Review

Knapp vier Jahre nach dem Überraschungserfolg von „Freitag der 13.“ gelang Sean S. Cunningham erneut ein interessanter Film, der genretechnisch weniger in die Horror-Abteilung passt. Am ehesten könnte man ihn wohl als kleinen Abkömmling der „Klasse von 1984“ bezeichnen, denn im Mittelpunkt steht abermals eine kriminelle Jugendgang, deren Handeln eine Gewaltspirale in Gang setzt.

Die Story ist denkbar simpel: Die Geschwister Loren (das ist ein Junge) und Abby ziehen nach dem Unfalltod ihrer Eltern von New York nach Florida aufs Land, wo ihr Onkel Charlie einen kleinen Vergnügungspark instand zu setzen versucht.
Doch bereits nach kurzer Zeit geraten sie ins Visier der Gang um Dutra (James Spader), der es nicht ertragen kann, von Abby abgewiesen zu werden…

…und so schaukeln sich die gegenseitigen Gewalteinsätze langsam hoch.
Nach schön flüssiger Einleitung, in der man die Geschwister mit Colonel Dad (Tom Atkins) trainieren sieht, ahnt man bereits, mit welchem Körpereinsatz sie gegen die Redneck-Gang vorgehen mögen.
Die Fronten sind sogleich geklärt, Sympathiezuweisungen ebenfalls, spätestens, wenn die überaus penetranten Anmachversuche der Poser bei Abby gnadenlos abblitzen, was sie offenbar nicht gewohnt sind.

Dramaturgisch geschickt schürt Cunningham Suspense durch Aktion und Reaktion. Genauso überlegt lässt er unsere Helden (hauptsächlich Loren) gegen die Fieslinge vorgehen, denn zunächst lässt sich dieser rein gar nicht provozieren. Hält still, als die Gang Teile des Vergnügungsparks besprüht und eine Wand platt fährt und schweigt bei verbalen Attacken.
Erst als sie Onkel Charlies Cadillac zerkratzen, holt er zum Gegenschlag aus und überrumpelt nachts Anführer Dutra, um ihm Geld für die Instandsetzung abzuknöpfen.
Doch damit fangen die fieseren Aktionen erst an.

Nur selten schweift man vom Kern der Sache ab, um dem Geschwisterpaar zwei Freunde an die Seite zu stellen (eine ist Tochter eines Cops, der andere Eric Stoltz) und auch mit dem Aufbau des Vergnügungsparks beschäftigt man sich nur nebenbei, - bis zum Finale ist der zumindest betriebsbereit, da hier der recht actionhaltige Showdown stattfindet.
Mittlerweile haben sich die Kriminellen mit Gewehren und blutrünstigen Pit Bull ausgestattet, um die Geschwister endgültig auszuschalten, doch selbst ein Rollercoaster kann als Maßnahme zur Gegenwehr von Nutzen sein und zur Not kann man den Gegner im Spiegelkabinett in eine Falle locken oder aus einer klassischen Prügelei als Sieger hervorgehen.

Die Charakterisierungen beschränken sich dabei aufs Wesentliche, die Darsteller allerdings auch, trotz einer zeitweise recht knackigen Vorstellung von Lori Loughlin als Abby und James Spader im püscheligen Albino-Look, der gegenüber den übrigen Typen stets frisch geföhnt erscheint.
Zwischenzeitlich erfrischen zwei, drei typisch zeitgenössische Rocksongs das Treiben, - zu einem trainiert der Held seine Fitness, als würde er wie Rocky in naher Zukunft einem Endgegner gegenüber stehen, - ist aber ein charmanter Part.

Eventuell hätte man Regisseur Cunningham etwas mehr Härte zugetraut, da keine Gewaltszene auch nur annähernd an die Grenze des Zumutbaren geht. Man kalkuliert zwar gekonnt mit sadistischer Unberechenbarkeit, lässt diese aber kaum so richtig zum Zuge kommen.
Dennoch ist ein Mitfiebern in sehr unterhaltsamen Rahmen gewährleistet, die schwarzweißmalerischen Klischees funktionieren und am Ende wird man mit einem ordentlichen Showdown belohnt, einschließlich einer zufrieden stellenden Endeinstellung.
Zwar nicht so kraftvoll und impulsiv wie „Die Klasse von 1984“, aber stellenweise doch recht spannend.
Knapp
7 von 10

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