Review

Mit „Run Tiger Run“ präsentiert sich ein ganz nettes und dreckiges Stück B-Action, dem allerdings noch der letzte Schliff fehlt.
An sich ist John Dee (Robert Ginty) nur ein etwas abgewrackter Fremder, der in die Kleinstadt von Sheriff Taggert (Tom Badal) kommt. Dieser lässt den Fremden doch erst mal aufnehmen und checkt ihn kurz auf dem Revier. Er macht ihm klar, dass er keinen Ärger in seiner Stadt duldet und nimmt auch seine Uhr, eine antike Spieluhr, ab. Damit hätten wir den üblich fiesen Sheriff, der etwas an seinen Berufsgenossen aus dem Klassiker „Rambo“ erinnert.
Kurz darauf bekommt John jedoch die Chance zu beweisen, was in ihm steckt: Bei einer Schießerei zwischen Drogenhändlern in einem Lokal kann er einer Kellnerin das Leben retten, zwei Fieslinge erschießen und einen dritten verfolgen, wobei er ihm einen ganzen Haufen Geld abnimmt. Dabei findet er heraus, dass die drei für das Massaker verantwortlichen Dealer für den Sheriff arbeiten, welcher seinen überlebenden Komplizen für den Verlust des Geldes erschießt. Der Auftakt ist eine ordentliche Actionsequenz, die für das Erscheinungsjahr des Films recht spektakulär daherkommt.

John mietet sich mit dem erbeuteten Geld erst mal ein Zimmer bei der netten Wirtin Sally Anne Lewis (Kathy Shower), die seit dem Tod ihres Mannes ihren Sohn alleine erzieht. John versucht aus seinem Wissen über die Machenschaften des Sheriffs eigenen Vorteil zu ziehen und den vermeintlichen Wohltäter zu bekämpfen, doch dieser und seine Gefolgsleute erweisen sich als harte Gegner…
Die Story des Fremden, der in der Kleinstadt ordentlich Terror macht und dabei korrupte bis kriminelle Obrigkeiten in Polizei und Stadtrat zur Strecke bringt, kennt man zur Genüge. Doch „Run Tiger Run“ erzählt die Geschichte recht atmosphärisch, wenn auch vom Flair her nicht ganz so dicht wie „Stranger“ oder „Kid – Einer gegen alle“. Die Atmosphäre ist recht dreckig und kommt gut rüber, wobei ich persönlich lieber auf Hochglanz polierte Action mag, aber das ist nur eine persönliche Vorliebe und ändert nichts an der atmosphärischen Qualität des Films.
Die Story bietet die ein oder andere Wendung, wobei diese nie unglaubwürdig sind, aber selten überraschen. Einige Andeutungen des Films werden aber seltsamerweise nicht weiter verfolgt; so wird z.B. nie klar, ob der Sheriff tatsächlich den Mörder von Sallys Mann gelyncht hat oder selber der Killer ist. So bleibt die Spannung auf eher durchschnittlichem Niveau und auch Innovationen gibt es nicht wirklich. Auch die Subplots bieten keine wirklichen Überraschungen: John und Sally verlieben sich, er wird zur Vaterfigur für ihren Sohn usw. Das Übliche halt.

Die Action ist gut inszeniert, aber etwas wenig: Nach der Schießerei plus Verfolgungsjagd am Anfang gibt es an längeren Actionszenen nur noch die Prügelei im Striplokal und den Showdown. Der Showdown, der teilweise an „Mad Max“ erinnert, ist wirklich sehr gut und bietet einige recht spektakuläre Stunts, während die Schlägerei im Striplokal nur solide ist: Ganz nette Klopperei mit einer illustren Gegnerschar, aber keine besonders spektakulären Kampfeinlagen.
Robert Ginty gibt den John Dee so down’n dirty wie ein drei Tage lang abgestandenes Whiskeyglas und ist dabei ganz solide, aber nicht herausragend. Kathy Shower gibt weibliches Beiwerk ohne große Schauspielkunst ab, Tom Badal ist ein durchschnittlicher Fiesling und auch die Nebendarsteller spielen bestenfalls routiniert.

So bleibt ein recht atmosphärisches Stück B-Action, das etwas über dem Durchschnitt liegt, dem zum guten bis sehr guten Genrewerk allerdings noch mengenmäßig etwas Action fehlt.

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