Als „Puppenslasherfreund“, insbesondere der „Puppet Master“ Reihe liebäugelte ich schon länger mit „Tourist Trap“ , da ich in der Annahme war, er würde thematisch in die gleiche Kerbe schlagen. Zwar war "Tourist Trap" dann doch kein "Puppenslasher" - ich wurde dennoch nicht enttäuscht. Der von Grundthematik am ehesten aus eine Mischung von „Texas Chainsaw Massacre“ und „Maniac“ erinnernde Film ist ein intelligenter Psychotrip, der in Punkto Schocks und Atmosphäre viele der späteren "Charles Band" Produktionen hinter sich läßt und sicherlich ein Highlight der „Full Moon“ Studios ist.
„Tourist Trap“ ist umgangssprachlich eine Attraktion, die von außen „hui“ zu scheinen seint, innen aber ein „Blender“ ist, der das Ziel hat, ahnungslosen Touristen das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Mehrere junge Menschen haben in der texanischen Wüste eine Wagenpanne; auf Suche nach Hilfe geraten sie an den zwielichtigen Slauson, der Besitzer eines längst geschlossenen Wachsfigurenkabinetts ist. Zusammen mit dutzenden von Wachsfiguren und Schaufensterpuppen lebt er in seinem Museum; abgeschieden von der Menschheit und inmitten der brütenden texanischen Hitze. Dort kann ein Mensch nur durchdrehen, oder?
Wer hätte gedacht das solch ein guter Film aus der „Full Moon“ Schmiede kommen mag? Der Erschaffer der „Puppet Master“ Reihe David Schmoeller und Produzent Charles Band (Begründer von „Full Moon“) zeigen sich für dieses ziemlich intensive Werk verantwortlich. Ohne groß spoilern zu wollen, aber das Slauson der Psychopath ist, wird wohl jedem Anfangs klar sein.
Daraus macht der Film auch keinen Hehl, die „echte“ Identität des maskentragenden und telekinetisch veranlagten Killers zu verleugnen; das interessante an dem Film ist jedoch, das fast jeder Akteuer davon keine Ahnung hat und sich vorerst von lebend gewordenen Puppen verfolgt sieht, die äußerst gut in ihren Effekten animiert sind. Die mit stimmigsten Momente hat der Film dann, wenn die Schaufensterpuppen / Wachsfiguren agieren. Durch den „Trick der Telekinese“ bewegen sie Augen und Münder, tauchen wie aus dem nichts aus und stöhnen lauthals. Hier ist der Film richtig gruselig und atmosphärisch, sind dann doch an jeder Ecke Figuren und die langsamen Kamerafahrten an ihnen liefern Gruselstimmung pur.
Zwar bestimmt den Film der Mikokosmos Slausons, der sehr redselig Motive und Tatendrang darlegt und zu der Schwäche des Filmes wird: er ist teilweise zu dialoglastig. Der Charakter des Slauson wird von Chuck Conners jedoch eindrucksvoll gespielt, der mit und ohne Maske den Hauptteil des Filmes einnimmt. Die anderen Darsteller agieren ebenfalls glaubwürdig und sind eine Bereicherung in dem üblichen Teenie – Einheitsbrei. Zwar werden sie oft durch stimmigen Kulissen gejagt, müssen sich aber dann teils minutenlang zulabern lassen. Trotz dieser den Erzählfluss stockenden Szenen baut sich eine stetig wachsende bedrohliche Atmosphäre auf, die in einem unerwartendem Finale gipfelt, in der die Effektkünstler noch einmal alle Register ihres Könnens demonstrieren.
Wo liegen sonst noch Parallelen zum „Texas Chainsaw Massacre“? Ähnlich dort ist es der Wahnsinn des Wüsteneinsiedlers, hervorgerufen durch Einsamkeit und Hitze. Auch die unzähligen Masken die er trägt sind sehr stimmig und weisen fast „Leatherface“ Stil auf. Auch ähnlich "TCM" watet der Film kaum in Blut; Splattereffekte nein, Bluteffekte ja – zusammen mit ein paar ziemlich kruden Einfällen, wie im überraschenden Ende (Rettung(?) Mollys).
Ähnlich Sally in „Texas Chainsaw Massacre“ ist die einzig Überlebende total mit den Nerven durch und flüchtet. Bloss der Schlußgag ist hier noch eine Spur ausgefeilter, aber weniger intensiv. Aufgrund der psychologisch – bedrückenden Grundtendenz, geparrt mit einigen „echten“ Horrorsequenzen verfehlt der Film seine Wirkung nicht, kann aber nicht vollends überzeugen.
Fazit: Kein echter „Puppenslasher“, aber ein guter Film für Freunde von seltsamen Backwoodstreifen, die nicht unbedingt alle 10 Minuten Gemetzel brauchen.