Nach dem überragenden ersten Teil aus dem Jahr 2000 war es nur eine Frage der Zeit bis ein 2. Teil entstehen würde, das sich die Produzenten aber nicht nur dazu entschließen würden ein Sequel zu drehen, das nebenbei bemerkt hervorragend geworden ist, sondern auch noch ein Prequel drehen würde, war dann doch überraschend. Gedreht wurden die beiden Filme back-to-back Im Herbst/Winter 2003 in Kanada. Teil 3, der den bezeichnenden Titel "Ginger Snaps back" trägt ist dabei aber kein Prequel im eigentlichen Sinne.
Man muss sich eines klar machen, wenn man sich diesen Film ansieht, man wird nichts erfahren was die beiden zeitlich nach ihm spielenden Filme betrifft. Viel mehr ist dieser Film ein absolut eigenständiger Film, der einzig zwei Gemeinsamkeiten mit den beiden anderen besitzt, die da wären: Die Hauptdarstellerinnen Katherine Isabelle und Emily Perkins in ihren angestammten Rollen als Ginger und Brigitte und eben Werwölfe.
Der Film spielt im 19.Jahrhundert, eine genaue Jahreszahl erfährt man nicht. Die beiden Schwestern Ginger und Brigitte irren durch die verschneiten Wälder Kanadas, als sie auf einen Indianer treffen, der sie zu einem Fort bringt, das von Frankokanadischen Bewohnern, äh, bewohnt wird. Wie nicht anders zu erwarten wird das Fort seit geraumer Zeit von Werwölfen attackiert und die Männer die noch am Leben sind warten verzweifelt auf die Ankunft eines Versorgungstrupps, der aber bereits mehrere Wochen überfällig ist. Bereits in der ersten Nacht im Fort wird Ginger von einer entstellten Kreatur gebissen.
Im weiteren Verlauf erzählt der Film, mit einigen nicht unwichtigen Änderungen, mehr oder weniger die selbe Geschichte wie es schon der erste Teiltat. Ginger und Brigitte versuchen Gingers Verwandlung zu verbergen, während das Fort immer mehr im Chaos zu versinken droht. Streitereien unter den Männern, die Angriffe der Wölfe und immer mehr Tote sorgen für eine bedrohliche Stimmung.
Anders als noch im ersten Film versucht Brigitte hier aber nicht ihre Schwester zu retten, sondern hilft ihr immer wieder. Dabei erweist sich immer mehr das die beiden auf sich gestellt sind, auch wenn es zunächst den Anschein hat, das ein Indianer ihnen helfen könnte.
Die Handlung ist sicherlich die am wenigsten originelle der 3 Filme, kann aber zumindest immer wieder mit einigen Überraschungen aufwarten und bietet letztlich auch noch einige Wendungen, die zwar nicht neu aber passend sind. Punkten kann der Film hingegen ganz klar in anderen Bereichen. Auch hier ist das Budget ähnlich wie in Teil2, geringer als das schon knapp bemessene aus Teil1, und trotzdem hat man mit dem Fort eine großartige, teilweise atemberaubend in Szene gesetzte Kulisse geschaffen, die mit den schneebedeckten, dichten Wäldern ein übriges zur gelungenen Atmosphäre beiträgt. Auch die Kostüme wurden schön gestaltet und alles wirkt etwas wie die billige Variante eines guten alten Hammer Films. Wobei billig hier nicht negativ gemeint ist, denn was aus dem geringen Budget gemacht wurde ist absolut überwältigend.
