Irgendwann, in ferner Vergangenheit, wie es scheint, hat John Woo dem Actionfilm mal ganz neue Impulse verliehen.
Dann ging er nach Amerika, arbeitete mit den Stars und geriet in die Ratingmühle – das Ergebnis waren zwar ganz ansehnliche Actionfilme, aber die Substanz an sich hatte gelitten und seine ureigensten Stilmittel rochen langsam aber sicher schon nach Selbstparodie, je länger er tätig war.
Nachdem er die „Mission Impossible“-Reihe mit seinem Stylishing so sehr in den Sand gesetzt hatte, daß der dritte Teil (er inszenierte den zweiten) glatt ein halber Flop wurde, ging es ernsthaft bergab und „Paycheck“ ist die letzte Arbeitsprobe, die er seit fünf Jahren hinterlassen hat.
„Paycheck“ gehörte zur Verwertungsmühle des Werks von SF-Ikone Philip K. Dick, der Romane schrieb, aus denen Hollywood Filme wie „Blade Runner“ oder „Total Recall“ synthetisierte, aber letztendlich konnte die Linie des Autors nie gehalten werden. So geht es auch Dicks Kurzgeschichte in diesem Fall, die zu einem sauberen Actionspektakel mit futuristischem Touch aufgeblasen wurde.
Leider sind solche Seifenblasen recht hohl – und deswegen ist auch nur Dicks Ausgangsposition wirklich reizvoll: die Geschichte eines Ingenieurs, der sich nach getaner Arbeit im Austausch für seinen Lohnscheck die Erinnerungen an sein Werk aus dem Gedächtnis tilgen läßt – bis er eines Tages nach Löschung von drei Arbeitsjahren nicht einen Haufen Kohle vorfindet, sondern nur einen Umschlag mit 20 eher belanglosen Gegenständen – und verantwortlich dafür ist er anscheinend selbst.
So interessant das klingt, so offensichtlich ist das Geschehen doch schon relativ bald, denn spätestens wenn Michael Jennings spitz kriegt, daß er sich die Gegenstände selbst zugeschickt hat und er einen nach dem anderen benötigt, um seine Erinnerungen aufzufrischen, ohne gekillt zu werden, steht das Thema „Zeitmaschine“ ganz vorne in der Schlange.
So mutiert die Story dann auch bald zum vorhersagbaren Abzählreim, wie viele Gegenstände denn jeweils nun noch da sind, während zwischendurch immer mal wieder ein paar Schußwechsel oder eine Motorradverfolgungsjagd solider Natur eingeschoben werden, ohne daß das jetzt wirklich zu gehobenen Augenbrauen führen würde. Jennings ist eben der Gute, Thurman als Gschpusi die Liebe und Aaron Eckhart ist ein Schwein – Film komplett!
Bis zum Schluß gibt es für den denkenden Menschen dann auch keine wirklichen Überraschungen mehr, selbst im Berieselmodus, aber das ist alles so solide produziert, daß man es sich ohne Übersäuerung einpfeifen kann.
Viel schlimmer wiegt dagegen jedoch, daß man den guten Jennings mit Ben Affleck besetzt hat, der nun wirklich ein Typ ohne Ecken und Kanten ist, immer etwas ratlos und mißtrauisch dreinschauend und immer noch daran arbeitend, daß man ihn meistens für ein Arschloch hält, wenn er gerade mal nicht lächelt.
Uma Thurman trägt dazu einen wahrhaft unterirdischen Fransenputz spazieren und Eckhart spielt das Ekel so nach Schema F, daß auch kein Fun aufkommt.
Immerhin die Nebenrollen sind recht prominent besetzt, wobei jeder Augenblick mit Paul Giamatti Woos Film deutlich aufwertet.
Man muß „Paycheck“ jetzt nicht böse sein, aber kreativ und überraschend geht nun mal anders und wenn Woo schier verzweifelt den Showdown nutzt, um verzweifelt seine weißen Tauben im Film unterzubringen, weiß man, wieviel Würde Hitchcock im gesamt Oeuvre hatte – wobei angesichts der Zukunftsvorausschau rund um den finalen Shootout die Realität dann erklärungslos ganz anders ausschaut als im Future-TV.
Nette 6/10 von der Stange, aber maximal 4 auf der Woo-Skala. Schade – Mann, mach mal was dagegen! (6/10)