„Sehen ist leicht, doch Verstehen, das... das dauert etwas länger.“
„Das Böse“ alias „Phantasm“, die Dritte: US-Regisseur Don Coscarelli ließ sich diesmal „nur“ sechs Jahre für eine zweite Fortsetzung seiner mystischen Horrorreihe um den namenlosen, leichenschrumpfenden Chromkugeljongleur, der als von Angus Scrimm grimmigst gespielter „Tall Man“ in die Geschichte des Genrefilms einging, Zeit und schickte Reggie (Reggie Bannister) 1994 erneut auf die Jagd nach ihm durch entvölkerte, postapokalyptische Landstriche.
Trotz Michael Baldwins Rückkehr, der nun wieder wie in Teil I die Rolle des Mike übernimmt, wird diesmal eben jenem, diesmal wieder sympathischer ausgelegten Reggie die Hauptrolle zuteil. Mike wird nämlich vom „Tall Man“ entführt und Reggie macht sich zunächst allein, später mit Unterstützung auf die Suche, die in einem riesigen Mausoleum, einer durchaus beeindruckenden Kulisse, vorerst endet.
Neben Michael Baldwin ist auch Bill Thornby als dessen toter, nun aber in Visionen, Zwischendimensionen oder der Astralebene auftauchender Filmbruder Jody wieder mit von der Partie, der eigentlich das Dasein einer dieser fiesen, fliegenden Chromkugeln fristet, die unseren Helden aber wohlgesinnt ist. Das ist ebenso neu wie weitere technische Funktionen der Kugeln sowie die Information, dass sich in ihnen die Gehirne Gestorbener und vom „Tall Man“ unter den Nagel Gerissener befinden, oder auch die Zombies, die plötzlich ebenfalls als Handlanger des „Tall Man“ auftauchen. Bisher ebenfalls unbekannt waren die dunkelhäutige Straßenkämpferin Rocky und der kleine, aber waffengewandte und abgebrühte Vollwaise Tim, die sich Reggie auf seiner Reise anschließen. Während Rocky wenigstens noch für ordentliche optische Schauwerte taugt und ihre Brüste zeigt, ist die Rolle des Tim schlicht albern und genauso überflüssig wie der immer mal wieder aufblitzende, nervige Versuch, einen komödiantischen Anteil einzubringen, was einer gepflegten Gruselatmosphäre alles andere als zuträglich ist.
Im Zusammenhang mit seinen flapsigen Sprüchen, professionellen Computeranimationen und sonstigem Effektspektakel, das mich beinahe schon an einen Paul-Verhoeven-Film erinnert, bei einer endgültig konfus wirkenden Handlung, die wieder einmal mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet, erscheint mir „Das Böse III“ mehr auf den Mainstream ausgerichtet, kommerzieller und weit weniger charmant als die gelungenen Vorgänger. Zu einem grundsätzlich nicht schlechten, unterhaltsamen Film hat es zwar in jedem Falle gereicht, dazu tragen die einwandfreien schauspielerischen Leistungen der Hauptdarsteller ebenso bei wie die immer noch faszinierende Optik mitsamt vielen interessanten Einfällen, als Fortsetzung der Reihe aber eine kleine Enttäuschung. Irgendwie lässt sich der Eindruck nicht verwehren, es hier mit einer inhaltlich schwachen Pseudohandlung, die lediglich als Aufhänger für einen hochbudgetierten Spezialeffektreigen dient, zu tun haben. Vielleicht sollte ich mir aber auch einfach das eingangs wiedergegebene Zitat zu Herzen nehmen...