Kurz bevor das ZAZ-Trio mit der Polizeifilmparodie „Die nackte Kanone“ den endgültigen Durchbruch schafften, nahmen sie sich in „Top Secret“ Spionage- und Agentenfilme vor.
Anstelle der sonst so beliebten Nazis oder Russen sucht sich „Top Secret“ einen anderen Gegner: Ostdeutsche. Finstere Subjekte in der DDR-Regierung wollen nämlich die Wiedervereinigung mit Hilfe einer Superwaffe erzwingen. Agent Cedric (Omar Sharif) ist diesen zwar auf der Spur, doch gerät in einer genretypischen Kampf-auf-Zugdach-Sequenz bereits in arge Bedrängnis – denn Brücken können seinen über den Zug schreitenden Gegner nicht aufhalten, denn ZAZ-typisch sind die Gesetze der Physik mal wieder zugunsten der Gags außer Kraft gesetzt.
Ein anderes Genre, das nebenbei noch verarscht wird, ist der Musikfilm: Im Stile der 1950er trällert Rockstar Nick Rivers seine Songs, wobei es sich hier um Variationen alter Rockklassiker handelt. Sein „Skeet Surfing“ ist beispielsweise „Surfing USA“ von den Beach Boys, in der entsprechenden Szene bekommt gleich noch der Beach-Party-Film der 1950er (als Rock’n’Roll gerade ganz groß war) sein Fett weg und amüsant wird hier mit dem Image des jugendlich rebellischen Rockers gespielt, der gleichzeitig bei der Promotion des Skeet Surfing, einer Kombo aus Tontaubenschießen und Surfen, von konservativen Redneck-Idealen wie Pick-Ups mit Gewehrhaltern trällert.
Nick soll bei einem ostdeutschen Kulturfestival auftreten und trifft bei seinem Aufenthalt auf Hillary (Lucy Gutteridge), die Tochter des entführten Dr. Paul Flammond (Michael Gough), der gezwungen wird die Superwaffe zu bauen. Da sich Nick in Hillary verguckt, steckt er bald mitten im Agenten-Schlamassel…
Wie die meisten Filme des ZAZ-Trios zeichnet sich auch „Top Secret“ durch den Verzicht auf eine echte Handlung aus, denn das Geschehen dient eher als Folie für ein Sperrfeuer von Gags, die zwar diverse Standardsituationen des Spionagefilms einbauen, von der Flucht aus dem Gefängnis bis hin zum Treffen des Resistance, aber doch eher an Lachern denn an Kohärenz interessiert sind. Im Gegensatz zu modernen Spoof-Filmen beschäftigt sich „Top Secret“ auch eher mit der Funktionsweise der verarschten Genres und baut nur hin wieder Referenzen an konkrete Filme ein. Wenn, dann sind es Klassiker wie „Der weiße Hai“ oder „Gesprengte Ketten“, Verweise also, die man auch Jahrzehnte nach dem Erscheinen von „Top Secret“ noch kapiert.
Angesichts des Desinteresses an einer klassischen Story verwundert die schlanke Laufzeit von gerade mal 86 Minuten wenig, aber dennoch tun schleichen sich hin und wieder Längen ein, welche „Die nackte Kanone“ beispielsweise nicht hatte. So sind die Musikeinlagen nicht immer so witzig wie gedacht und auch viele Details sollten erst in späteren ZAZ-Filmen noch perfektioniert werden, etwa die Gags im Hintergrund, die hier noch recht sparsam eingesetzt werden. Auch das Rezept vollkommene Gaga-Gags todernst vortragen zu lassen, perfektionierten sie erst später, auch wenn sich hier immer wieder sympathische Abstrusitäten finden: Widerstandskämpfer, die auf Namen wie Latrine, Déjà Vu oder Chocolate Mousse hören, der „Die blaue Lagune“ parodierende Hintergrund Nigels und Hillarys oder der Anal Intruder, den Nick einem Freund schenkt, damit dieser seine Frau befriedigen kann (wozu es dann allerdings nicht kommt). Auch der Aufwand, der in den Slapstick gesteckt wurde, ist teilweise überraschend groß: Eine längere, komplizierte, rückwärts gedrehte Szene in einem Buchladen oder eine Saloon-Schlägerei unter Wasser sind beispielsweise zu bewundern.
Val Kilmer macht einen okayen Job in der Hauptrolle, besitzt vielleicht nicht das komödiantische Timing eines Leslie Nielsen, ist aber auch in erster Linie Erfüllungsgehilfe der schrägen Gags, wie auch jeder andere Darsteller. Selbst schon damals großen Namen wie Omar Sharif und Peter Cushing geht es da nicht anders.
Wie bei manch anderem ZAZ-Frühwerk hat man bei „Top Secret“ hin und wieder den Eindruck, dass die Macher ihrer Erfolgsrezept noch nicht ganz gefunden hatten: Stellenweise ist der Film herrlich gaga, er nimmt Genres amüsant aufs Korn und feuert viele Gags heraus, doch das Timing ist noch nicht so brillant wie bei ihren Meisterstücken, manches Element noch nicht so perfektioniert wie dort. Amüsant, aber nicht ohne Längen.