Review

Irgendwann begegnen wir ihm alle: Dem Tod. Der Schwede Regisseur Ingmar Bergman schuf mit „Det sjunde insegelt“ einen Film, der sämtliche Kategorien von Leben und Tod durchleuchtet, Glaubensfragen stellt und dennoch jeder weiß, wie dieser Film ausgehen wird.


Im 12. Jahrhundert kehrt der Ritter Antonius Block (Max von Sydow) mit seinem Knappen Jöns aus den Kreuzzügen in seine Heimat Schweden zurück. Der Kreuzzug sollte Antonius’ Glauben in Gott bestärken, doch langsam zweifelt er, ob es wirklich einen Gott gibt. Jöns (Gunnar Björnstrand) ist von Natur aus ein Atheist.
Kaum in Schweden angekommen, scheint Blocks Leben vor bei, denn der Tod (Bengt Ekerot) steht vor Block. Der Tod ist ein Spieler, so kann Block ihn zu einer Partie Schach um sein Leben herausfordern. Damit gewinnt Block Zeit, denn der Tod kann jeweils nur ein paar Züge machen. Die Pest wütet durch Schweden, der Tod ist viel unterwegs. Auf seiner Reise nach Hause trifft Block das junge Paar Mia und Jof mit ihrem einjährigen Sohn Mikkel. Jof ist ein gläubiger Mensch, der an das Gute glaubt und leichtsinnig ist. Während Block immer weiter an Gott zweifelt, je länger er durch Schweden zieht, wo Menschen sich voller Demut geißeln, Frauen als Hexen verbrannt werden, scheint seine einzige Hoffnung nur die kleine Familie zu sein, die trotz aller Ängste und Sorgen fröhlich leben können. Doch der Tod wartet schon und will das Spiel beenden, nicht nur Blocks Spiel...


Wenn der schwedische Regisseur Ingmar Bergman den Tod personifiziert, artet dies nicht in einem Klamauk oder gar in den Horrorbereich ab, nein, der Tod sieht menschlich aus. Vollkommen in schwarz gehüllt, mit einem weißen Gesicht. Bergman konfrontiert Block und auch den Zuschauer direkt mit dem Tod. Es gibt keine Einführung, der Tod kommt ohne Vorwarnung, auf Diskussionen lässt er sich nicht ein. Wenn der Zeitpunkt eines Menschen gekommen ist, ist er gekommen. Doch auch der Tod hat seine Schwächen, er ist ein begeisterter Spiele und lässt sich auf eine Partie Schach ein.

Bergmans schwarz-weiß Film ist kurz und knapp gesagt ein Meisterwerk, welcher aus heutiger Sicht von dem einen oder anderen vielleicht als altbacken betrachtet werden könnte, inhaltlich aber ganz große Filmkunst ist. Mit „Det sjunde insegelt“ verarbeitete Bergman scheinbar auch seine eigene, religiös geprägte Kindheit. Die Glaubensfrage steht im zentralen Mittelpunkt des Films und je länger der Film dauert, desto mehr zweifelt Block an Gott und stellt sich zentrale Fragen. Wie kann es einen Gott geben, der zulässt, dass sich Menschen geißeln, an der Pest sterben etc.? Auf der anderen Seiten steht der Tod vor Block, also muss es doch auch einen Gott geben, der den Menschen das Leben schenkt, welches der Tod irgendwann auslöscht.

Die Hauptdarsteller sind das Salz in der Suppe. All voran natürlich Max von Sydow, ein ständiger Begleiter in den Filmen von Ingmar Bergman und selbst heute noch einer der bekanntesten schwedischen Schauspieler überhaupt. Der Rest ist für den deutschen Zuschauer wahrscheinlich unbekannt, auch wenn Bergman einige Darsteller immer wieder in seinen Filmen auftauchen, wie eben von Sydow oder auch Bibi Anderson.
Sein Gegenpart ist Bengt Ekerot, der dem Tod sein Gesicht gibt. Bergman stellt den Tod
fast expressionistisch da. Viel gibt er nicht preis, stellt sich zum Ende des Film gar als unwissend dar, der die vielen Fragen von Block nicht beantworten kann oder will. Der Tod wirkt kühl, dabei sogar ein wenig zynisch. Auch dies macht den Film absolut sehenswert, denn trotz der meist negativen Stimmung, die den Film durchzieht, gibt es auch einige komische und schwarzhumorige Elemente im Film. Der Tod sägt nämlich auch einmal sprichwörtlich an dem Ast, auf dem jemand sitzt.

Im ganzen Film gibt es eigentlich keine negativen Darsteller, eigentlich wirken alle sympathisch, wobei nur die kleine Schauspielerfamilie so etwas wie Glück und Freude verbreitet. Der Rest scheint das Leben nur noch hinzunehmen, denn die Pest verbreitet sich durch das ganze Land und fordert immer mehr und mehr Opfer.

Schlüsselszenen besitzt „Det sjunde inseglet“ genug. Der Tod wird ebenso als listig dargestellt, wenn auch nicht komplett unfehlbar, wie man eigentlich meinen könnte. So glaubt Block mit einem Geistlichen zu reden. In Wirklichkeit ist es aber wieder der Tod, dem er auch seine Taktik im Schachspiel verrät. Ferner stellt sich die Frage, kann man den Tod denn überhaupt besiegen, kann man ihn im Schachspiel schlagen?

Zum Schluss zieht Bergman noch mal alle Register seines Könnens und liefert ein grandioses Finale ab, was vielleicht jeder Zuschauer vorhersehen kann, es jedoch großartig inszeniert ist.
Auch wenn jeder weiß, was nun passieren wird, man es in den Gesichtern der Darsteller lesen kann, sitzt man trotzdem stumm und gespannt vor dem Bildschirm, um nur vier Worte zu hören. Gewisse Szenen unterlegt Bergman auch mit typischer Musik, die ideal zu den Szenen passen. So ist der Film auch noch heute ein Meisterwerk, welches selbst nach 50 Jahren nichts von seiner Faszination verloren hat.


Fazit: Bergmans „Det sjunde inseglet“ steht zu Recht in der Top 250 der besten Filme in der IMDB. Phantastische Darsteller, die wahrhaftig mit dem Tod ringen und um ihren Glauben kämpfen. Bergman schuf einen anspruchsvollen, nicht immer leichten, aber extrem sehenswerten Film, den jeder ernsthafte Filmliebhaber gesehen haben sollte. „Det sjunde inseglet“ ist ganz große Filmkunst aus Schweden, welcher bis zum Ende nichts von seiner Faszination oder Spannung verliert.

Details
Ähnliche Filme