„Ragman“ ist ein echter Klassiker, den kaum noch jemand kennt. Leider. Denn hier haben wir es mit einem wirklich astreinen Film zu tun, welcher Heavy Metal und Horror auf höchstem Klischeeniveau miteinander verbindet.
Genauso stellen sich doch Bild-Leser Heavy Metal vor!
Eddie, der jugendliche Heavy Metal Fan, wird von seinen Redneckmitschülern als Prügelknabe missbraucht. Seine heimliche Liebe ist mit dem Oberpopper der Schule zusammen und die Mama daheim völlig überfordert mit dem Jungen. Dieser hört nämlich am liebsten die Musik des Sammy Curr in bestialischer Lautstärke. Aber Eddie hat auch Freunde. So den Radiomoderator Nuke, welcher von Gene Simmons (Kiss) dargestellt wird. Von jenem bekommt er auch die letzte Aufnahme von Sammy Curr geschenkt, mit welcher der Tote Rocker aus dem Jenseits zurückkehrt. Außer ihm, erklären nämlich alle Eddie für einen blöden Spinner, der absolut bescheuerten Krach hört. Armer Eddie. Er führt wirklich das Leben eines Verstoßenen. Doch wollten wir nicht alle immer so sein wie Eddie? Das Zimmer voller Plakate von Twisted Sister bis Exciter? Eine riesige Plattensammlung? Tote Rockmusiker als Freunde?
Aber was hat der Film nun eigentlich filmisch zu bieten? Für den Normalkonsumenten nicht viel. Denn der wird mit „Ragman“ nicht warm werden, hat man es hier doch mit einem B-Film zu tun, welcher kaum aus der Masse an ähnlichen Produktionen dieser Zeit heraus sticht. Aber nur für den Durchschnittskonsumenten. Der geneigte Heavy Metal Fan, wird bei diesem Film grenzdebilen Trash – Spaß haben. Besonders die vielen kleinen Querverweise im Film, auf Heavy Metal als Genre machen unheimlich Spaß und sorgen dafür, dass man sich hier auf eine kleine Entdeckungsreise machen kann. So hat auch der gute Ozzy Osbourne einige kleine Gastauftritte als Geistlicher, in welchem er Heavy Metal als böse Pornografie brandmarkt und herrlich blöde Textauszüge zitiert.
Wie üblich für diese Art von Filmen, welche für ein junges Publikum ab 13 Jahren produziert wurden, gibt es im Film selber keine Gewalt, Blut oder Gedärme zu sehen. Es wird dezent abgeblendet, wenn es zur Sache geht. Die Masken und FX bewegen sich zwischen mittelmäßig mies (ein Monstermann im Latexfetischanzug) bis hervorragend (die Maske des Sammy Currr). Dazwischen ist viel Licht und Schatten und jede Menge blöder Dialoge, die aufs herzlichste zum Lachen einladen.
Die Musik im Film stammt von der Band Fastway, welche es auch wirklich gibt. Da ich im Besitz des Soundtracks auf Vinyl bin, welches aber nur noch sehr schwer zu bekommen ist, kann ich ohne rot zu werden sagen, dass hier jeder Liebhaber von rockigen Metal – Klängen der 80er Jahre sicher zufrieden gestellt werden wird.
Ein Kuriosum ist eine Auflage von „Bild am Sonntag Video“, welche sehr leicht zu bekommen ist. „Bild“ verlegte in den 80er und 90er Jahren eine Menge skurille Horrorfilmchen, hetzte aber gleichzeitig während der ersten großen Verbots- und Indizierungswelle gegen Horrorfilme, gegen eben jene Filme und deren Konsumenten.