Der hier besprochene Film KÖNNTE mit etwas gutem Willen der feuchte Traum eines jeden rechtskonservativen Spinners US - republikanischen Vorbildes sein, die hier eine wahre Freude daran hätten, immer genau dann "Ich hab's ja gesagt!" zu schreien, wenn mal wieder einen weiteren unsympathischen Vollidioten im Namen der bösen, bösen Rockmusik zum Bodycount hinzu addiert wird. Zu dumm nur, dass "Ragman" alias "Trick Or Treat" eher auf der Seite seines unglücklichen Protagonisten steht, wenn er nicht gerade beide Seiten der müßigen Rocker gegen Spießer - Debatte parodiert.
Ein guter Musikgeschmack bringt ein schweres Los mit sich. Besagtes schweres Los in diesem Film hat Protagonist Eddie "Ragman" Weinbauer gezogen, der zu Beginn des Filmes in einem Brief an Rockstar Sammy Curr über die Dummheit seiner mobbenden Arschlochmitschüler, einen Haufen persönlichkeitsfreier Jockwichser nebst enthirntem weiblichem Anhang, lamentiert. Nach einem absoluten Scheißtag voller ruinierter Frisuren, angestochener Milchtüten und gestohlener Klamotten bekommt der junge Rocker beim Wäschewaschen vom Fernseher den krönenden Tritt in die Nüsse verpasst: sein Idol Sammy wurde bei einem Hotelbrand mitsamt der Zimmereinrichtung aus dem Leben kremiert und so ist der ohnehin schon beinahe suizidale Metalhead noch angefressener denn je da nun seines großen Vorbildes beraubt. Sein väterlicher Freund, der Radio - DJ Nuke (KISS - Basser Gene Simmons) kann den Jungen mit Currs letzter Platte trösten, deren einziges Exemplar nun den Besitzer wechselt und die zur bevorstehenden Halloweennacht als Kopie durch den Äther schrammeln soll, um Sammy zu ehren.
Und was soll man sagen: die Scheibe hat es in sich und das nicht nur, weil die britische Band Fastway als Stand in für den fiktiven Rocker Curr herhalten darf: nein, darüber hinaus ist sein letztes Werk noch mit etwas Bonusmaterial in Form rückwärts aufgesprochener Botschaften, die Eddie exakte Anweisungen zur Rache an seinen Peinigern geben und sowas wie eine Direktverbindung ins Jenseits darstellen. Und so konsultiert Eddie seinen neuen untoten Kumpel immer wieder mit der Plattennadel, um den verhassten Schulassis eins auszuwischen, bis Sammys Rachepläne immer endgültiger - um nicht zu sagen tödlicher - werden und Eddie beschließt, die mordende Rockikone pünktlich zu Halloween zu stoppen... Warum auch immer! Den Großteil der Arschgeigen, die um Eddie herumschlawenzeln kann man ob ihrer unangenehmen Art den saftigen Biss ins Gras ruhigen Gewissens gönnen, zumal dem geneigten Slasherzuschauer die Tode solcher Pappkameraden zum Veröffentlichungszeitpunkt mutmaßlich schon seit Jahrent am Arsch vorbei gingen.
Aber vielleicht wäre das ja auch nur ein unpassend konservativer Ansatz für einen erfrischend unspießigen Metzelstreifen: wäre dies Propagandahorror eines republikanischen Regisseurs wäre Eddie Sammys Amokläufer vollkommen egal und man hätte hier einen unsympathischen Protagonisten, der im wesentlichen nur die oft heraufbeschworene angeblich verrohende Wirkung der Rockmusik für das Publikum verkörpert. Aber Eddie ist ein doch wesentlich sympathischerer Geselle, der einfach nur das Pech hat, auf eine Schule voller Idioten gehen zu müssen.
Auf dem Höhepunkt der Satanic Panic wagt dieser Film ohnehin, den gefürchteten moralischen Zeigefinger durch den Mittelfinger in Kritikerrichtung zu ersetzen: die Besorgnis von Eddies Mutter hat nichts mit dessen Musikgeschmack zu tun (den Göttern sei Dank spart sich die Frau jegliches Plädoyer für den Konformismus) und die Kritik seines Kumpels Roger am favorisierten Genre des Jungheadbangers bezieht sich rein auf die die damalige Rockmusik umgebende Vermarktungsmasche der Provokation als Verkaufsargument und hinterfragt nich Eddie als Person. Seine These: Backwardmasking dient nur dazu, neugierige Hörer durch das Rückwärtsspielen und Beschädigen ihrer Platten zum Kauf neuer Alben zu bewegen. Loveinterest Leslie scheint an den schüchternen Außenseiter sogar Gefallen zu finden, weil er so ganz anders als ihre Jockkumpel ist.
Sehr schön sind auch die Cameos des Filmes: während mit Gene Simmons die Aushängezunge von KISS den DJ mimen und zeigen darf, wie ernst Fans das Image ihrer Lieblingsmusiker nehmen - Spoiler: in der Regel gar nicht - zieht der ehemalige Black Sabbath - Sänger und zu diesem Zeitpunkt als Solokünstler aktive Ozzy Osbourne in der Rolle eines windigen Fernsehpredigers über das Genre vom Leder. Schade, dass beide zusammen vielleich drei Minuten Screentime bekommen.
Bedeutend mehr Screentime, wenn auch nur auf der auditiven Ebene, bekommen die freundlichen Herren von Fastway. Bei der Truppe handelte es sich ihrer Zeit um die Band des Ex - Motörheadgitarreros "Fast" Eddie Clarke, in der Größen wie Ex - Clash - Drummer Topper Headon und der UFO - Bassist Pete Way zeitweise eine neue musikalische Heimat fanden und mit Dave E. King, dem späteren Bandleader der legendären Folkpunks Flogging Molly stand damals ein noch zu entdeckender Sangesgott am Mikrofon. Die Credits für den Soundtrack können die Mannen aber nicht alleine einsacken, sondern müssen diese teils mit Christopher Young teilen, der später u. a. Clive Barkers Hellraiser vertonen sollte und dessen Kompositionen leider etwas in den Geschehnissen des Filmes und vor allem unter der Musik von Fastway untergehen.
Auch wenn Trick or treat kein Nightmare on Elm Street ist, keinen Jason Voorhees als Killer aufweisen oder mit einem Halloween'schen Spannungsbogen aufwartet und stattdessen in der zweiten Reihe mit den Genre - Underdogs The Burning und Sleepaway Camp chillt handelt es sich hierbei nicht um einen schlechten Film, zumindest keinen so schlechten, als dass er das Exil in der Ramschkiste verdient hätte. Im Gegenteil: Der Film hat das Zeug zum Mainevent jeder Retrohorror - Veranstaltung. Nur bitte nicht in Anwesenheit von Spießbürgern, die den ganzen Film über Horror, die Jugend von heute und ihre verdammte Rockmusik rumgrandteln!