Review

Vor Jahren habe ich TOURIST TRAP in der Originalversion gesehen (bzw. sehen müssen), heute ist das alles dank DvD ja kein Problem mehr und man kann den kranken Dialogen bzw. Monologen des von Chuck Connors überzeugend gespielten Psychopathen in der Muttersprache beiwohnen. Das ist auch gut so, denn TOURIST TRAP ist ein Fim, über den ich mich als Backwood-Fan ebenso begeistern wie ärgern kann, also der Reihe nach ...

Gibt es ein größeres Kompliment für einen Film dieses Subgenres, als wenn man ihn mit TCM vergleichen kann ? Wohl kaum - und in seinen starken Momenten kann man dies bei diesem Film ! Backwood meets Waxhouse meets Psycho - ein Schuß Übersinnlichkeit in Form von lebenden Wachspuppen - das funktioniert prächtig. Die Story ist halt typisch Backwood und braucht deshalb gar nicht im Detail erzählt werden: Jugendliche-Autopanne-Motel-Bums. Relativ zurückhaltend in Sachen Gore bietet TOURIST TRAP einige ganz ganz starke, atmosphärisch sehr dichte Sequenzen des aus TCM so heiß geliebten Terrors. Da wird einem richtig warm ums Herz, wenn man Chuck Connors dabei zusehen darf, wie der von ihm verkörperte Charakter den obligatorischen stupiden Teenies mächtig in seinem zur Freakshow mutierten Motel zusetzt. Auch wenn man an allen Ecken den Einfluß Tobe Hoopers spüren kann (TCM und EATEN ALIVE winken mit dem Zaunpfahl); die Puppen bzw. ihr vermeintliches Eigenleben verleihen TOURIST TRAP genug eigenständigen Charme, um bestens zu unterhalten. Mehr noch, der Film hätte ein echter Meilenstein bzw. Hammer werden können, wenn, ja wenn er sein Tempo konsequent bis zum Schluß durchgehalten hätte.
Und jetzt kommen wir zum ärgerlichen Teil des Ganzen: Das Ende des Films ist einfach maßlos enttäuschend, wirkt schludrig, albern, unmotiviert und zerstört vieles von dem, was der Film vorher aufgebaut hat. Da hätte man sich doch etwas mehr Mühe geben können, Mr. Slausen alias Chuck Connors in die ewigen Jagdgründe zu schicken.
Sei es drum - es ist nun mal so wie es ist. Regisseur Schmoeller hat sich ja Jahre später noch des Themas Puppenhorror angenommen; mit TOURIST TRAP hat er einen trotz aller Schwächen starken Beitrag zum Backwood-Subgenre abgeliefert, der in seinen starken Momenten die besten Zutaten verschiedener Horror-Richtungen zu einem echten Leckerbisen vereint. Wäre dieser verschissenen Schluß nicht, hätten wir einen Film für die Vitrine, so kommt er halt ins Regal, aber dann dort hin, wo man immer schnell drankommt. Wie gesagt: Man kann über diesen Film schwärmen und sich gleichzeitig maßlos ärgern. Drei Punkte Abzug für den Schluß - und in ein paar Jahren schaue ich ihn mir trotzdem nochmal an. 7/10

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