Wenn zwei Kids aus einer Laune heraus eine Bank überfallen und sich daraus eine Geiselnahme ergibt.
„Pups“ bietet eine ungeheuer spannende Prämisse, die über weite Teile fesselt, aber bei weitem nicht sein volles Potential ausschöpft.
Der dreizehnjährige Stevie (Cameron Van Hoy) ist zu oft mit sich allein, mal wieder befindet sich seine Mutter für mehrere Tage auf einem Seminar. So findet er in Moms Utensilien eine Schusswaffe. Noch bevor die Schule beginnt und Freundin Rocky (Mischa Barton) ihn abholen kommt, testet man die Waffe: Sie ist echt und geladen.
Kurzerhand beschließt Stevie die Bank auf dem Schulweg zu überfallen, doch bevor die Kids wieder aus dem Gebäude gelangen, ist die Polizei vor Ort.
Wozu Kinder in der Pubertät fähig sind, ist weitestgehend bekannt. Da liegt es in den waffenfreundlichen USA durchaus nahe, dass es zu so einer Situation kommt. Zwischen kindlicher Naivität, Übermut und moralischen Grundsätzen pendelt das jugendliche Gangsterpaar, das sich zu keiner Zeit den vollen Konsequenzen ihrer Tat bewusst ist.
Wie er es in Filmen gesehen hat, fuchtelt Stevie mit der Waffe herum, um die Geiseln (Bankdirektor, Angestellte, Kunden – etwa sechs Leute) unter Kontrolle zu halten.
Er brüllt, wirft mit vulgären Begriffen um sich, während Freundin Rocky sich über die Reportagen mit ihnen im TV freut, - daraufhin verlangen sie ein Interview-Team von MTV.
Aber auch ihre dauerhafte Medienpräsenz übersättigt die Kids, - man kann es ihnen nicht recht machen, denn schließlich hat man von Anfang an keinen Plan verfolgt.
Hier heißt es, ähnlich wie in dem Rebellendrama mit James Dean, „…denn sie wissen nicht, was sie tun“.
Absolut nachvollziehbar werden jedoch die beiden Hauptfiguren charakterisiert. Schwankend zwischen Erwachsenwerden und kindlicher Unschuld zeichnet sich das vor allem an Stevie ab.
Einerseits will er den Geiseln die unüberwindbare Macht per Gewaltandrohung glaubhaft machen und zeigt sich unbeeindruckt von Einwänden seitens derer. Andererseits kommt moralisches Schuldbewusstsein durch, etwa, als er den Wachmann anschießt, der sich zur Zeit des Überfalls noch auf Toilette befand oder er den Pizzamann grob untersucht und sich anschließend aufrichtig bei ihm entschuldigt.
Auch die Figur der gleichaltrigen Rocky wird glaubhaft eingebunden. Als sie ihre erste Periode bekommt, soll sie eine weibliche Geisel auf die Toilette begleiten, - Stevie soll davon nichts erfahren. Und es ist ihr auch unangenehm, wenn Stevie vor laufenden Kameras vom Sex berichtet, den es noch nicht gab. Rocky verkörpert ein wenig die Vernunft innerhalb der brisanten Situation.
Was das Drumherum betrifft, muss man allerdings in einigen Punkten Abstriche machen.
Das beginnt mit dem FBI, das unter der Leitung von Burt Reynolds recht rasch vor Ort ist.
Aber da ist kein Psychologe in der Nähe und man schafft es nicht, innerhalb mehrerer Stunden Stevies Mutter ausfindig zu machen – obgleich Stevies Identität binnen kürzester Zeit aufgedeckt wird.
Auch das Vorgehen des Vermittlers ist absolut unprofessionell, - was Reynolds hier teilweise an absurden Vermittlungsversuchen startet, zählt schon fast zur Satire und auch der von ihm beauftragte Fake-Pizzamann stellt sich dümmer an, als seine eigene Einheit eigentlich erlaubt.
Mit dem Einfluss der Geiseln hält man sich ebenfalls stark zurück. Mal davon abgesehen, dass die mindestens ein Dutzend Gelegenheiten verstreichen lassen, um dem Jungen die Waffe zu entwenden und sich noch nicht einmal einen Plan überlegen, wie sie der Situation entkommen könnten. Und wenn eine Geisel sich heimlich einen Joint anzündet, soll der asthmakranke Stevie das in einer ansonsten steril riechenden Bank nicht mitbekommen?
Gerade, weil sich ein Rollstuhlfahrer mit Golfkriegssyndrom scheinbar auf die Seite der Kids schlägt, hätte das weitaus mehr Potential für psychologische Reibereien unter den Geiseln gehabt, doch es bleibt bei leichten Streitereien, die durch Stevie recht schnell verstummen.
Dabei muss man im Verlauf leider auch erkennen, dass die anfängliche Faszination über diese doch recht fesselnd geschilderte Ausgangssituation ein wenig nachlässt, da dem Geschehen keine Twists hinzugefügt werden, es kommen keine überraschende Aspekte hinzu und es verläuft ein wenig zu erwartungsgemäß, vor allem gegen Ende.
Dennoch schildert Regisseur und Autor Ash eine ungewöhnliche Situation, die aufgrund zweier überzeugender Hauptdarsteller zu einer packenden Charakterstudie heranreift.
Cameron Van Hoy sieht zwar ein paar Mal in die Kamera und Mischa Barton wirkt in einigen Momenten ein wenig unsicher, aber ihrem Alter entsprechend meistern sie ihre Darstellung überaus glaubhaft.
Das ist es auch, was diesen Independentfilm vorm Einerlei rettet. Würden zwei Erwachsene Geiseln in einer Bank nehmen, bedürfte es schon gewiefter Plot Twists, um die Sache spannend zu gestalten. Hier bestimmt die einsetzende Pubertät den Verlauf, - unter Eindruck von Vereinsamung, Gewalt in den Medien und schlichter Impulsivität.
Schwankende Stimmungen und daraus resultierende Unberechenbarkeit, das macht den Reiz aus und nebenher gibt es noch ein banales, aber doch bemerkenswertes Zitat Stevies:
„Pizza ohne Käse ist wie Scheißen ohne Toilettenpapier“.
Wenn zwei Dreizehnjährige Geiseln nehmen – nicht in allen Punkten glaubhaft, aber ein fast durchweg unterhaltsames Erlebnis.
Knapp
7 von 10