Review

Was macht eigentlich einen guten Krimi aus? Ganz klar, er muss spannend sein, er muss einen bis zum Ende fesseln können und sein Publikum, mit möglichst vielen falschen Fährten und Wendungen, aufs Glatteis führen. Wenn er diese Voraussetzungen erfüllt, ja dann ist ein Krimi wirklich gut. Und mit "Der Tod hat Vortritt" haben wir auch so ein gutes Stück Krimikost.

"Der Tod hat Vortritt" ist ein TV-Krimi, der sich wieder einmal an einem Kriminalroman orientiert und dieses mal sogar recht gut. Es geht um eine Kriminalinspektorin, die auf einen Killer angesetzt wird, der Brautpaare in ihrer Hochzeitsnacht regelrecht abschlachtet. Nach einiger Zeit erfährt die Inspektorin allerdings, dass sie an einer durchaus tödlichen Blut-Krankheit leidet. Nun heißt es also nicht nur den Mörder dingfest zu machen, sondern auch die Krankheit zu bekämpfen. Zwei regelrecht nicht gewinnbare Kämpfe haben begonnen. Die Story bietet alles in allem beste Krimikost. Zwar sind wirkliche Innovationen nur selten zu finden und auch übliche Klischees sind nicht ganz zu übersehen, doch alles in allem bietet die Story wohlige Kriminalunterhaltung, wie sie Freunde des gepflegten Crime-Movie gerne haben.

Was bei diesem Film mit am besten gelingt, ist die Sache des Spuren legens und des Spuren verwischen. Viele knackige Wendungen führen den Zuschauer ein ums andere Mal aufs Glatteis. Immer wieder tauchen Indizien auf, die man früher gar nicht entdeckt hat. Somit ist der Mörder am Ende auch wirklich mal wieder derjenige, mit dem man nun überhaupt nicht gerechnet hat. Und wenn man dann meint der Fall sei abgeschlossen, gibt es noch einmal eine knackige Bombe, in Sachen Wendungen. Hier hat man sich wirklich einiges einfallen lassen, um bis zum bitteren Schluss den Zuschauer bei Laune zu halten und ihm wirklich zu keiner Sekunde etwas zu viel zu erraten. Und das ist nun einmal das "Ah und Oh" eines jeden Krimis.

Aber nicht nur die vielen Storytwists tragen zum Gelingen des Films bei auch die Inszenierung tut ihr Übriges. Zwar kommt das Ganze nur selten über Fernsehniveau heraus, doch dafür hält es sich auf einem ziemlich guten Niveau. Sowohl die Musikuntermahlung, als auch die Auswahl der mitunter malerischen Kulissen, können eine erstaunlich tiefe Atmosphäre erzeugen. Kleine Schweißperlen auf der Stirn, können jedenfalls durchaus, bei dem ein oder anderen Zuschauer, entstehen.

Etwas zwiespältig verhält sich dagegen die Tatasache, dass der Streifen ziemlich brutal ausgefallen ist, zumindest für einen Fernseh-Krimi. Da wird eines der Opfer brutal niedergestochen und ein weiteres Opfer wird, mit einem Pfeil aus einer Armbrust, brutal durchlöchert, bevor es sich an einem Baum hängend wiederfindet. Und auch der Täter selbst muss am Ende auf ziemlich blutige Art und Weise den Löffel abgeben. Mir persönlich ist das Ganze da beinah schon ne Ecke zu brutal ausgefallen. Zumindest hätte man auf die ein oder andere Blutzugabe durchaus verzichten können, da wir uns schließlich in einem Krimi befinden und nicht in einem Slashermovie. Hängt allerdings auch sicher damit zusammen, dass "Highlander"-Regisseur Russell Mulcahy hier am Ruder war.

Zudem möchte ich auch einen weiteren Kritikpunkt nicht außen vor lassen. Denn so spannend und atmosphärisch das Treiben mitunter ausgefallen ist, so hackt es leider doch, immer wieder mal, mit der Logik. Einige Logiklöcher klaffen gerade zu und wurden nur sehr unsauber umschifft. Z. Bsp. ist das Verhalten der Opfer (sprich der Brautpaare) mitunter sehr haarsträubend ausgefallen (beispielsweise schaut eine der Bräute ihren Mörder erst einmal sekundenlang an, bevor sie auf die Idee der Flucht kommt) und auch so manch andere Ungereimtheit fällt bitter auf. So zerreist der Tatverdächtige z. Bsp. einen Brief, der ein paar Sekunden später plötzlich wieder vollkommen unversehrt ist. Da hätte man beim Drehbuchschreiben dann vielleicht doch noch etwas mehr Sorgfalt walten lassen sollen. Zumindest kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Ungereimtheiten so auch im Buch auftreten.

Was die Darsteller angeht, darf man sich auf gute TV-Kost einstellen. Hauptdarstellerin Tracy Pollan macht ihre Sache, als kranke aber ehrgeizige Ermittlerin, mehr als gut und auch Gil Bellows ist, in seiner typisch smarten Rolle, recht angenehm anzuschauen. Dazu ein knallharter Robert Patrick und eine stets knackige Pam Grier. Nur Mitch Pileggi kam mir, im Gegensatz zu den ganzen anderen Stars, etwas überlastet vor. Aber man kann es verkraften.

Fazit: Spannendes und atmosphärisch dichtes Kriminalstück, dass mit vielen knackigen Wendungen und einer guten Mischung aus Spuren legen und Spuren verwischen, für schweißtreibende Unterhaltung sorgt. Zwar hätte man auf die ein oder andere Brutalität durchaus verzichten können und auch mit der Logik hapert es ab und an recht stark. Unterm Strich wird einem aber trotzdem angenehme Krimiunterhaltung geboten, so wie man sie ganz gerne hat. Und das ist schließlich das Wichtigste!

Wertung: 7/10 Punkte

Details
Ähnliche Filme