Review

„Ein Science – Fiction Film der Sonderklasse“. Aber so was von! Da muss ich dem Videocoverwerbespruch doch einmal Recht geben. „Cosmo“ ist wirklich Sonderklasse. Aber in seiner eigenen Klasse. Denn „Cosmo“ ist mitnichten ein Film, der einem breiten Publikum zugänglich ist. Das heißt nicht, dass man diesen Film nicht bekommen kann, sondern dass er einfach ein B – Movie ist, für welches man schon ein Fan trashiger Filme sein sollte. Denn „Cosmo“ ist eine selten merkwürdige Mischung aus Science Fiction – Trash und Musikfilm. Dies äußert sich in den Clipartig eingestreuten Auftritten der Rockgruppe „Blue Oyster Cult“, welche wohl den meisten durch ihrem Hit „Don´t fear The Reaper“ bekannt sein dürfte.

Zum Geschehen auf dem Bildschirm: Dangerous Dan O`Dare ist der neue Super - Dj bei einem amerikanischen Lokalradiosender mit beschränkter Reichweite. Bisher lief auf dem Sender immer Polkamusik. Das ist natürlich nicht sehr Publikumsfreundlich und so wechselt Dangerous Dan zu Rock & Roll und Hard Rock. Seinen Zuhörern scheint es zu gefallen. Aber nicht nur denen. Angelockt von der leckeren Musik landet genau vor dem Studio Cosmo, ein außerirdisches Wesen mit übergroßem Kopf. Jenes Wesen besetzt das Radiostudio, nimmt Danger – Dan als Geisel und sammelt mit Hilfe der Musik von Blue Oyster Cult diverse mehr oder weniger gut aussehende Damen der Gegend ein. Dies gestaltet sich so, dass jedes Mal, wenn die Musik von BOC erklingt, ein Mädchen verschwindet und geschrumpft im Radiostudio in einem Glaskolben auftaucht. Aber Cosmo hat die Rechnung ohne Dangerous Dan gemacht!

Herrlich, großartig! So ein Blödsinn kann zwar nicht nur, aber mit großer Sicherheit aus der Trash – Schmiede von meinem geliebten Charles Band kommen. Dieser talentierte Vielfilmer bedient schon seit Jahren gezielt die Sehgewohnheiten vieler B – Moviefans und ist dabei immer wieder für einen herzlichen Lacher gut. „Bad Channels“, so der treffende Originaltitel dieses Films, wurde zwar nicht von Charles gedreht, aber die Idee stammt von ihm. Da wäre es doch interessant, einmal zu wissen, wann ihm diese Idee gekommen ist? Beim Radiohören? Unter der Dusche oder gar bei einer höchstpersönlichen Begegnung mit Cosmo? Niemand kann es sagen.
Wahrscheinlich ist aber folgende Situation: Der Manager der Band Blue Oyster Cult ruft bei Charles an und fragt ihn, ob er nicht einen freakigen Videoclip für die Band drehen kann. Charles findet das ganz toll. Aber warum nicht gleich einen ganzen Film drehen in dem die Band eingebaut wird? Die Videoclips kann man ja immer noch weiter verwerten. Und so geschah es dann.

„Bad Channels“ ist ein Vermarktungsvehikel für die Musik von Blue Oyster Cult und die Musik von Blue Oyster Cult dient der Vermarktung von „Bad Channels“. Das hat seinen Grund. Denn jedes Mal, wenn eine der jungen Damen geschrumpft und entführt wird, wird dies dem Zuschauer durch einen Clip der Band klar gemacht und zwar solange, bis es auch der letzte kapiert hat. Dabei sind die Clips und die Musik nicht einmal übel. Blue Oyster Cult haben sich hier von ihrem 70er Jahre Hard Rock gelöst und spielen fast schon typischen amerikanischen Metal, wie es Bands wie Keel, Winger oder Ratt getan haben. Auch das Niveau der Musik kommt an die genannten Eintagsfliegen heran. Ein Song sticht aber besonders heraus. Jener entpuppt sich als echter Funk Rock – Knüller und nimmt somit den Sound von Bands wie Infectius Grooves oder Mordred voraus.

