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Anne Heche spielt eine Sekretärin, die 400.000 Dollar unterschlägt und in Richtung Kalifornien flüchtet. Unterwegs übernachtet sie in einem Motel, dessen Eigentümer, gespielt von Vince Vaughn, einen suspekten Eindruck erweckt und seine psychopathische Mutter pflegt. Sie wird im Motel unter der Dusche ermordet, woraufhin die Schwester der Toten, gespielt von Julianne Moore, einen Privatdetektiv, gespielt von William H. Macy, engagiert, der bei seiner Suche dann aber ebenfalls ermordet wird. Zusammen mit dem Freund ihrer Schwester, gespielt von Viggo Mortensen, macht sie sich nun selbst auf den Weg zum Motel, um ihre Schwester zu finden.

Dass Alfred Hitchcocks annähernd zeitloses Meisterwerk "Psycho" kaum überboten werden könnte, sollte den Machern des Remakes von Anfang an klar gewesen sein. Gus Van Sant versucht es nicht einmal, den Stoff neu zu interpretieren, neu zu verfilmen, teilweise nicht einmal, ihn in die heutige Zeit zu übertragen, er hält sich strickt an Hitchcocks Original. Dass ein Remake, das seinen Vorgänger einfach nur kopiert vollkommen überflüssig ist, steht infolge dessen außer Frage, dennoch hätte van Sants Werk, der zuvor mit "Good Will Hunting" eigentlich einen sehr guten Eindruck hinterlassen hatte, ein atmosphärischer Psycho-Thriller werden können, der sowohl Kenner als auch Nicht-Kenner des Originals solide Unterhaltung hätte bieten können, doch auch hierfür reicht es nicht.

Die Story ist dabei eher weniger ein Ärgernis. Sie ist beinahe exakt beim Vorgänger übernommen worden, so sind die Charaktere ähnlich wie bei Hitchcocks Film konstruiert und der Plot ebenfalls genau nach diesem gestrickt, woraus sich für Kenner des Originals natürlich eine hohe Kalkulierbarkeit ergibt. Kritisieren kann man diesen Schritt van Sants damit, dass sein Remake überflüssig ist, da keine neuen Aspekte vorhanden sind, aber den Vorwurf, dass er seine direkte Kopie nicht kompromisslos und konsequent durchsetzen würde, kann man ihm nicht machen.

Aus der Inszenierung kann man van Sant hingegen leider durchaus einen Vorwurf machen. Er versucht die ganze Zeit über, auch hier an Hitchcocks Meisterwerk anzuknüpfen, was ihm definitiv nicht gelingt. Wenn van Sant den Film in Farbe auf die Leinwand bringt, mit altbekannten Hollywood-Gesichtern, die man aus modernen Filmen kennt, besetzt und dann Hitchcocks Stilmittel von 1960 verwendet, wirkt dies über weite Strecken leider merkwürdig steril und nicht sonderlich furchteinflössend. Die Aufnahmen, etwa von Anne Heche, wie sie am Steuer des Wagens über ihre aktuelle Misere nachdenkt, die Duschszene, die übrigens bei van Sants Fassung wesentlich liebloser inszeniert wird, als beim Alt-Meister, die Ermordung des Privatdetektivs, all dies wirkt einfach nicht mehr authentisch und wenig beeindruckend, so nimmt das Geschehen kaum an Fahrt auf und unterhält leider nicht sonderlich gut. Zumindest die Konsequenz, den Film in schwarz-weiß zu drehen, hätte van Sant haben müssen, damit man seine Machart als Zuschauer ernst nehmen kann, so wirken manche Szenen beinahe schon ungewollt amüsant, aber dann hätte er auch einfach seinen Namen auf Hitchcocks Film drucken und ihn noch einmal in die Kinos bringen können, ohne etwas zu ändern. So ist die Atmosphäre trotz der Verwendung des hervorragenden, spannenden und furchteinflössenden Scores aus dem Original leider nur temporär atmosphärisch und spannend und bietet unterm Strich nicht mehr als gepflegte Langeweile.

Bis in die Nebenrollen ist der Cast von van Sants Werk namenhaft besetzt und die erfahrenen Charakterdarsteller William H. Macy und Philip Baker Hall leisten auch versierte, gekonnte Arbeit, genauso, wie Viggo Mortensen und Julianne Moore, die ebenfalls keinen Grund zur Beschwerde lassen. Vince Vaughn, der die Rolle des beinahe legendären Psychopathen Norman Bates sicherlich nicht schlecht spielt, die suspekte Art seiner Figur gelungen auf die Leinwand bringt und stellenweise durchaus etwas Angst verbreitet, aber in der abschließenden Szene bei Weitem nicht den bleibenden Eindruck eines Anthony Perkins hinterlassen kann, erreicht seinen Vorgänger so leider nicht. Ein noch größeres Ärgernis ist Anne Heche, die in der Opfer-Rolle, in der sie eigentlich die Sympathie des Zuschauers gewinnen sollte, leider enorm blass bleibt und damit wesentlich schwächer ist, als Janet Leigh im Vorgängerfilm.

Fazit:
Gus van Sant kreiert keinen eigenen Film, er kopiert stattdessen Hitchcocks Werk. Die Story ist damit für Kenner des Originals bis ins kleinste Detail kalkulierbar und die Inszenierung ist, mit der Mischung aus modernen filmischen Mitteln und denen, die Hitchcock verwendete, leider überaus schwach und sehr unausgewogen, womit der Film keinen sonderlich hohen Unterhaltungswert liefert. Immerhin überzeugt der Cast mit seinen guten Nebendarstellern, auch wenn weder Vaughn, noch Heche besser als ihre beiden Vorgänger spielen. Damit ist der Film vollkommen überflüssig und nicht zu empfehlen.

38%

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