John Woo (Hard Boiled, Blast Killer) gelang, wovon viele seiner chinesischen Regisseur-Kollegen immer geträumt haben. Woo gelang der Sprung nach Hollywood, wo er mit dem Actionknaller "Harte Ziele" auch gleich eine Basis schuf. Mit Filmen wie "Operation: Broken Arrow" und auch "Face Off" wusste er sein Zeichen zu hinterlassen, doch irgendwann ging es bergab. Woo ist nun mal ein Actionregisseur, er und eine PG-13 Freigabe will nun mal nicht passen, Woo muss sich austoben können. "Paycheck" will den Zuschauer mit einer guten Story ködern, die auf der Kurzgeschichte von Philip K. Dick basiert. In diesen visionären Geschichten steckt durchaus Potential, was Dean Georganis (Der Manchurian Kandidat, Tristan + Isolde) in keinster Weise in die Tat umsetzen zu vermag. Das bewiesen auch die Einspielergebnisse, denn nicht mal die circa 60 Millionen Dollar Entstehungskosten konnten weltweit erwirtschaftet werden. Für Woo zu Recht ein Grund lieber wieder in seinem Heimatland zu drehen.
Der Ingenieur Michael Jennings (Ben Affleck) lässt sich für Aufträge engagieren, wo er die Software eines Herstellers kopiert und verbessert, schließlich wird sie dem Auftraggeber zur Verfügung gestellt. Danach lässt er den gesamten Auftrag aus seinem Gehirn löschen, durch seinen Partner Shorty (Paul Giamatti). Nun tritt sein langjähriger Freund James Rethrick (Aaron Eckhart) an ihn heran mit einem Spezialauftrag. Der soll drei Jahre dauern und Michael eine achtstellige Summe einbringen. Für Michael ist das Ganze nicht länger als ein Wimpernschlag, doch nach der Löschung des Auftrags ist sein Leben nicht mehr das Selbe. Angeblich soll er auf seine Entlohnung verzichtet haben und ihm werden lauter Gegenstände ausgehändigt, die ihm nicht gehören. Verzweifelt sucht Michael nach Antworten, warum sind Rethrick und das FBI plötzlich hinter ihm her? Hilfe erhofft er sich von der Botanikerin Rachel Porter (Uma Thurman).
Das mag auf den ersten Blick noch recht interessant klingen, doch schaut man genauer hin, so tun sich etliche Logiklöcher auf durch die ein ganzer Lastwagen durchfahren könnte. Das fängt schon beim Ingenieur Michael Jennings an, der sich mit dem sogenannten "Reverse Engeneering" (Nachkonstruktion) beschäftigt. Der behält in jeder brenzligen Lage suverän die Kontrolle, schießt besser als diverse Spezialeinheiten und fährt Motorrad wie ein Profi. Hinzu kommen zwanzig Gegenstände, wo er komischerweise immer genau im richtigen Moment weiß, wozu er sie benutzen soll. Auch wird ein Auftrag immer komplett aus seinem Gehirn entfernt, doch warum kann sich Michael doch noch an diverse Bruchstücke erinnern? Auch sein eigentlicher Auftrag wird nur sehr schleierhaft geklärt, ist aber dennoch interessant, was die Zukunft des Menschen betrifft. Aber man kann und will dieses sich langsam zusammensetzende Puzzle nicht ganz ernst nehmen. Das liegt teilweise auch an Woo, der die actionfreie und zudem überlange Einleitung völlig belanglos herunterkurbelt. Die Charaktere sind allesamt zu uninteressant, um sich so lange mit ihnen zu beschäftigen. Die Lovestory zwischen Michael und Rachel ist schon vorporgrammiert, sowie dass sich der beste Freund zum schlimmsten Feind mausert. Im Endeffekt wäre es wesentlich interessanter gewesen, den eigentlichen Auftrag von Michael mehr Revue passieren zu lassen, aber die Sache mit der Zeitmaschine klingt einfach zu unglaubwürdig, weswegen man lieber die Finger davon lässt.
Genauso konstruiert ist die Zusammenstellung der Gegenstände, die Michael für seine Rekonstruktion benötigt. Die Flucht aus dem FBI-Gebäude ist einfach nur lächerlich und auch den Einsatz des schließlich doch gutmütigen Agent Dodge (Joe Morton) hätte man sich sparen können. Eigentlich ist es Woos horentem Können zu verdanken wenn es um Action geht, dass "Paycheck" nicht total scheitert. Für eine PG-13 Freigabe darf es trotzdem einige Schauswerte geben, die sich besonders in gigantischen Zerstörungsorgien wieder spiegeln. Ein kleinen Shootouts und kurzen Zweikämpfe können nicht unbedingt punkten, aber die mittige Verfolgungsjagd und das Finale haben es schon in sich. Schicke Autostunts und große Explosionen mit sehr zurückhaltendem CGI-Einsatz sind pures Futter für die Augen, leider reichen die vorhandenen Szenen nicht aus, um das Tempo auf einem Niveau zu halten. Auch bei den Sets müssen wir Abstriche hinnehmen, denn während die Labore von Rethrick mit futuristischer Technik punkten, so bleibt sonst alles beim Alten. Der Score von John Powell hat auch keinen Wiedererkennungswert, doch richtig katatrophal wird es, wenn man die Performance von Ben Affleck (The Town, Dogma) näher betrachtet. Der liefert eine durchweg unglaubwürdige Vorstellung und wurde zu Recht mit der Goldenen Himbeere bedacht. Uma Thurman (Pulp Fiction, Kill Bill) bleibt auch weit hinter ihren Möglichkeiten, während Aaron Eckhart (The Dark Knight, Black Dahlia) mit scheußlicher Frisur einen mäßigen Fiesling abgibt. Paul Giamatti (Verhandlungssache, Shoot`Em Up) ist als kleiner Sidekick recht brauchbar.
Dank zahlreicher Ungereihmtheiten und einem unglaubwürdigen Ben Affleck ist "Paycheck" zum Scheitern verurteilt. So liegt es an Woo mit explosiven Actionszenen die Kohlen aus dem Feuer zu holen. So hat man letztenendes doch einige Schauwerte zu bieten, die den Unterhaltungswert drastisch steigern. So rettet man sich in den sicheren Durchschnittsbereich, das Potential von Dicks Vorlage hat man aber total verschenkt.