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Spätwerke italienischer Genregurus sind die persönlichen heißen Herdplatten meines inneren Kindes: so doof die Idee auch ist, ist muss sie einfach anfassen! Mir der Prämisse habe ich mich an "Frankenstein 2000" von Joe D'amato angesetzt und mich auf ein Trash Spektakel gefreut, dass ich nicht bekam. Was mir geliefert wurde war eher moderater Frühneunziger-Horror, steril gefilmt und spannungstechnisch trockener als ein Nonnenfurz. 

Besonders viele Eckdaten und persönliche Erfahrungen kann ich hier nicht berichten: der Film spuckte irgendwie bei mir im Hinterkopf herum, seit ich im Onlinearchiv der berüchtigten Splatting Image ein Interview mit D'amato las, wo der den Film als gerade in der Mache ankündigte und direkt Parallelen zu einem heißgeliebten Klassiker zog. Mental habe ich den Film unter "Irgendwann vielleicht mal" abgelegt und den Gedanken daran verstauben lassen, bis er mir vor just 90 Minuten wieder in den Sinn kam. Meine Erstsichtung endete vorhin und ehrlicherweise gedenke ich, es dabei zu belassen. Wobei der Film ja seine Momente hat, nur leider zu wenige davon.

Übers Knie gebrochen schickt hier Joe D'amato Donald O'Brien, den wahnsinnigen Wiedergängerchirurgen aus "Zombies unter Kannibalen" gegen eine Bande von übergriffigen Arschlöchern zu Felde, die seine Angebetete, die übersinnlich begabte Gloria, vergewaltigt und ins Koma geprügelt haben. Die drei Ersatzbankrocker mit Horrormaskenfimmel werden von der halben Stadt (vor allem der Polizei) gedeckt, die zwecks Zeugenbeseitigung den verdächtigen Rick, einem Faktotum Glorias, in seiner Ausnüchterungszelle aufhängen. 

Gloria, die olle Komalise, hat da aber noch mehr als ein Wörtchen mitzureden und stiftet den nun untoten Rick telepathisch zur Selbstjustiz an. Der macht den Quatsch dankbar mit, zumal er selbst in Gloria verknallt war und daher eh schon nicht angetan von ihren Peiniger ist. 

Tja, und damit wäre mein Interesse an dem Spätwerk Aristide Massacessis erst mal versiegt. Kurzweilig war er ja, fühlte sich beim Schauen mehr an wie eine Episode einer anthologischen Horrorserie. Aber warum so schwachbrüstig? Mit "Sado" und "Absurd" hat D'amato doch schon bewiesen, dass er das Horrorgenre beherrscht und dennoch ist das einzig effektiv inszenierte Grauen hier die gähnende Leere zwischen den raren Morden. Die sind für D'amatos Verhältnisse auch eher uninteressant: die zerquetschte Birne des Gerichtsmediziners ist ein einsamer Splatterhöhepunkt in einen blutarmen Film und die Nazi- Karnevalsfete in der Dorfdisco die einzige Spur von Trash - Wahnsinn, auf die man sich... "freuen" kann.

Einzig Donald O'Brien im Pennerlook mit getackertem Skalp sticht aus dem Film darstellerischvwie optisch heraus und sorgt mit seiner Mimik für einen kurzen Unterhaltungsmoment. An anderer Stelle an Georgia Arbeitsplatz bekommen wir neben lustigen Telepathiedemonstrationen eine Menge an Filmplakaten zu (subjektiv gesehen) besseren Horrorwerken vor die Linse geschleudert, was auf den Zuschauer den totalen Mittelfingereffekt hat ("Das könntest du stattdessen schauen..."). Ansonsten ist der Film aber bisslos wie ein zahnloses Krokodil. 

Schade. Ich wollte das hier unbedingt mögen, aber dazu hätte entweder etwas spannendes passieren oder zumindest der Blutgehalt stimmen. Insgesamt kann man sich vielleicht noch darüber erfreut zeigen, dass 1991 die 80er noch lange nicht vorbei waren (der Film wirkt tatsächlich etwas älter als er ist) und, dass Massacessis Filmoevre noch wäre Highlights zu bieten hat. Belassen wir es besser dabei. 





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