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Vier Highschool-Schüler und dasselbe Problem: Alle noch Jungfrau, Besserung nicht in Sicht. Also schließen sie einen Pakt: Bis zum Abschlussball in 3 Wochen müssen alle mit einem Mädchen geschlafen haben.

Aus dieser simplen Story entwickelte sich im Jahr 1999 ein echter Überraschungshit. Mit 6 Millionen Kinozuschauern äußerst erfolgreich, ist “American Pie” mittlerweile auch zu einem echten Dauerbrenner auf Partys avanciert. Der Film leitete eine neue Ära ein, geschmacklose Teeniekomödien waren plötzlich total angesagt und überfluten bis heute die Kinos. Das Einspielergebnis stimmt meistens, doch kein Ableger (bis auf die Fortsetzung) erreichte je die Qualitäten des “Originals”.

Ein großer Pluspunkt des Films ist zunächst einmal die Story, die erstens von jedem noch so beschränkten Menschen verstanden wird und zweitens jeden anspricht. Vor allem Jugendliche zwischen 14 und 16 dürften alle schon einmal “American Pie” gesehen haben. Doch auch reifere Zuschauer können ihren Spaß haben, denn schließlich waren alle mal jung. Natürlich muss man bereit sein für einige Gags, die übelst tief unter die Gürtellinie gehen. Da wird “spermiertes” Bier getrunken, ein “Heimscheißer” kann seinen Durchfall auf der Damentoilette nicht mehr zurückhalten, einer steckt sein bestes Stück in einen Apfelkuchen und die Witzchen drehen sich praktisch nur um Sex. Die Gags sprechen dabei natürlich eher das jüngere Publikum an, die Szene mit dem Sperma im Bier ist schon fast wieder zu eklig, um darüber zu lachen. Dafür werden Reihenweise komische Situationswitze geboten, die in der Art fast Referenz sind. So ein perfektes Timing wie bei der jetzt schon legendären Webcam-Szene hab ich noch bei keiner Teeniekomödie erlebt. Auch viele andere Gags, wie die Vater-Sohn-Gespräche lassen sich nicht erklären, man muss den Film einfach gesehen haben. Und dann wird man sich halb totlachen, versprochen.

Zum Erfolg des Films haben wohl auch die facettenreichen Figuren beigetragen. Jeder wird einen finden, mit dem er sich identifizieren kann. Da ist der sympathische Loser Jim (Jason Biggs), der schüchterne Sportler Oz (Chris Klein), der Außenseiter Finch (Eddie Kaye Thomas), der vergebene Kevin (Thomas Ian Nicholas) und darüber hinaus noch zahlreiche Nebenfiguren wie der Angeber Stifler oder der Ekelpatzen Sherman. Die weiblichen Rollen wurden sehr attraktiv besetzt, v.a. Shannon Elizabeth als rassige Tschechin Nadja und Tara Reid sind absolut heiße Bräute. Und so gut wie alle passen perfekt in ihre Rollen, bloß Thomas Ian Nicholas kommt etwas unnatürlich rüber. Besonders erwähnen möchte ich noch Eugene Levy, der Jim’s Vater spielt. Er ist ja wohl der absolute Kracher! Seine peinlichen Gespräche (die wiederum auch fast jeder Junge von der Realität kennt) sind für mich das lustigste im ganzen Film und sind auch noch beim x-ten Mal komisch.

Noch eines halte ich dem Film zugute: Obwohl die Gags teilweise so schamlos sind, wird nicht ganz auf gefühlsbetonte Sequenzen verzichtet. Und die wirken nicht aufgesetzt, sondern richtig echt und setzen sich sogar ernsthaft mit dem Thema “erstes Mal” auseinander. Wenn man so will, kann man sogar eine Moral hineininterpretieren: Liebe kann man nicht planen, es kommt eh immer anders, als vorgesehen. Ein Riesenlob, dass dieses Thema, das wirklich genug Zoten bietet, hier auch mit Respekt und genügend Abstand behandelt wird.

So oder so, “American Pie” ist schon jetzt ein Kultfilm, ein Evergreen auf Filmabenden mit hohem Wiederanschauungsfaktor. Es wird ein breites Spektrum an Figuren geboten, wobei sich jeder mit mindestens einer identifizieren kann, auch dank großartiger Schauspieler. Ein durchweg unterhaltsames, unbeschwertes Filmvergnügen, mit Szenen, bei denen man schon drei Jahre nach dem Erscheinen sagen kann, dass sie Filmgeschichte geschrieben haben (Apfelkuchen, Webcam usw.). Wer von der älteren Generation auch über schamlosere Witze lachen kann, dem sei “American Pie” ans Herz gelegt, die jüngeren müssen ihn sowieso gesehen haben, da kommt man nicht drum rum.

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