Der 13jährige Asthmatiker Stevie (Cameron Van Hoy), von seiner Mutter vernachlässigt, findet beim Stöbern in ihrem Schrank einen Revolver. Mit seiner gleichaltrigen Freundin Rocky (Mischa Barton, „The Sixth Sense“) überfällt er auf dem Schulweg spontan eine Bank. Die darauffolgende Geiselnahme wird zu einem Psychospiel für alle Beteiligten. Während das FBI draußen Stellung bezieht und Unterhändler Bender (Burt Reynolds) zu verhindern versucht, dass jemand zu Schaden kommt, genießen die Kids ihren Einfluss auf die Medien.
Ein gesellschaftskritisches Portrait, welches Regisseur/Autor/Produzent Ash hier abliefert. Die Langeweile der Jugend und die Verrohung durch mediale Einflüsse werden Teilthema dieses Films. Doch alle Klischees bedient Ash dabei nicht, geht es ihm ja nicht darum, reißerisch zu sein. Stevei ist kein Kind aus armen Verhältnissen, er stammt aus der guten Mittelschicht und lebt im Vorort, den „Suburbs“. Er tut das nicht, weil er cool oder hart sein will. Der Alltag und die daraus resultierende Langeweile treiben ihn spontan sazu, was auch dadurch gezeigt wird, dass die ausgewählte Bank auf dem Schulweg liegt.
Die Geiseln sind ein zusammengewürfeler Haufen. Bankdirektor, Bankangestellte, Kunden, ein Golfkriegsveteran im Rollstuhl, der sich auf die Seite der Kinder stellt…somit wird eine psychologisch interessante Basis geschaffen. Leider wird diese nicht bis zum Äußersten ausgereizt. Die Drogen der einen Frau hätten zu einer eskalierenden Situation führen können, diverse Szenen mit Nichtgehorsam hätten eine Menge Stoff zum Filmen gegeben. Aber Ash will seine Figuren auch nicht als labile Killertypen darstellen. Das sieht man an der Situation mit dem Wachmann, den Stevie versehentlich anschießt und ihn dann auch prompt freilässt.
Während drinnen das Spiel vor sich hingeht, sind die Behörden draußen ratlos, da man bei Kindern ja nicht so vorgehen kann, wie bei Erwachsenen. Reynolds spielt routiniert und bringt die Zurückhaltung der Truppe gut rüber. Auch stellt er gut dar, dass er nicht will, dass die ganze Situation zusammen fällt. So zieht und schubst er auch schon mal nervös herumfuchtelnde Beamte beiseite, wenn die Kids sich von denen bedroht fühlen. Leider kommt Benders Familienkonflikt eine Spur zu kurz. Das Telefonat mit seiner Tochter hätte man noch minimal Vertiefen können. Aber der Grat zwischen „kurz halten“ und „unnötig in die Länge ziehen“ ist eben ein sehr Schmaler.
Zum Technischen kann man sagen, dass es mal wieder eine schöne Abwechslung war, lange Einstellungen mit viel Steady- und Handheld Cam zu sehen. Viel Dialog wird am Stück gesprochen, was die brillanten darstellerischen Leistungen besser rüber bringt. Schnelle Bewegungen bringen die Szenerie näher. Der Sound ist manchmal etwas unvorteilhaft abgemischt, aber auch das ist nur dem wahren Leben nachempfunden, denn so wird eine Nähe aufgebaut, die kein gelackter Hollywoodschinken je erreichen wird.
Die Kids sind sich dessen, was sie da tun, absolut nicht bewusst. Sie machen sich keine Gedanken, wie die Sache denn ausgehen soll, sondern genießen nur die Aufmerksamkeit. Deshalb verlangen sie auch ein Fernsehteam vom MTV und stellen als Forderung nichts weiter als was zum Essen. Stevie ist von dem Medienrummel nach wenigen Stunden auch absolut genervt, was seine Unsicherheit zu seiner Handlung noch untermauert. Die Naivität, mit der sowohl Stevie als auch Rocky bei der Sache sind, merkt man vor allem am Ende. Sie denken wirklich, dass ihnen nichts geschehen wird, wenn sie einfach gehen und Geld, Geiseln und Waffen zurück lassen. Der Schluss an sich ist dem aufmerksamen Vielseher sowieso schon vorher bewusst, dennoch hinterlässt das Ende einen bitteren Nachgeschmack vom Feinsten.
„Pups“ ist ein ordentliches Drama mit einer Menge Gesellschaftskritik und nicht zu übersehender Message. Die Darsteller, vor allem die Kids, sind absolut top, die Location ist authentisch und sämtliche Handlungen realistisch eingefangen. Manche Ideen hätten sicher noch etwas vertieft werden können, aber dennoch hat man hier einen tollen Film gesehen, der mitzureißen weiß.
12 von 15 Punkten (2+)
Die deutsche Synchronisation ist allerdings unter aller Sau, sowas Schlechtes hab ich schon lange nicht mehr gehört.