Ja, dieses bunte Gebräu macht viel Spaß. „Bad Channels“ ist Trash in höchster Vollendung. Alles wirkt absichtlich überzogen. Die Dialoge sind grottig, wobei in der DF sicher so mancher Gag verloren gegangen ist, aber das macht nichts. Hier gibt es auf jeden Fall was zu Lachen. Das Kostüm des Mannes im Aliengummianzug sieht einfach nur albern aus. Aber so albern, dass es schon wieder ein Heidenspaß macht, dem Darsteller des Alien zu zu sehen, wie er blind durch die Kulisse des Studios tapst. Denn anscheinend hat er nicht wirklich etwas durch das Kostüm gesehen und läuft so herrlich unbeholfen durch die Gegend.
Auch Paul Hipp als Dan ist einfach nur herrlich. Denn Paule geht voll in seiner Rolle auf und überagiert dabei das die Schwarte kracht. Man spürt förmlich, wie ihm der Gummialien im Nacken sitzt. Das Gute daran, der Alien will gar nichts weiter von Dan, als das dieser den Sendebetrieb aufrechterhält. Das ist natürlich praktisch. Denn so kann Dan das gesamte Geschehen im Studio, die Hörer live miterleben lassen. Die denken natürlich, dass sich Dan einen Scherz macht, bis schließlich die gesamte Bevölkerung der Gegend (etwa ein dutzend Personen), die Lage wirklich begreift und vor dem Studio die Action beginnen kann. Aber inzwischen hat im Inneren des Studios schon der Kampf mit dem Alien begonnen, welches übrigens noch einen kleinen, süßen Roboter mitgebracht hat. Dieser erinnert mich fatal an den Kaugummiautomaten aus „Mysterie Science Theater 3000“. Genial, das Teil hupt und fiept und blinkt sinnlos in der Gegend rum und bekommt von Zeit zu Zeit vom Oberalien was mit der Keule auf den Kopf.
Doch neben Dan gibt es ja noch mehr Darsteller. Jene agieren zwar nicht gerade übermäßig gut, aber mies kann man auch nicht sagen. Nein, die Blödelei der Akteure passt sich wunderbar der schrägen Handlung des Films an. Overacting ist angesagt und wird auch knallhart bis zum Ende durchgezogen.
Wo wir gerade beim Ende sind. Bei jenem verwandelt sich der Alien nämlich noch in eine sexy Monsterpflanze. Jene ist eine niedlich anzusehende Mischung aus Audrey II aus „Der kleine Horrorladen“ und Biollante aus „Godzilla – der Urgigant“, aber natürlich in der Discount – Variante des Charles Band - Hauses Full Moon Entertainment.

„Cosmo“ ist kein Film, der irgendwelche Ansprüche an irgendwas oder irgendwen stellt. „Cosmso“ ist einfach garantiert gute Unterhaltung für Freunde solcher Filme wie „Metaluna 4 antwortet nicht“. Denn als herrlich überdrehtes, zu keinem Zeitpunkt als ernst zu nehmendes Filmchen, funktioniert die Sache einfach wunderbar. Vielleicht sollte man „Cosmo“ einfach als den Versuch ansehen, eine Parodie zu sein, der u.a. eben genannten „Matluna…“ und ähnliche Genrevertreter, die ja eigentlich an sich schon Satire sind, noch einmal so richtig aufs Korn nimmt. Gewarnt seien aber all jene, die von Science Fiction – Filmen großartige Specialeffekte, eine logische Handlung oder sogar gute Darsteller erwarten. „Cosmo“ ist ultimativer Trash! Ein Science Fiction – Film der Sonderklasse eben!

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