"Blast!" stellt die internationale Neuverfilmung des deutschen TV-Spielfilms "Operation: Noah" da, und kann dank einer erfahrenen Regie und eingesetzten Stilmitteln punkten. Ich persönlich finde "Blast!" eine Spur besser als den Seagal-Actioner "Submerged", den Regisseur Anthony Hickox (Full Eclipse) ein Jahr darauf abfilmte. Und wo wir schon bei Steven Seagal wären. Nicht nur, dass der Ex-Actionstar in einem Dialog sein Fett wegbekommt, sondern auch Paralellen zu "Alarmstufe: Rot" werden hier sichtbar. Allerdings ist besagter Film nicht die einzige Vorlage, der sich "Blast!" bedient. Denn auch "Stirb langsam" selber und "The Rock" werden hier erfolgreich recycelt. Jedoch weiß Hickox dies geschickt zu kaschieren, wenngleich die Vergleiche sich natürlich nicht komplett verbergen lassen.
Auf einer Bohrinsel vor der Küste Kaliforniens scheint alles ganz normal zu laufen, bis plötzlich eine Gruppe von Umweltschützern auf der Bildfläche erscheint. Die vermeintlichen Kämpfer der Natur entpuppen sich nämlich als eine Gruppe von gefährlichen Terroristen. Allen voran ihr skrupelloser und hasserfüllter Anführer Michael Kittredge (Vinnie Jones), der einen schrecklichen Plan verfolgt: Er will eine gewaltige und tödliche Bombe auf der Bohrinsel zünden und so eine irrepoarable Katastrophe herbeiführen. Doch Kittredges Plan geht nicht ganz auf. Denn der beherzte Schiffskapitän Lamont Dixon (Eddie Griffin) und die FBI-Agentin Reed (Vivica A. Fox) versuchen um jeden Preis, den wahnsinningen Terroranführer und seine vernichtende Waffe aufzuhalten...
Eddie Griffin (The New Guy) gibt in "Blast!" gelungen den Aushilfs-Wesley Snipes. Kampfsportkenntnisse hat er zwar kaum, doch kann er in den Actionsequenzen anderweitig überzeugen. Wie es sich für einen coolen Brother aus der Hood gehört, dürfen hier auch sämtliche Oneliner seitens Griffins nicht fehlen, die jedoch kaum peinlich bzw. gezwungen wirken. Als komödiantischen Sidekick läuft einem Breckin Meyer (Road Trip) über den Weg. Meyer macht seinen Job ganz solide, doch ist er im Comedyfach besser aufgehoben. Einen brauchbaren Schurken darf Vinnie Jones (Passwort: Swordfish) abgeben, da er dank seines Charismas Eindruck machen kann. Bereits hier hätte Hickox merken müssen, dass Jones die bessere Wahl für den "Submerged"-Hauptpart wäre und eben nicht Steven Seagal. Nicht wirklich viel zu tun hat hingegen Vivica A. Fox (Kill Bill), bleibt aber immer noch guter Durchschnitt. Mehr weiblichen Körpereinsatz bekommt man dafür von Nadine Velazquez (The Last Ride) geboten. Auch die Nebenparts sind mit Hannes Jaenicke (Bandits), Tiny Lister (Universal Soldier) und Reagge-Sänger Shaggy recht prominent besetzt worden.
Mag Hickox hier die Action nicht so blutig und hart insziniert haben wie in "Submerged", so macht die Action dennoch Laune. In der ersten Filmhälfte ist zwar nicht gerade viel los, dafür darf aber in der zweiten Hälfte auf die Kacke gehauen werden. Die Shootouts sind nicht blutig, dafür aber schön in Szene gesetzt. Fratzengeballer kommt hier auch nicht zu kurz und die Pyrotechniker bekommen einiges zu tun. Überraschend professionell wurder der CGI-Absturz eines Helikopters gestaltet, da man solche Klasse in einem B-Movie sonst nicht erwarten kann. Was die Stunts angeht hat sich Hickox auch einiges einfallen lassen, um den Actionfreund bei Laune zu halten. So darf Griffin extrem cool eine Granate in Richtung der Gegner kicken, dass Lukas Podolski grün vor Neid werden würde. Leider gestaltet sich der Showdown etwas zu zügig, zudem dort auch altbekannte Mittel wie die Bedrohung eines Familienmitgliedes verwendet wird. Besagtes Familienmitglied wird von einer Art Adoptivsohn verkörpert. Dieser hält sich bis zum Finale dankensweise im Hintegrund. Doch im Showdown darf der Bengel in einer recht peinlichen und unglaubwürdigen Sequenz zur Tat schreiten, um den Adoptiv-Papi aus der Scheiße zu reiten. Doch bekanntlich sollen Menschen in Extremsituationen über sich hinauswachsen können... und hier darf halt mal der Knirps ran. Diese Szene hätte sich Hickox auch sparen können und stattdessen ein paar Baller- oder Nahkampfeinstellungen mehr einsetzen können. Kommen wir nun zu den schon oben genannten Vorlagen, die "Blast!" hier gekonnt verwertet. Dass der Film nichtzuletzt auch an "Stirb langsam" erinnert, dürfte wohl auch daran liegen, dass hier dessen Autor am Skript gearbeitet hat und in "Blast!" eben die bekannten Elemente und Stile nochmal verarbeitet. Da man hier von der Ausschaltung militärischer Einsatztruppen über den Verräter bishin zur Tatsache, dass die Terroristen ein ganz anderes Spiel spielen als man denkt, könnte man denken, dass der Autor hier so was wie ein Best of der "Stirb langsam"-Mittel zusammengeschrieben hat. Bekanntlich erwischt es zudem noch "Alarmstufe: Rot" und "The Rock", weshalb der Handlungsverlauf wenig überrascht und die Geschichte bekannt ist. Diese konnte Hickox aber schick verpacken und mit harter Rockmucke im Actionbereich veredeln. Für Humor ist ebenfalls bestens gesorgt, da der "Seagal"-Spruch sowie der "George W. Bush"-Spruch nur zwei von einer ganzen Hand voll von witzigen Dialogen sind, die sich quer durch den ganzen Film ziehen. Komische Momente wie die Koffer-Szene des Maulwurfs sind ebenso vorhanden. Somit ist auch stets für gute Stimmung gesorgt.
Da Hickox "Blast!" einen ziemlich edlen Look verpassen konnte, der an Michael Bay- oder Tony Scott-Qualitäten erinnern lässt, und die Action hier auch größtenteils stimmt, bekommt man mit dem Streifen einen unterhaltsamen B-Actioner der gehobeneren Sorte serviert. In Sachen Action kann man hier zwar nicht ganz mit "Submerged" mithalten, dafür sind die lokalen Charaktere (vor allem der Hauptdarsteller) sowie der Humor um einiges besser. Hätte nur noch ein etwas höherer Härtegrad, ein paar Martial Arts-Einlagen mehr seitens des Hauptdarstellers und das fehlen der "Kind rettet Adoptiv-Papi"-Szene gebraucht, dann wäre aus "Blast!" noch ein erstklassiger Actioner der B-Oberliga geworden.