„Devil´s Pond“, der auch unter dem gegenteiligen Titel „Heaven´s Pond“ zu finden ist, gehört zu jener Art von Filmen, in denen der Traumpartner bald nach der Hochzeit sein wahres Gesicht zeigt, wie etwa „Sleeping with the Enemy“ oder „Dream Lover“ (der in Deutschland unter dem von der Bedeutung her ebenfalls komplett umgedrehten Titel „Nightmare Lover“ bekannt ist). Schon allein aus jenem Grund sollte man kein inhaltliches Neuland erwarten, doch die Macher bedienten sich in diesem Fall einem interessanten Kniff: Sie isolierten die beiden Figuren komplett von der Außenwelt und stellten der „Opferrolle“ ein natürliches Hindernis in den Weg, welches eine Flucht vor dem tyrannischen Partner fast unmöglich macht…
Es scheint ein vollkommenes Glück zu sein: Der aus einfachen Verhältnissen kommende Mitch (Kip Pardue aus „Thirteen“) heiratet die aus einer wohlhabenden Familie stammende Julianne (Tara Reid aus „Body Shots“). Als Hochzeitsreise fahren sie hinaus in die Wälder, wo sie zwei Wochen in einer Hütte auf einer kleinen Insel inmitten eines abgelegenen Sees verbringen wollen – für ihn ist es eine Möglichkeit, ihr die Campingelemente seiner Kindheit näher zu bringen, für sie ein Abenteuer, da sie bislang immer sehr behütet als Stadtkind aufwuchs. Was Mitch aber im Vorfeld (angeblich) nicht wusste, war dass Julianne eine Wasserphobie besitzt – doch es gibt ja noch das rustikale Ruderboot, und er kümmert sich rührend um seine Angetraute…
Trotz einiger kleiner Streitigkeiten (wie über den Termin für eventuellen Nachwuchs) verbringen sie eine schöne Zeit in der Abgeschiedenheit der Natur, bis Julianne nach 10 Tagen vorzeitig abreisen möchte, da sie ihre Mutter vermisst und die Packung ihrer Pille für den nächsten Monat nicht finden kann. In Folge dessen kommt es zu einem großen Streit, bei dem Mitch anführt, dass wenn sie nicht einmal zwei Wochen alleine bestehen, es kein guter Einstand für die Ehe sei…
Als dann aber die restlichen Tage verstrichen sind, reagiert Mitch auf den erneuten Abreisewunsch aggressiv und auch handgreiflich, worauf er ihr endgültig sein wahres Gesicht und seine Absichten offenbart: Er möchte mit ihr dort in der Hütte leben und fernab der „schädigenden Gesellschaft“ eine Familie gründen. Natürlich ist das nicht in Juliannes Sinne, und so versenkt Mitch kurzerhand das Boot und hält sie wegen ihrer Phobie daraufhin auf der kleinen Insel gefangen – jeden Fluchtversuch scheint er rechtzeitig unterbinden zu können. Nach und nach tun sich seine Geheimnisse erst richtig auf – wie zum Beispiel die Bedeutung der geheimnisvollen Sicherheitskassette in der Hütte oder dem Grab im Wald. Ein immer brutaler werdendes Psychoduell der beiden entbrennt…
Joel Viertel hat mit seinem Regiedebüt einen handwerklich soliden und schön fotografierten Thriller abgeliefert, dem es jedoch in entscheidenden Bereichen an Qualität mangelt:
Das Setting ist klasse gewählt, die Insel mitsamt Naturkulisse wunderschön, was man auch ansehnlich auf Film gebannt hat. Die beiden Jungstars Kip Pardue (“Driven“/“Rules of Attraction“) und Tara Reid (“Crow 4: Wicked Prayer“/“Alone in the Dark“) können ebenfalls überzeugen und spielen ihre Rollen glaubwürdig.
Wo also liegt der Haken? Wie bereits erwähnt, ist die Geschichte nicht neu, doch wenn man diese auch noch auf ausschließlich zwei Personen in totaler Abgeschiedenheit reduziert, sollte man auf ein Skript zurückgreifen können, das die entscheidenden Faktoren wenigstens schlüssig aufarbeitet – und das war hier einfach nicht der Fall:
Es fehlen viele wichtige Informationen zum Nachvollziehen der Entscheidungen, wie beispielsweise warum Mitch gerade zum Stalker der Reichen Julianne wurde – warum hat er sich nicht einfach auf jemanden aus seiner Gesellschaftsschicht fixiert, wo er die Oberflächlichkeit der Society doch derart verachtet? Wie hat er eigentlich gelebt, so dass er plötzlich ausschließlich auf der Insel wohnen möchte (was lässt er zurück)? Man hätte einiges erreichen können, indem man den Film nicht gleich mit der Hochzeit hätte beginnen lassen, sondern zeitlich etwas davor. Das mit Juliannes Wasserphobie ist ja okay, aber es wird nie erwähnt, was diese eigentlich ausgelöst hat – so wäre das letztendliche Überwinden dieser Angst vielleicht glaubwürdiger erschienen…
Der Zuschauer bekommt immer wieder Informationshäppchen präsentiert, wie z.B. dass Mitchs Vater bei einem Jagdunfall ums Leben kam oder Julianne ein behütetes, unselbständiges Nesthäkchen wäre – die jeweils genaueren Umstände erfährt man jedoch nicht. Aus diesem Grund wirken die Figuren oberflächlich gezeichnet, und von einem Film mit nur zwei Hauptpersonen und deren Beziehung als zentrales Element sollte man eigentlich psychologische Tiefe und ausgeprägte Charakterzeichnungen erwarten können. Es ist schließlich wirklich ein weit verbreiteter Wunsch, mit seinem Partner glücklich zu sein und ein geordnetes Familienleben (mitsamt Nachwuchs) zu führen – um das zu erzielen muss ich ihn jedoch nicht gleich auf einer abgeschiedenen Insel im Wald an einen Baum ketten…
Der Film erinnerte mich teilweise stark an die erste Hälfte von „Invasion of Privacy“ – auch da war die Thematik ähnlich, die Darsteller vermochten zu überzeugen und die Regie erzielte einige intensive Spannungsmomente, doch mit der Charakterzeichnung haperte es, wodurch das Gesamtergebnis streckenweise etwas platt wirkte.
Fazit: „Devil´s Pond“ vermag trotz einiger sehr spannenden Szenen nicht über die gesamte Lauflänge zu fesseln und bleibt in Sachen Charakterzeichnung und psychologischer Tiefe eher oberflächlich – schade, doch wegen des starken Finales noch knappe 6 von 10.