Argentos Mini-TV-Serie Door into Darkness habe ich erst über den Umweg Amerika durch die Veröffentlichung von Severin Films wahrgenommen und dann gesehen, dass die Serie schon vor fast zwanzig Jahren in Deutschland veröffentlicht wurde. Egal, die 4 Bluray-Box von Severin lohnt sich trotzdem, da sie mit weiterem rarem Argento-Material nur so strotzt.
Der erste Teil der Serie, Der Nachbar, ist aber ein denkbar ungünstiger Einstieg für eine Serie. Der Film ist uninspiriert, hat niedrige Productionvalues und haufenweise Logiklöcher. Der Anfang, mit Argentos Cameo-Auftritt als Tramper, der die Hauptfiguren einführt, ist dabei noch das Originellste. Ansonsten spielt der Film in einer düsteren, leeren Bude, die auch nicht besonders stimmungsvoll in Szene gesetzt ist. Ich liebe Cozzis Trash-Opern Star Crash und Astaron, aber er ist halt nicht Argento und einen ernsthaften, spannenden Giallo sollte man nicht erwarten. Es ist sogar genaugenommen, entgegen Argentos großspurigem Versprechen in der Einleitung, überhaupt kein Giallo. Man weiß von vorneherein, wer der Täter ist, es gibt die ganze Zeit sowieso nur einen Verdächtigen. Und Mimmo Palmara ist in der Rolle des Antagonisten eine glatte Fehlbesetzung. Er ist bestimmt kein schlechter Schauspieler, wirkt aber hier nie wirklich bedrohlich, mit seinen amateurhaft grau geschminkten Haaren (warum er auf älter getrimmt wurde, erschließt sich nicht aus der Story) und seinen feinen, weichen Gesichtszügen.
Die Logiklöcher will ich jetzt nicht alle pedantisch aufzählen, nur zwei besonders krasse, die mich komplett aus der Handlung rausgehauen haben: Das "einsame" Haus am Meer, in dem das junge Paar einzieht, zu dem sich nie eine Menschenseele verirrt und wo die beiden mit ihrem Baby dem Bösewicht angeblich komplett ausgeliefert sind, steht mitten in einem Dorf an einer vielbefahrenen Straße (das erkennt man am Ende, nachdem die Sonne aufgegangen ist). Und dann (Achtung: Spoiler) vergräbt Palmara die Leiche seiner Frau an einem von allen Seiten zugänglichen Strand, direkt vorm Nachbargrundstück und türmt dabei den Sand so hoch auf, dass jeder Spaziergänger sofort ahnen muß, was sich darunter verbirgt.
Der Film hat nichts, was einen Giallo ausmacht: keine Messermorde (eigentlich überhaupt keine Morde wenn man es genau nimmt, weil die Frau ist von vorneherein tot und auch nur zwei Sekunden zu sehen), keine Spannung, keine sexy Frauen, keine luxuriösen Sets, kein Rätselraten, keine originellen Wendungen, keine gute Musik, keinen Style. Manche werden jetzt sagen, ok, es ist halt eine TV-Produktion und man darf nicht zu viel erwarten. Dass es aber auch GANZ anders geht, beweist Meister Dario himself mit dem zweiten Teil der Mini-Serie, Il Tram, den ich mir zum Glück dann doch noch angeschaut habe; ein virtuoser Giallo in Reinkultur, komprimiert auf 54 Minuten, aber mit allen den obengenannten Zutaten.