Review

Ein Knast-Drama mit starkem Horroreinfluss ist an sich schon mal eine gute Idee.
Aus einer düsteren Gefängniskulisse lässt sich was machen, da könnte auch der Geist eines vor Jahren auf dem elektrischen Stuhl Hingerichteten blutige Rache nehmen.
So zumindest die Grundidee eines damals noch recht unerfahrenen Renny Harlin.
Mit dem Knast-Drama hat das ganz gut geklappt, aber das Auftauchen des Geistes fügt sich nicht so recht in die Grundatmosphäre des Streifens ein.
Schlecht ist er deshalb aber nicht.

Trommeln wir mal alle Klischees zusammen, die ein Knastfilm so mitbringen kann:
Ein reaktionärer, sadistisch veranlagter Direktor(sehr glaubhaft verkörpert von Lane Smith), ein Held, der unter den Gefangenen bereits durch seine Fönfrisur und sein cooles Auftreten ins Auge sticht (Viggo Mortensen, agiert etwas steif). Weitere Stereotypen wie der schleimige Italiener, der bärtige und dicke Schwule, der esoterisch veranlagte Voodoomann und der Schwarze, der offenbar sein ganzes Leben im Knast verbracht hat (ähnlich wie Morgan Freeman in „Die Verurteilten"). Dazu eine Beamtin, die dem konservativen Direktor mit humanen Maßnahmen kommen will und natürlich abprallt und der ständige Fluchtgedanke, da der Knast die Hölle auf Erden ist.

Dennoch – oder gerade deshalb – macht dieses typische Hollywood-Knast-Leben ziemlich Laune, ähnlich wie „Lock up“ ein Jahr danach. Die Figuren erhalten ein wenig Tiefe und man verachtet den Direktor und hofft mit dem Helden. Gut so.
Doch wenn Held Burke mit einem Kumpel die Mauer zur Hinrichtungskammer durchbrechen soll (obwohl der Direktor aufgrund dunkler Vergangenheit genau das nicht wollen dürfte), geht es schon los mit den Logikfehlern.
Eigentlich hat es der Geist des Hingerichteten nur auf den Direktor und einen Gefangenen abgesehen, doch zunächst müssen ein paar Unbeteiligte das Zeitliche segnen, damit der Bodycount stimmt. Die Beamtin erhält daheim deutliche Zeichen, dass in dem Knast genau 1964 etwas vorgefallen sein muss und juchtert zum Ort des Schreckens – wofür auch immer, denn helfen kann sie an dieser Stelle nicht.

Dennoch resultieren ein paar blutige Szenen aus dem Vorgehen des Geistes, der eigentlich unsichtbar ist und seine Gegenwart nur durch Blitze sichtbar macht.
Besonders fies ist das Umwickeln eines Wärters mit Stacheldraht, aber auch das Zusammenstauchen per Metallstangen an einem Flüchtigen kann sich sehen lassen. Insgesamt aber leider viel zu wenig, auch in ungeschnittener Fassung.
Harlin wusste wohl nicht so recht, wie er die Horror und Drama Anteile vermischen wollte, so wirkt das jedenfalls nicht wie aus einem Guss.
Zwar kann die Freddy-Krüger-Keller-Behausungs-Atmosphäre ein ungutes Gefühl vermitteln, doch auf der Spannungsskala ist das allenfalls die Hälfte des Möglichen.

Keine Frage, ich habe mich nett unterhalten, aber auch ein wenig geärgert, dass der Horroranteil so wenig durchdacht eingebunden wurde.
Für Freunde des typischen Knastdramas ist die erste Hälfte ein Blick wert, die zweite Hälfte dürfte Horrorfans aber kein nasses T-Shirt verursachen.
Knapp
6 von 10 Punkten

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