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Dank der unlängst veröffentlichten Ingmar Bergman – Edition ist es nun lobenswerter Weise auch dem gemeinen Pantoffel-Cineasten vergönnt, einen gewaltigen Wissenskrater zumindest aufzuschütten. Zumindest den einen oder anderen Bergman-Film sollte man schon gesehen haben – und DAS SIEBENTE SIEGEL zählt bestimmt dazu. Sicherlich keine Fast Food – Kost für jeden Abend oder mal zwischendurch, aber allemal lohnens- und empfehlenswert.

Man spürt deutlich den dramaturgischen Ursprung des Films, der mehr an ein Stationendrama denn an einen klassischen narrativen Spielfilm erinnert. Die Hauptfiguren sind dementsprechend auch archetypisch: der desillusionierte Anti-Held Block, sein Knappe Jöns, der auf seine Weise mit dem Leben klarzukommen sucht (und in meinen Augen die interessanteste Figur des Films ist), die Künstler-Familie und der leibhaftige Tod natürlich sowieso.

Die heimkehrenden Kreuzzügler erwartet ein von Tod und Gewalt beherrschtes Land. Die Pest greift ebenso um sich wie Barbarei, Aberglaube und Verbrechen. So muß die verzweifelte letzte Sinnsuche – und nichts anderes ist das dem Tode abgerungene Schachspiel- scheitern. Aber immerhin – am Ende wird der Tod diejenigen, die (naiv?) für ein anderes Lebensmodell stehen, dank einer List verschonen.

Bergmans Film ist eine düstere Parabel auf das Leben, die auch heute, weit weg von Mittelalter und Hexenwahn, von Pest und Verdammnis, nichts von ihrer Aussagekraft verloren hat. Die Darsteller sind durchweg exzellent und handwerklich ist der Film ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Man muß den Film wahrscheinlich mehrmals gesehen haben, um ihn in seiner ganzen Tiefe fassen zu können. Die Grundaussage könnte man vielleicht aber wie folgt formulieren: Es bleibt ein Funken Hoffnung (das Überleben der Künstler-Familie); aber es gibt weder Gnade noch Erlösung. Heftige Kost, wie schon gesagt.

Um es also kurz zu machen: Pflichtprogramm, das in jede anständige Filmsammlung gehört. Ich jedenfalls habe den Kauf nicht bereut. 9/10.

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