Dr. Feinstone bricht aus der Nervenheilanstalt aus und taucht in einem feinen Städtchen unter. Dort arbeitet ein Zahnarzt, der ihm so dilettantisch eine Plombe in seinem Mund befestigt, daß sie schnell wieder herausfällt und der Arzt kurzerhand sterben muß. Daraufhin übernimmt Feinstone die Praxis. Klar, daß das nicht gutgehen kann...
Brian Yuzna steigert im Gegensatz zu dem ersten Teil von 1996 in „Dentist 2“ drei Jahre später noch einmal das Repertoire an Gewalteffekten und gibt dem Zahnarzthasser hiermit weiteren Anlaß, sich vor den Weißkitteln zu fürchten. Die Großaufnahmen, wenn Dr. Feinstone gesunde Zähne zieht oder sie anbohrt, einmal gar den gesamten Unterkiefer entfernt, sind derart heftig, daß die grausamen Bilder phasenweise zum Wegschauen verleiten.
Ist dies nicht ein unvorstellbarer Alptraum? Hilflos an einen Zahnarztstuhl gefesselt zu sein und bei vollem Bewußtsein miterleben zu müssen, wie der liebe Onkel Doktor mit allen möglichen Geräten die Beißerchen unkonventionell bearbeitet - brrr, bei dieser Vorstellung sträuben sich meine Nackenhaare; da läuft es mir kalt den Rücken runter. Yuzna zeigt die ganze Prozedur in solch schonungslosen, verdammt schockierenden und in die Länge gezogenen Bildern, daß man hofft, das ganze Schauspiel möge doch endlich ein Ende nehmen - und doch ist man geneigt, den Film immer weiter zu sehen.
Dennoch kann ich mich im Nachhinein nicht des Gefühls erwehren, daß der Regisseur ganz wenig Wert auf eine einigermaßen ordentliche Handlung gelegt hat und viel lieber die überzeugend dargestellten Grausamkeiten nur selbstzweckhaft in den Vordergrund spielt. Zwar kann man die Angst der Opfer eindeutig nachempfinden und mit ihnen mitzittern, aber mit welcher Detailgenauigkeit das Mundgemetzel zur Schau gestellt wird - und das gleich dreifach -, erinnert schon an drittklassige, übertrieben blutrünstige Schockerproduktionen. Hauptsache, das Blut spritzt, und der Zuschauer bekommt eine gnadenlos abstoßende Show geliefert, bei der man häufig in Versuchung gerät, unbedingt weggucken zu wollen, mag sich Yuzna gesagt haben. Tatsächlich geht einem jedoch im wahrsten Sinne des Wortes der Film mit fortlaufender Zeit auf die Nerven, weil die fast immer gleichen monotonen Effekte aneinandergereiht werden. Bei soviel gezeigter Gewalt, aber zu wenig Inhalt bleibt dann auch der hin und wieder durchschimmernde schwarze Humor, wie die hemmungslos überzogene Schlußpointe, ohne Überzeugungskraft. Auch die Spannung bleibt aus dem Grunde größtenteils auf der Strecke, weil man ohnehin weiß, wer die Opfer sind und daß sie Feinstone hoffnungslos ausgeliefert sind, dem Tod nicht mehr von der Schippe springen können.
Schauspielerisch kann allein Corbin Bernsen in der Titelrolle des Dr. Feinstone überzeugen, der seinen verrückten Charakter glaubwürdig interpretiert und den Rest des namenlosen und höchstens durchschnittlichen Darstellerensembles locker überflügelt.
Fazit: Sehr wirkungsvoll in den zahlreichen, aber arg eintönig geratenen Ekelszenen, die bisweilen an die Grenze des Erträglichen gehen, und mit einem guten Hauptdarsteller. Leider mangelt es dem irren Film an einer vernünftigen Handlung. Außerdem war es ein Fehler, zu glauben, einen guten Spannungsaufbau mit der Aneinanderreihung von Schockeffekten erzielen zu können.
GESAMT: 5/10 (Unterhaltungswert: 6 - Handlung: 3 - Schauspielerische Leistungen: 6 - Kameraführung/Atmosphäre: 5 - Musik: 5)