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Ein Jahr, nachdem Trucks in Stephen Kings gleichnamiger, erstmals im Juni 1973 erschienener Kurzgeschichte ein bizarres Eigenleben zu entwickeln begannen, attackiert ein mordlüsterner Bulldozer sechs Bauarbeiter in Jerry Londons Killdozer. Doch der erste Eindruck täuscht. Londons Fernsehfilm basiert nämlich auf der 1944 veröffentlichten Novelle Killdozer (dt.: Das Maschinenungeheuer) des amerikanischen Science-Fiction-Autoren Theodore Sturgeon. Während in Sturgeons Vorlage die Baumaschine von einer uralten, aus purer Energie bestehenden Wesenheit in Besitz genommen wird, die in einem verschütteten Tempel geschlafen hatte, kommt das Übel in der Filmadaption aus dem All. Bei Bauarbeiten auf einer kleinen pazifischen Insel stoßen die Arbeiter Lloyd Kelly (Clint Walker, The Dirty Dozen), Dennis Holvig (Carl Betz), Chub Foster (Neville Brand, Eaten Alive), Dutch Krasner (James Wainwright, Battletruck aka Warlords of the 21st Century), Mack McCarthy (Robert Urich, Endangered Species) und Al Beltran (James A. Watson Jr.) auf einen Meteoriten, der eine ungewöhnliche Lebensform beherbergt, welche durch ein bläuliches Licht und ein leises Summen in Erscheinung tritt. Als Vorarbeiter Kelly den Gesteinsbrocken mit der Schaufel des Caterpillars zur Seite schaffen will, schlüpft das Wesen in die Maschine. Einer der Arbeiter, der - in unmittelbarer Nähe stehend - Zeuge des unheimlichen Geschehens wird, stirbt dabei auf mysteriöse Weise. Doch das ist erst der Anfang, denn kurz darauf macht sich die Schubraupe CAT D9 selbständig. Langsam begreifen die verbliebenen Männer den Ernst ihrer Lage, und ein Kampf ums nackte Überleben gegen die "lebendige" Maschine beginnt.

Killdozer ist ein netter wenn auch recht unspektakulärer "Monsterfilm", der mit den thematisch verwandten King-Verfilmungen Maximum Overdrive (Rhea M... Es begann ohne Warnung, 1986) und Trucks (Trucks - Out of Control, 1997) locker mithalten kann. Was ihm an Action, Spezialeffekten und Schauwerten fehlt, gleicht er mit gut charakterisierten Figuren, ordentlichen Darstellerleistungen und einer schnörkellosen Inszenierung wieder aus. Im Gegensatz zu den beiden eben genannten Filmen trachtet unseren Protagonisten jedoch nur eine, von einem seltsamen Wesen "besessene" Maschine, nach dem Leben. Und obwohl es sich hier um keine Kreatur aus Fleisch und Blut sondern um einen alles niederwalzenden Stahlkoloß handelt, ist das Ding im Prinzip nichts anderes als ein Monster. Und es verhält sich auch so. Wie ein Raubtier, das seine Beute wittert, lauert es im Dunklen, auf den richtigen Zeitpunkt wartend, um zuzuschlagen. Sein auserkorenes Opfer wird dann gejagt und erbarmungslos zur Strecke gebracht. Inwieweit man dieses Szenario ernst nehmen kann, hängt von jedem Zuschauer selbst ab (Stichwörter: "Suspension of Disbelief"). Immerhin ist der mörderische Caterpillar weder übermäßig schnell noch sonderlich leise und auch nicht besonders wendig, also sollte es doch mit ein wenig Geschick und etwas Hausverstand möglich sein, dem Ding aus dem Weg zu gehen.

Aber egal wie hanebüchen die Grundidee ist, Killdozer nimmt sich sehr, sehr ernst. Keine Spur von Humor, kein Anzeichen von Camp, kein spitzbübisches Augenzwinkern weit und breit. Durch diese fast schon verbissene Humorlosigkeit erscheinen einige Szenen aus heutiger Sicht natürlich unfreiwillig komisch, zumal diverse Aktionen unserer Helden für fassungsloses Kopfschütteln sorgen sollten. Sich vor dem tonnenschweren Gerät in einem herumliegenden Kanalrohr zu verstecken, ist z. B. keine wirklich gute Idee. Trotzdem unterhält der schmalbudgetierte Streifen auf angenehme Weise, da er recht gut gemacht ist (die wenigen Spezialeffekte stammen von Albert Whitlock, der später visuelle Effekte bei Filmen wie The Thing, Cat People und Dune beisteuerte) und darüber hinaus mit einem starken elektronischen Soundtrack von Gil Melle beeindruckt, dessen Disharmonie den Attacken eine gewisse Effektivität verleiht. Da sich das Geschehen zur Gänze auf einer kleinen Insel abspielt und der Caterpillar als erstes gleich mal die Funkanlage zerstört, sind die Männer völlig auf sich allein gestellt, ohne Aussicht auf Hilfe. Daß es innerhalb der Gruppe Spannungen gibt (der Vorarbeiter wird wegen Termindrucks nicht müde darauf zu bestehen, die Arbeit fortzuführen, auch wenn gerade wieder ein Kamerad begraben wurde), ist dem Zusammenhalt auch nicht gerade dienlich. Killdozer, der übrigens eine Rockgruppe aus Wisconsin zu ihrem Namen inspirierte, ist einer jener Filme, dessen bloße Existenz nur wenigen bekannt zu sein scheint. Und das ist schade, denn auch wenn der Streifen völlig blutleer und ganz bestimmt kein Kracher ist, so ist er doch ein überdurchschnittlicher Film, der seine ungewöhnliche Prämisse souverän bis zum Ende durchzieht.

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