Review

<!--StartFragment --> Einer überspannten Sehnsucht nach Ablenkung in einer fantastischen Welt entspringt auch die Marktschreierei Vampire Buster. Ein Schelmenstück um die Lösung außerordentlicher Aufgaben, quasi die Rettung der Welt, vor dem nicht faßlichen Bösen, dass seit jeher sein Unwesen treibt. Die Wurzeln des Genres der chinesischen Horrorkomödie als klassisches Narkotikum bekommt man dabei im schmalen Überblick ebenso zu sehen wie die mittlerweile voran geschrittene und in den nächsten Jahren auch nur so und nicht mehr anders modernisierte Spielart dessen. Ein Blendwerk in der auffälligsten Eigenschaft der Elemente, deren unvermeidlichen und unverwüstlichen Klischees auch seine diversen weiteren Vertreter verkörpern, am Rande des magischen Weges und dennoch in enger Bindung an die populären Muster.

Dabei springt die humorvoll befreiende Fiktion vom Dämon und seinem Jäger zweimal aus der Chronologie heraus, einmal für eine Zusammenfassung der Ursächlichkeit zurück in die Zeit der Ming-Dynastie und einmal für die vorerst finale Auseinandersetzung in das Jetzt, das Aktuelle, an den eigentlichen Ort der Widerspruchs. Die Gegenwart als Labyrinth der Wechselwirkungen, in der sich die aufgeklärte Gesellschaft mit verborgenen Dingen aus der Tradition konfrontiert sieht und das Zusammenfallen von Antithesen zum herrschenden Prinzip wird. Wirkung und Krise im kosmischen Mysterium:

Während einer Charity-Auktion für die "Chinese Handicap Foundation" erwirbt der gutbetuchte Councillor Steven Kay [ Stanley Fung ] eine alte Vase; die er zwar schon für den guten Zweck und seinem entsprechenden Ansehen haben wollte, aber noch zusätzlich durch seinen gerade aus Amerika zurückgekehrten Sohn Jacky [ Jacky Cheung ] auf einen astronomischen Preis hoch getrieben wurde. Dass seine Geliebte Mable [ Angile Leung ] nun zur Sicherheit auch noch einen Geisterbeschwörer zur Abwehr eines etwaigen Fluchs für das teuer ersteigerte Kunstobjekt engagieren möchte, nimmt der so eh geschröpft Fühlende als nicht weiter tragisch hin. Der von Mable Beauftragte Chan Pak-tung [ Nat Chan ] ist allerdings eine Luftnummer, der sich sonst mühsam mit Glücksspiel und Wahrsagerei über Wasser hält und auch jetzt nicht den Ernst der Lage erkennt. Denn tatsächlich befindet sich ein böser Geist [ Chung Faat ] in der Vase, der auch prompt erweckt wird, sich als Erstes Kay als Wirtskörper schnappt und gleich die Belegschaft des Hauses, einschließlich Jackys Freundin Cat [ Elsie Chan ], seine Schwester Micky [ Che Man-kei ], die Großmutter [ Hung Mei ] und den Butler Shui [ Yip Gaai ] als weitere Beuteziele vornimmt. Einzig Magier Cheung Sap-yat [ Kent Cheng ], ein kung-fu action priest, der schon Jahrzehnte zuvor die Vase verteidigt hat, kann nun noch helfen.

Verschiedene Herangehensweisen sind dabei gleichfalls vonnöten, wie sich der Film selber seine Optionen und das damit verflochtene Potential durchaus offen hält, um dennoch relativ strikt den schnurgeraden Pfad der lautmalerischen Abfuhr von Aggressivität in Heiterkeit einzuschlagen. Viel effektvoller Pragmatismus-Radau, emsig Beleuchtungstricks, der Gebrauch der Nebel- und Windmaschine als dringend erforderliches Gestaltungsutensil, dazu massig Wirework und Körpereinsatz, Angriffen von imaginären Schlangen, herab fallenden Fernsehern und führerlosen Autos, um die künstlich kreierte Himmel- und Höllenfahrt zu einem unübersehbar großen, gleichzeitig beglückenden und erschreckenden Ganzen unter der Unterhaltungsglocke zu gestalten. Anlässe und Gelegenheiten für diese massive Stimmungsmache von wild gewachsenem Budenzauber existieren dabei jeweils in der jenseitigen Feindesmacht. Der Gegner kann sich fern des Terrors der Wahrscheinlichkeit schrankenlos ausdehnen, durch das Hineinschlüpfen und Besetzen grundsätzlich jedes Menschen als ein abstrakter Incubus verbreiten und so perfekt die Wünsche nach der Übersteuerung des eigenen Ichs verkörpern.

Mit dem eigentlichen Aufgreifen der Handlung im Präsenz macht der Film auch einen Sprung von dem mittelalterlichen Rationalismus der Scholastik hinaus in die Bereiche der neuzeitlichen Kultur, weg von der Magie der Seelenbräuche in die Politik, die Religion und die Wissenschaft. Dabei werden sowohl Debatten bündiger Kürze gehalten zwischen dem mehrreligiösen Cheung Sap-yat, der zwar nicht das Christentum ausschließt, aber dennoch dem Daoismus und dem Buddhismus und auch dem unorthodoxen Aberglauben zuspricht, und einem Priester, der Ihm nach der Sonntagsmesse lieber etwas vom Lukasevangelium, Jesus von Nazarath und Johannes, dem Täufer erzählt. Außerdem ist Cheung schon vor Maos Kulturrevolution geflohen und wird nun als Illegaler Immigrant gesucht, während der phasenweise besessene Kay Mitglied im Regierungsrat und dadurch meinungsbefugt und stimmenberechtigt für den bevorstehenden Bauentscheid eines stadtnahen Kernkraftwerkes ist. Ein Plotansatz, der das in spiralförmigen Identitätsketten windende Geschehen nahe bei sowohl The Omen + Fortsetzung als auch seinem rip-off Holocaust 2000 positioniert, so auf seine Weise den Erzählraum vergrößert, aber nicht automatisch die Brisanz des sonstig bunten Wundergeschehens steigert und deswegen auch nie weitergeht, als die gängigen Konventionen es zulassen würden.

Vielmehr wird auch dabei die Taktik der comedy of errors vollzogen, folgt nach der Verschärfung auf der einen Seite die Übertreibung auf der anderen. Die Abrundung durch das heillose Durcheinander des beschleunigten Handlungstempos und seinem Prinzip der scheinbaren Zufälligkeit, in der Wortwitz, Paradoxa, Parodierung und absurde Metaphorik in steigender Aufzählungen aufeinander treffen. Kay stimmt mal gegen das technologische Ungeheuer, mal dafür, mal wird er zu Unrecht als Satyr verdächtigt, mal trotz offensichtlich verdächtigem Gebaren und akuter Gefahrenlage nicht für ernst genommen. Viel Platz für personenintensive Irrungen, Verwechslung mit und ohne Maskerade, Possenspiel im perspektivischen Gegenpol oder auch der beziehungsreichen Parallelisierung. Missverständnisse und Begriffsstutzigkeiten. Fahrlässigkeiten und unverschuldete Versäumnisse. Bauernschläue, simulierte Naivität und unbedarfte Hartnäckigkeit. Ein tiefer Griff in die Slapstickretorte, nicht wirklich originell, und zum Doppelshowdown hin auch zu viel des Guten, aber für den Moment schlagkräftig und treffsicher.

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