Review

Humbug mit Flair


Die Mondo-Welle schwappte Mitte der 70er tsunamiartig durch die deutschen Bahnhofskinos - von toten Gesichtern über Schulmädchenreporten bis zu „Neuigkeiten vom schwarzen Kontinent“. Da sahen ein paar der größten, dreist zusammengebastelten und -gelogenen Schockcocktails aller Zeiten das Licht der Filmwelt. Der Macher des großartigen „Blutiger Freitag“, Rolf Olsen, lieferte mit „Reise ins Jenseits“ seinen Beitrag zu diesem fragwürdigen und berüchtigten Hype - und nahm sich kein geringeres Ziel als Übersinnliches und Andersweltliches mit weltweit zusammengeschusterten Obskuritäten zu beweisen…

Mondo Made In Germany

Eiter und Schweiß, Spucke und Sperma, Blut und Tränen, Gedärms und Gedöns, Ekel und Effekte, Geister und Großeltern. Diese bunte Weltreise hält mit kaum Körperflüssigkeiten und Konterthesen hinter'm Berg. Manchmal gar nicht zu ferne und dumme Ansätze. Dann aber immer schön geschmacklos und lächerlich in den Scheisshaufen. Voller Selbstbewusstsein, voller Wahnsinn. Wie man das damals in dieser „wissenschaftlich“ aufgezogenen Art glauben und vermarkten konnte, geht aus heutiger Sicht auf absolut keine Kuhhaut. Spiritualität und Verbotenes, WTF?! und Wanderzirkus, abschreckendes Beispiel und wunderschön naiv, ungefährlich, hilflos. Was waren das noch schöne Zeiten, als sich die Verschwörungstheoretiker und Alternativen dermaßen süß, sozial und menschlich verliefen und befruchteten… 

Fazit: OPs und Quacksalber, Schnarchen und Schocks, Erkenntnisse und Kopfschütteln, Ekzeme und Eckzähne, Voodoo und Wahrheit, Untergang und Wiedergeburt, Ectoplasma und Herzklabaster - „Reise ins Jenseits“ spielt seinen Stiefel voller Schwachsinn ernst, eklig und eloquent runter! 

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