Ich hatte außer ein paar dentale Ekelszenen eigentlich rein gar nicht von dem Film erwartet. Dass nebenbei ein überzeugender Hauptdarsteller und eine gesunde Prise schwarzer Humor dabei raussprangen, war umso erfreulicher, so dass ein überwiegend positiver Eindruck zurückblieb.
Der geisteskranke Zahnarzt Dr. Feinstone (Corbin Bernsen) kann aus der Nervenklinik entkommen, setzt sich in eine Kleinstadt ab und beginnt sein mörderisches Handwerk aufs Neue. Nicht nur seine rachsüchtige Ehefrau sitzt ihm alsbald im Nacken, sondern auch einige die Kleinstadtbewohner schöpfen bald Verdacht.
Soviel zur spärlichen Handlung. Variiert werden offenbar nur Versatzstücke aus dem ersten Teil, den ich leider nie gesehen habe. Vom anfänglichen Reinigungstick und plötzlich auftretenden Wahnvorstellungen, über Morde, die man zunächst noch als Unfälle werten kann, bis schließlich zu sadistischen Spezialbehandlungen, bei denen die Kamera immer einen Moment länger draufhält als nötig, dreht Brian Yuzna die Eskalationsspirale konsequent nach oben. Nebenbei werden allerlei Fachausdrücke aus der Zahnmedizin bemüht und zunächst auch das Bild eines kompetenten, vertrauenserweckenden Zahnarzt gezeichnet, dass man dem titelgebenden Größenwahnsinnigen größte Sympathien entgegenbringt. . Bizarrerweise wird nebenbei noch ein Liebesgeschichte entwickelt, die Dr. Feinstone anfänglich inneren Frieden verschafft, am Ende aber als Motiv für seine Taten herhalten muss. Um sein Geheimnis zu schützen mordet Dr. Feinstone immer weiter, immer grausamer, bis er an dem Punkt angelangt, an dem ihm seine Taten schlichtweg Freude bereiten. Dass diese Wandlung des „Titelhelden“ für den Zuschauer nachvollziehbar“ und logisch vorgeht, ist der intensiven Darstellung von Corbin Bernsen als Dr. Feinstone zu verdanken, dem man seinen Zahnarzt sowohl als Mensch, als auch als Monster jederzeit abkauft. Nebenbei nutzt Regisseur Yuzna die Kleinstadtatmosphäre für eine mitunter komische Biedermeierpersiflage.
Sehr ungewöhnlich in einem offenkundigen B-Filmchen, in dem es doch eigentlich nur um die grausame Darstellung von Wurzelbehandlungen und Zähneziehen geht. Diese Gore-Szenen zehren dann auch genau in dem Maß an den Nerven, wie man es vorher befürchtet hatte. Von zerplatzenden Zähne, aufgebohrten Zahnhälsen über freiliegenden Wurzeln und filetierten Mundbereiche werden im Laufe des Films alle Register der Grausamkeit bedient. Geschickt spinnt Yuzna den Zuschauer in das kleine Geheimnis des Dr. Feinstone ein und macht ihn quasi zu Komplizen. Während sich die Schlinge um Dr. Feinstone kontinuierlich enger zusammen zieht, empfindet man sogar so etwas wie Genugtuung, wenn sich der Zahnarzt des Schreckens durch den einen oder anderen Mord kurzfristig ein wenig Luft verschafft. Beim finalen Showdown lässt Yuzna seinen Sympathieträger dann auch ganz stilecht entkommen, so dass ein horrortypisches Openend zu einem Happyend mutiert. Dieser Zahnarzt hat Kultpotential und mindestens so coole Sprüche, wie Freddy Krüger. Das ist die volle Wahrheit, denn um im Vokabular des Dr. Feinstone zu bleiben: „Hast du gelogen, wird gezogen!“
Daran werde ich mich noch lange erinnern:
Die grausamste Wurzelbehandlung der Filmgeschichte.