Review

Brian Yuznas Zahnarzt-Schocker "The Dentist 2" ist deutlich stärker und abgründiger als sein Vorgänger und kommt hier in den Kritiken etwas zu schlecht weg. Wer z. B. schreibt, dass es hier weniger Zahngemetzel gibt als im ersten Teil, der hat einfach nicht aufgepasst, es ist nämlich ganz klar umgekehrt. Aber das ist nicht das einzige, was den Zweitling gut macht. Der ganze Film ist auch in normalen Szenen mit einer richtig kranken, unheimlichen Atmosphäre aufgeladen, da Corbin Bernsen den psychopathischen Dr. Feinstone, der sich durch Selbstverletzungen vor weiteren Attacken krankhafter Eifersucht oder alptraumhafter Visionen zu schützen versucht, so überzeugend darstellt, dass man ständig einen neuen Wahnsinnsausbruch fürchtet, und so kommt es dann auch. Dr. Feinstone hat nach der Flucht aus der Anstalt, nachdem er den Zahnarzt einer Kleinstadt wegen einer schlampig angebrachten Krone kurzerhand kaltgemacht hat, unter einem neuen Namen eine neue Praxis und ein vermeintliches neues Leben begonnen - aber die Geister der Vergangenheit wollen ihn nicht ruhen lassen: Seine Frau, der Feinstone wegen ihrer Untreue die Zunge entfernte, will gleiches mit gleichem vergelten und hat einen griesgrämigen Privatdetektiv beauftragt, Feinstone ausfindig zu machen. Eine klatschsüchtige Angestellte der Stadt schnüffelt in der Vergangenheit des Zahnarztes, und ein Handwerker, auf den Feinstone wegen seines Interesses für seine Nachbarin eifersüchtig ist, hört eines Tages Schreie aus dem Behandlungszimmer.
Corbin Bernsen haut einem den Wahnsinn des etwas zu leidenschaftlichen Zahnmediziners, der nicht nur mit bohrenden Fragen, sondern auch anderweitig bohrend die Unmoral seiner Mitmenschen aufs Korn nimmt, schmerzhaft um die Ohren. Auch die kongeniale Synchronisation vermittelt den Verfall seiner Selbstkontrolle bei seinen Anfällen bestens. Besonders unangenehm wird es in einer Szene, als Feinstone mitten in der Nacht einen Notfallpatienten aus seiner kalifornischen Heimat einlässt, der ihn zu allem Übel noch erkennt - beim unablässigen Geschwafel des Mannes ahnt man schon das unabwendliche dentale Grauen. Klar, dass die Betäubung hier etwas intensiver gerät als üblich.
Yuzna zeigt anhand von Effekten, die wirklich nicht schlecht geraten sind, was im Mund bei einer Feinstone-Behandlung so vor sich geht - egal, ob sich eine Kanüle zentimetertief in den Kiefer bohrt, ob der Eiter aus einem kariösen Backenzahn spritzt oder Zähne blutig zu Staub zermahlen werden. Das ist auch für horror-erfahrene Zuschauer alles andere als leicht mit anzusehen. Aber es ist auch die Atmosphäre des latenten Wahnsinns, die diesen Film zu einem besonderen Erlebnis macht. Also bequem hinsetzen, weit aufmachen und der Spaß kann losgehen.

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