Ebenfalls eine gute Idee war es, diesen Film weniger in Richtung reinen Horror anzusiedeln, sondern ihm etliche Actionelemente zuzuführen. So gibt es hier dann auch die ersten Massen-Werwolf Szenen innerhalb der Reihe und es gehen etliche Werwölfe wie auch Menschen bei den Kämpfen recht blutig zu Grunde. Die Werwolfeffekte sind dabei leider wieder etwas schwächer als im 2. Teil, aber wirken immer noch besser als im Urfilm der Reihe. Dafür machen sie eben durch vermehrtes Auftreten einiges an Atmosphäre gut. Auch der halbverwandelte Junge des Anführers der Bewohner wirkt sehr gut und kann ebenso wie die am Ende leicht verwandelte Katherine Isabelle auf Seiten der Maskendesigner Punkten. Die Gore Effekte wurden etwas zurückgeschraubt (wobei ja auch Teil 1 und 2 keine Splattergranaten waren), was aber zur ehr Actionlastigen Stimmung passt. Trotzdem gibt es noch genug atmosphärisch düstere Sequenzen, die sich aber zumeist auf Visionen und Flashbacks beschränken. Dafür gibt es am Ende eine der wohl stylischsten Szenen der Reihe wenn ( die trotz eingesetzter Verwandlung optisch immer noch sehr sehr ansprechende) Ginger das Haupttor öffnet und die Wölfe in das Fort einbrechen.
Erfreulich auch das man hier wieder beide Hauptdarstellerinnen in gleichberechtigten Rollen sehen kann, denn die Chemie zwischen beiden passt einfach und so gibt es hier dann auch wieder vermehrt nett fiese One-liner und auch der morbide Humor ist etwas mehr vertreten als noch in "Ginger Snaps 2:Unleashed". Katherine Isabelle sieht wie immer absolut atemberaubend aus und kann auch schauspielerisch überzeugen, auch wenn sie hier einfach eindeutig hinter der wieder überragenden Emily Perkins zurückstecken muss. Die spielt wieder gekonnt die Rolle zwischen aufopferungsvoller Schwester und zu allem entschlossener Beschützerin. Ebenfalls eine Bereicherung ist Nathaniel Arcand als schlicht "The Hunter" bezeichneter Indianer, der nicht nur den Großteil der Actionszenen für sich beanspruchen kann sondern auch reichlich cool daherkommt. Überhaupt gibt es hier einiges an durchaus gut ausgewählten Charakteren, die der Story die nötige Würze geben. Egal ob nun der alles andere als freundliche Priester, der hilfsbereite Arzt oder der Dorfführer der ein dunkles Geheimnis mit sich trägt, sie alle sorgen dafür das der Film auch in einigen wenigen eher schwachen Passagen nicht langweilig wird und man sich sicher sein kann, das einem noch einiges bevor steht.
Sicherlich kann man sich Fragen in wieweit ein Prequel sinnvoll ist, das außer den genannten Dingen keinerlei Bezug zu den beiden anderen Filmen hat, aber wenn man den Film gesehen hat, muss man einfach anerkennen das die sicherlich nicht neue Story auch beim dritten mal sehr gut funktioniert und es ein durchaus geglückter Schachzug war, das ganze zeitlich komplett von den anderen Filmen abzusetzen, hat man so doch die Gelegenheit etwas neues eigenständiges zu produzieren. Die Atmosphäre stimmt, die Action und Horrorelemente sind geschickt abgewogen und passen gut zusammen und die beiden Hauptdarstellerinnen sind nach wie vor die Idealbesetzungen für die leicht verschrobenen, düsteren Außenseiter Parts. Sicherlich wird dieser Film nicht jedermanns Geschmack treffen, sei es nun wegen dem geringen Kunstblutanteil, den Szenen in denen Indianische Mythologie eine Rolle spielt oder eben auch wegen der nicht neuen Story, aber Fans der ersten beiden Filme werden auch hier bestens unterhalten und dürfen den handwerklich absolut gelungenen Dritten Teil der Reihe ohne Zögern in die Sammlung aufnehmen. Mir hat er gefallen und ich hätte um ehrlich zu sein auch nichts gegen weitere Filme mit den beiden düsteren Schwestern, zumindest wenn sie Qualitativ auf dem Level von Teil2 und Teil3 bleiben würden, Teil1 dürfte da wohl unerreicht bleiben. 7 von 10 Punkten.