Review

Willkommen in der Welt des Mega-Trashs, willkommen bei Charles Bands Klitsche für reichlich suspekte Produktionen wie „Crash and Burn“ oder „Doctor Mordrid“ – Full Moon Entertainment. Um bei solchen Filmen wie dem vorliegenden „Oblivion“ nicht gleich Reißaus zu nehmen, muss man für solche höchst eigen gearteten Produktionen schon ein Faible haben. Zumindest scheint er in den Videotheken seinerzeit ja nicht so schlecht gelaufen zu sein, man schob zwei Jahre später noch eine Fortsetzung hinterher.

Die Welt, in die uns Regisseur Sam Irvin („Guilty as Charged“, „Dark Skies“) entführt, quillt for irren Ideen nur so aber. Angesiedelt im typischen Westernambiente, tummeln sich in der Kleinstadt Oblivion nicht nur Menschen, sondern auch der gleich zu Beginn eintreffende Schurke Redeye („Wishmaster“ – Andrew Divoff), um seine Bande wieder zu vereinen. Das Merkwürdige ist nur, dass er wie ein Alien aussieht, eine Augenklappe trägt, im Vorbeigehen alle Glühlampen platzen lässt und einen Kristall vor dem Saloon vergräbt, um das Schutzschild des Sheriffs lahm zu legen. Nur so kann er ihn im Duell besiegen und gleichzeitig seinen Deputy-Cyborg (Meg Foster!!, „The Osterman Weekend“, „They live“) ausschalten. Mithilfe seiner Handlanger versucht er nun die Stadt abzuzocken und die Bürger gleichzeitig für seine Bande zu rekrutieren (Gibt als Mitglied einen Ansteckbutton, eine Clubzeitschrift im Abo und einen geheimen Händedruck).

So improvisiert das Szenario auch ausschaut und so offensichtlich das knappe Budget auch war, irgendwie macht „Oblivion“ zumindest zu Beginn noch richtig Spaß. Anstatt Straßenlaternen wurden hier Deckenventilatoren (!!!) aufgestellt, einen elektrischen Bankautomaten gibt es auch und sogar der Sheriffstern hat ein blinkendes Innenleben. Überdies kann man sich hier an einer imponierenden Anzahl bekannter Gesichter erfreuen, bei denen es mich mal interessieren würde, warum sie, wenn auch nur in Nebenrollen, hier überhaupt anheuerten: Musiklegende Isaac Hayes („Truck Turner“, „Escape from New York“), George Takei (unser Hikaru Sulu aus „Star Trek“) und als beeindruckender, weil nun mal riesiger Totengräber Carel Struycken („The Addams Family“, „Enemy Action“).

Dem kriminellen Treiben soll ausgerechnet der Sohn des Sheriffs Einhalt gebieten. Doch Zack Stone (Richard Joseph Paul, „Knight Rider 2010”) hält so gar nichts davon in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, streift lieber durch die Gegend und befreit den Indianer Stinking Turncoat (Ken Miller) vor Nachtskorpionen, an denen Ray Harryhausen auch heute noch seine wahre Freude hätte. Wiederwillig lässt er sich also dazu überreden nach Oblivion
zurückzukehren, um nach dem Rechten zu schauen. Dort haust, nebenbei bemerkt, auch Mattie Chase, Inhaberin eines Warenhandels, die von Jackie Swanson gespielt wird. Der ein oder andere kennt sie aus den ersten Sekunden von „Lethal Weapon“, wo sie einen luftigen Sprung wagt...

Die Action hält sich freilich in Grenzen und kommt über ein paar, immerhin, blutige Shootouts nicht hinaus. Gepunktet wird hier sowieso auch nur mit dem Maximum an schrillen Ideen, die von abgedrehten Kleidungen (der reinste Kostümball...), über wirklich, na ja beschreiben wir sie knuffige, Kreaturen (Beim Armdrücken, wird ein Vieh frei gelassen, das Geräusche wie ein Löwe macht, so groß wie ein Dackel ist und tödlich zubeißt, wenn es geschüttelt wird oder Angst riecht). Alle Darsteller schauspielern absichtlich völlig übertrieben theatralisch und die Dialoge strotzen eifrig nur so von Klischees. Immer wieder amüsant sind die dabei für den ein oder anderen Insider zu entdeckenden Anspielungen. George Takei verlangt es beispielsweise zwischenzeitlich mal nach einem Tricorder und er fragt eine Flasche Jim (Beam), ob sie ihn nicht hoch(beam)en könnte *gg*. <<< Muaharharhar, schon gut... Ich fand das schon irgendwie geil..

Nach dem ersten Drittel geht dem Film ein wenig die Luft aus, weil die ganze Kreativität offensichtlich gleich zu Beginn verbraten wurde. Zwar wird der Streifen zum Ende hin wieder besser, von seiner besten, weil abgedrehtesten Seite zeigt er sich allerdings in den ersten Minuten. Das Bingo-Spiel in einer Kirche, in der gerade ein Trauergottesdienst abgehalten wird, ist auch so ein Kaliber...

Freilich kommt es im Finale dann auch zum Konflikt der beiden Partien. Auch hier gibt es für den Trashfreund genug zu sehen (u.a. einen erst abgeschossenen, dann nachwachsenden Arm und ein Cyborg, der seinen Arm urplötzlich in einen Flammenwerfer umfunktioniert).

Eine schlechte Bewertung fällt grundsätzlich nicht schwer, aber „Oblivion“ will so unglaublich schlecht sein, das Prädikat niveaulos ist hier Programm. Das Schauspiel, die Effekte, die Story, alles wirklich unterste Schublade, aber das macht den Film irgendwie, und wenn auch nur als Kontrastprogramm, so unglaublich sympathisch. Absichtlich Scheiße bauen, traut sich immerhin auch nicht jeder.


Fazit:
Ein echter Knaller, der sich schlecht bewerten lässt, deswegen bleibe ich bei einem neutralen Mittelwert. Man muss sich auf diese Trashgarante deluxe, notfalls mit einer Pulle Alkohol einlassen, dann macht „Oblivion“ wirklich Laune. Mal gucken, ob sich die Fortsetzung auftreiben lässt, so oft laufen solche Filme ja leider (oder vielleicht ist das auch besser so) im TV. Die Aufnahme wird jedenfalls gehütet, konserviert und weggeschlossen.
Insidergags, jede Menge Skurrilitäten, irrwitzige Ideen, abgedrehte Figuren, blutige Action und bekannte Gesichter, Freunde des schlechten Geschmacks werden hier gewiss ihren Spaß. Wer sich damit nicht anfreunden kann und zufällig sadomasochistische Tendenzen in seiner Freizeit auslebt (Nein, ich gehöre nicht dazu. Würde es mir bei einigen Filmen ab und an aber mal wünschen...), der kann sich immer noch an der Peitsche schwingenden Musetta Vander („Project Shadowchaser III“, „Mortal Kombat: Annihilation“) in Lack und Leder erfreuen *gg*

Details
Ähnliche Filme