Alle paar Jahre wieder braucht eine Teenagergeneration eine Komödie um den ersten Sex und wenn die Macher sich geschickt anstellen, landen sie einen Bombenhit, so wie bei "American Pie"
Die Plots variieren dabei meist nur marginal, es geht mehr darum, wie witzig oder wie nackt das Gezeigte wirklich ist - oder wie neu und revolutionär, bzw. wie geschmacklos.
"American Pie" zündete am Box Office gewaltig und trat gemeinsam mit ein paar anderen Filmen eine ganze Welle von Gross-Out-Komik-Filmen los, die bis heute noch nicht wieder abgeebbt ist. Grossout in Verbindung mit diversen wiederholbaren Sprüchen und einigen Killerszenen, die bis in alle Ewigkeiten wirken werden, das mußte Kasse machen.
Was aber bei "Pie" wirklich beeindruckt, ist die zwar vollkommen simple, aber doch ungemein charmant erzählte Geschichte zwischen den denkwürdigen Szenen. Die Nerds von früher, die sich nie gegen die Strahlemänner behaupten konnten, das ist hier eine Mixtur der verschiedensten Teenager-Klassen, aufgekocht zu einem harmonischen Ganzen. Der Film widmet sich gleich vier männlichen Jungfrauen, die sich dummerweise eine Frist bis Schuljahrs- und High-School-Ende zur Entjungferung setzen und deckt die Klassen praktischerweise gut ab. Da gibt es den tollpatschigen Pechvogel (Biggs), den noch ungeschickten Sportler-Schönling (Klein), den glücklich Liierten (Nicholas) und den totalen Außenseiter (Thomas). Natürlich stehen deren ehrenhafte bzw. -lose Versuche im Vordergrund, doch der Film nimmt sich zusätzlich Zeit für die Seite der Mädchen (die natürlich durch die Bank weg realistischer gezeichnet). Allerdings werden hier auch alle Klischees abgedeckt, vom scharfen Au-Pair-Girl, über die besorgte Freundin, das raffinierte Biest und DEN Nerd überhaupt.
Der Cast ist ein reiner Glücksfall für die Geschichte der Teenagercomedy, ein Ensemble, welches ineinanderzufließen scheint, obwohl die Story eine episodenhafte Montage von gefühlvollen und geschmacklosen Szenen ist. Immerhin ist der Film dabei recht freizügig, behandelt Oralsex genauso Selbstbefriedigung, läßt den Hauptdarsteller den titelgebenden Kuchen vögeln (eine von zwei Evergreens, der andere ist Alyson Hannigans berühmtes Flötenzitat) und eine Ladung Sperma im Bier wird auch nicht aus- bzw. stehengelassen. Dabei gestalten die Weitz-Brüder das ebenso freizügig wie gefühlvoll, ohne in provokant exhibitionistische Details zu verfallen.
"American Pie" hat seine halbe Besetzung berühmt gemacht und ihr so viele Rollen zugetragen, daß zwei Jahre später so ziemlich alle wieder zur Fortsetzung antraten, die beinahe ebenso unterhaltsam ist.
Zu bewundern ist hier jedenfalls die märchenhaft-charmante Art, mit der das alles dargeboten wird, angereichert mit fetziger Musik und dem richtigen Drive, um die dürre Idee durch irre schnelle 90 Minuten zu tragen.
Was sind da Werke wie "Porkys"? Schlachthäuser! (8/10)