Review

Ginger Snaps Back – The Beginning (mit anderen Worten: Ginger Snaps 3) ist ein Prequel, das mehr als 100 Jahre vor dem ersten Teil im Wilden Westen spielt. Doch wer jetzt an herumjohlende Cowboys auf Pferden, wilde Schießereien und Saloons voller Whiskey denkt, irrt sich. Das Szenario ist ein abgelegenes Fort im tiefsten Winter, in dem sich ein Dutzend Menschen mehr oder weniger verschanzt haben, weil es im umgebenden Wald ein gewisses „Werwolfproblem“ gibt. Bridget und Ginger, die bei frostigem Wetter im Wald herumirren, gelangen dem Tode nahe ins Fort. Doch auch drinnen sind sie nicht sicher vor den garstigen Kreaturen...

Erstmal vorweg: Ginger Snaps 3 ist wirklich kein schlechter Film. Und die Idee, ein Prequel zu einem Horrorfilm im Wilden Westen spielen zu lassen, ist zwar nicht neu (siehe z.B. From Dusk Till Dawn 3 und Tremors 4), aber man hat schon schlimmere Ausgangssituationen für Prequels gesehen. Aber wo zum Teufel bleibt der Bezug zur Reihe? Ginger und Bridget können ja nicht einfach so im Jahre Achtzehnhundertirgendwas in der Gegend umherlaufen. Handelt sich es etwa andere Gingers und Bridgets, sozusagen um Vorgängerinnen aus der Vergangenheit? Denn die gleichen wie in den anderen beiden Filmen können es ja nicht sein, außer sie sind in der Zeit zurückgereist...
Also, wenn man schon den Film aus Kommerzgründen mit den gleichen Hauptdarstellerinnen macht, ist es ja nun wirklich nicht zuviel verlangt, dass eine Erklärung für das Erscheinen der beiden in der Vergangenheit mitgeliefert wird. Insofern kann man den Film fast unbeschwerter genießen, wenn man die ersten beiden Teile nicht gesehen hat.

Von diesem extrem groben Schnitzer, der gleich in der Ausgangssituation liegt, abgesehen, ist Ginger Snaps 3 ein ordentlicher, altmodischer Horrorfilm geworden und hebt sich von der Machart her deutlich von seinen beiden Vorgängerfilmen ab. Kein Teenie-Drama oder Leidensweg auf dem Wege zur Verwandlung zum Werwolf, sondern eine klassische Belagerungssituation (draußen die Monster, drinnen die Menschen). Wie bei dieser Art Filmen seit Romeros Night of the Living Dead üblich, brechen im Verlaufe der Handlung innerhalb der eingeschlossenen Personen bzw. Personengruppen Konflikte aus. Überwiegend in Brauntönen gehalten (die sich aus der Kulisse des Holz-Forts und der Kerzenbeleuchtung ergeben), ist Ginger Snaps 3 schön fotografiert. Im Gegensatz zu Teil 2 darf Ginger-Darstellerin Katharine Isabelle wieder eine der Hauptrollen übernehmen. Dort hatte sie ja nur eine Alibi-Funktion. Zwar erleidet der Zuschauer nicht gerade Herzattacken vor schierer Spannung, aber gerade die altmodische Inszenierung, die sich von vielen modernen Horrorfilmen angenehm unterscheidet, hat ihren Reiz. Ein bisschen mehr Werwölfe, die wie in Teil 2 KNB-Kreationen sind, hätten trotzdem gerne vorkommen dürfen, und das Tempo hätte auch noch höher sein können (wie z.B. in Dog Soldiers).

Insgesamt ist es ein bisschen schade, dass man Ginger und Bridget einfach so ohne Erklärung ins 19. Jahrhundert verfrachtet hat. Wenn man sich an dieser Tatsache aber nicht weiter stört (und für die eigentliche Handlung des Films hat sie eigentlich keine Bedeutung), dann bekommt man einen netten, kleinen, optisch gelungenen Horrorfilm zu sehen, der sich deutlich von den beiden anderen Teilen unterscheidet und stattdessen fast an alte Hammer-Filme erinnert. Jetzt wäre ein dennoch guter Zeitpunkt, diese Reihe zu beenden, solange sie qualitativ noch im grünen Bereich ist. Wohin es führt, wenn eine „Horror-Kuh“ immer weiter gemolken wird, sieht man ja in der Hellraiser-Reihe, die qualitativ nach Teil 2 mit jedem weiteren Teil enorm abgebaut hat. 6/10

Details
Ähnliche Filme