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Als Full Moon noch aus dem Vollen schöpfte

„Tourist Trap" von 1979 erweist sich als ein überraschend sorgfältig inszenierter Mix aus Genreversatzstücken, der angesichts des Entstehungsjahres womöglich innovativer ist als es heute den Anschein hat. David Schmoeller hat unter Aufsicht von Charles Band aus seinen Mitteln mehr rausgeholt als ich erwartet hätte und serviert hier einen Backwood-Horror, der den obskuren Terror eines „Texas Chainsaw Massacre" ebenso aufgreift wie den übersinnlich angehauchten Okkultismus- oder Spukhaushorror der Siebziger. 


Hier liegt meines Erachtens auch der grobe Schnitzer der Produktion, denn diese beiden Elemente gehen irgendwie nicht so wirklich zusammen und den Spukanteil hätte man deutlich zurückfahren können, um dem Psychoterror mehr Gewicht zu verleihen. Dieser trägt den Film insgesamt besser. 

Die Schauspieler machen ihre Sache angesichts der schmalen Produktion gut, wobei Chuck Connors imposante Erscheinung in Kombination mit den Masken ganz klar das Zentrum des Films ausfüllt. Vollkommen unerwartet verleiht er der Figur des Mr. Slausen einen tragischen Anstrich, der dem Film wiederum mehr Tiefgang gibt als man es bei dem Sujet gewohnt ist. Die Synchronstimme von Arnold Marquis mag dabei dem Film mehr Qualität mitgeben als von Haus aus tatsächlich vorhanden war. 
Auch Jocelyn Jones in ihrer Rolle als biedere Molly findet Wege, ihre Figur deutlich über das Kanonenfutter zu heben, wie es einem im nächsten Jahrzehnt dann fast ausschließlich begegnen sollte. Auch Bondgirl '85 Tanya Roberts funktioniert als sexy Hotpants-Häschen ganz gut und macht mehr als nur hilflos und knapp bekleidet durch die Gegend zu schreien. Hier hat Schmoeller das richtige Händchen bewiesen. 

Ebenso werden Szenen teilweise solide, teilweise auch wirklich atmosphärisch eingefangen, die Masken und Puppen schaffen ein durchgehend morbides Ambiente und stellenweise funktioniert auch die Musik zu den Szenen, wobei hier insgesamt aber eher ein Schwachpunkt des Films auszumachen ist. Zum Schluss hin erkennt man aber zunehmend schon den typischen Drive einer Full-Moon-Produktion, wie man ihn aus den Serien „Puppet Master" oder auch „Trancers" kennt.  


Fazit 

Mir hat der Film mit den großen Puppen besser gefallen als die mit den kleinen. Schmoeller legt hier einen für Genrefreunde interessanten, weil ungewöhnlichen Beitrag hin, der deutlich besser inszeniert ist als die allermeisten späteren Werke aus demselben Hause. Zwar haut einen der Film nicht wirklich vom Hocker, aber er schafft es dann doch eine oft morbide und skurrile Atmosphäre aufrechtzuerhalten. Dazu tragen neben gut aufgelegten Darstellern wirklich gelungene Setpieces bei, die in Sachen Tempo mitunter verschleppt werden, aber bei 85 Minuten Laufzeit fällt dies wenig ins Gewicht. Ich finde den Dünnbrett-to-Video-Kram, den Full Moon dann später ausschließlich produzierte, ja oftmals belustigend trashig und daher unterhaltsam. „Tourist Trap" beweist im Vergleich aber, wie schmal die Produktionen von Charles Band dann ab Mitte der Achtziger wurden und wirkt durch seinen Siebziger-Vibe deutlich hochwertiger. 

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