Von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land zurückgekehrt findet sich Ritter Antonius Block in der Gegenwart des Todes wieder. Nicht nur durch den Umstand, dass die Schwarze Pest durch seine Heimat zieht, in persona steht ihm eine schwarzgewandete Gestalt gegenüber. Um einen Aufschub zu erhalten, beginnt Block mit dem Tod eine Partie Schach.
Und so wie die beiden Figuren ihr Spiel in Etappen fortsetzen, so episodisch ist dieses Roadmovie, bei dem der Ritter, sein Knappe und die sich ihnen anschließenden Charaktere durch das Land streifen. Dabei die Gegebenheiten der von Religion und Angst durchtränkten Zeit reflektierend, befeuert durch die stets von der Pest ausgehenden Gefahr. Es sind wirre Zeiten, deren Auswüchse durch die Ignoranz noch verstärkt werden und in der die todbringende Krankheit mit dem Fanatismus der Menschen um den Titel der größten Bedrohung konkurriert.
In alledem ist Block auf einer Sinnsuche, nach sich und nach Gott. Und dies präsentiert der von Ingmar Bergman inszenierte und geschriebene Film auf wenig aufdringliche Weise. Man kann den religiösen Aspekt für sich insofern gut ausklammern, als dass die Suche nach dem Sinn der Existenz ebenso allgemeingültig funktioniert wie die Fragen nach der Sterblichkeit und die Erkenntnis der Unausweichlichkeit. Der gewünschte Blick hinter die Kulissen dessen, was dieses Konstrukt aus Welt und Leben ausmacht und zusammenhält.
Dies ist in oftmals finsterem Schwarzweiß gehalten. Es passt, durchzieht den Film doch ohnehin aufgrund der Thematik und mancher Ereignisse eine angemessene Ernsthaftigkeit. Und doch ist „Das siebente Siegel“ voller Witz, schafft so eine angenehme Balance in seiner Betrachtung des Seins. Der ernste Block auf der einen Seite, woanders sein Knappe Jöns mit dem losen Mundwerk, eine Schaustellertruppe mit dem Paar Jof und Mia, der Schmied und seine untreue Frau – viele Charakterzüge repräsentieren die Menschheit. Die diesen Gott eigentlich gar nicht bräuchte, um sich selbst ein Wolf zu sein. Aber in dieser Welt des Mittelalters ist dieses Instrument unumgänglich.
Das Schachspiel zwischen Block und dem Tod ist dabei nur ein Aufhänger, bietet aber manch starke Szene mit ebenso geschriebener Zeile, was allerdings auf den gesamten Film zutrifft. Die ausformulierten Gedanken und Beobachtungen sind oftmals geschliffen und pointiert, die Inszenierung mitunter theaterhaft und das Werk insgesamt verkopft. Für mich keine Kritikpunkte, sondern dankend angenommen in dieser Form.
Und natürlich durchziehen religiöse Muster das komplette Szenario, von Namen (Jof und Mia) bis zu der Suche nach Erlösung. Dennoch ergibt sich Bergmann für mich diesen nicht, gerade in der Figur des letztlich ambivalenten Kreuzritters schwingt doch immer der aus Erfahrung erwachsene Zweifel mit. Ohne diesen gäbe es seine Fragen nicht, denn der Glaube lässt diese in seinem Geschäftsmodell nicht zu.
„Der Mensch nimmt sich viel zu wichtig“. Und am Ende steht unweigerlich das Ende. Auch dieses hält keine Erkenntnis bereit, keine Antworten, es ist nur unausweichlich. Gott suchen manche, den Tod finden alle. Und alle gleich, wer sie auch sind oder waren.
Bergman präsentiert hier eine mehr als interessante Auseinandersetzung mit existenziellen Themen sowie der Religion und breitet diese dabei facettenreich zwischen Nihilismus und Humor aus, sodass man nur von einem sehr gelungenen Werk sprechen kann. Und bekommt man auch vielleicht keine Antworten, dann doch zumindest eine Erkenntnis. „Es ist, wie es ist“.