist zeitweise tatsächlich ernstzunehmen.
„Es wird mir ein so süßes Vergnügen bereiten... sie hier vor dir zu schänden – im Blickfeld deiner dünkelhaften Arroganz!“ (Radu versteht es, sich auszudrücken)
In Minute 53 bekommt man etwas entblößte weibliche Oberweite zu Gesicht, was – nennt mich ruhig Chauvi – wie ein willkommener Farbtupfer, wie die Chilischote in einem bis dahin eher faden Gericht wirkt. Denn über weite Strecken erinnert „Subspecies“ an Valium-Prinzen, die in immer gleichem Tonfall und Tempo eine ach so spannende Geschichte herunterrattern; leider erinnerte man sich bei „Full Moon“ nicht daran, dass man – gerade als Low-Budget-Klitsche – mangelndes erzählerisches Vermögen gern mal mit etwas Humor und/oder Augenzwinkern kaschieren darf. Doch „Subspecies“ gibt sich vollkommen ernst und humorlos... Im letzten Drittel aber geht’s aufwärts: Das schöne Bild einer leckeren barbusigen Vampirin, die angekettet in der Burg verharrt, wird immer wieder aufgegriffen, eine Bissszene mit dem geifernden und sabbernden Radu wird hübsch eklig eingefangen und ausgekostet sowie ein Kopf explizit, jedoch reichlich unblutig abgeschlagen. Bis zum düster-romantischen Schluss bekommt man also zumindest etwas fürs Auge geboten, was in sicherlich unbeabsichtigtem und dadurch irgendwie witzigem Kontrast zum weibischen Liebesgeplänkel steht, das der Film aufzufahren versucht, jedoch lange vor „Twilight“ damit scheiterte.
Der möchtegern-folkloristische Teil des Soundtracks nervt ebenso wie die billig klingende Synthesizer-Hintergrundbeschallung. Schauspielerisch geht die Leistung der Darsteller für eine Produktion wie diese in Ordnung, hier etwas Over-, dort etwas Underacting, Angus Scrimm („Das Böse“) ist dabei. Und kurz bevor die Kulissen und Landschaften sich so sehr abnutzen, dass sie die Kameraarbeit als niemals mehr als solide-unauffällig entlarven und man sich ernsthafte Fragen nach dem Kreativgehalt des Films stellen könnte, ist er dann auch schon vorbei. „Subspecies“ reiht sich damit im gesicherten B-Movie-Mittelfeld ein, allerdings ohne größere Ambitionen auf die vorderen Plätze.