Nachdem Ginger im ersten Teil getötet wurde, wandelt die infizierte Bridgette unbeholfen durch ihr Leben. Vollkommen alleingelassen, erwischt sie eines Tages eine Überdosis Wolfshut, das ihre Mutation zum Werwolf aufhält. Der Bibliothekar weist sie in eine Entzugsklinik ein, wo sie die leicht seltsame, junge und intelligente Ghost kennenlernt. Doch draussen wartet noch ein richtiger Werwolf, der es auf Bridgette abgesehen hat. Ghost und Bridgette können aus dem Entzug entkommen und flüchten in Ghosts Familienhaus, wo sie sich vor dem Werwolf schützen.
Die Fortsetzung des genialen Originals, der klischeefrei auf modernste Art Mädchenfilm, Teeniefilm und Werwolffilm verband und durch seine direkte und konsequente Inszenierung als schwer verdauliches Drama mit Parallelen zur Veränderung im Leben, hier die erste Menstruation anspielte, führt diese Thematik weiter fort. Das gruselige Mädchendrama der ungleichaltrigen, leicht aussenseitrigen Schwester, mit dem Hang zu mordbiden Dingen war in seiner Intensität sicher der intelligenteste Beitrag des Horrorkinos der letzten Zeit und konnte vor allem mit den Bezug zu seinen beiden Charakteren trumpfen, die sich, obwohl ihrer Verbundenheit und Treue immer mehr voneinander entfernten. Der Grund hierfür war die Veränderung in Gingers Leben, da sie in den Tagen ihrer ersten Menstruation stand, und sich Körper, Empfinden und Verhalten gründlich verändern. Die böse, trennende Veränderung personifiziert durch den Werwolf, in den sie sich verwandelt, und der Biss des Werwolfs an ihr, der Schalter in ihr, sich dem anderen Geschlecht gegenüber interessant zu machen. Der Werwolf an sich die Personifizierung des anderen Bösen, das andere Geschlecht, das gleichermaßen den Keil zwischen Bridgette und Ginger brachte. All dies verkörperte und stellte Ginger Snaps auf eindringliche Art dar, die Atmosphäre war dabei immer grossartig und auch wenn die Effekte und Masken der Werwölfe öfters billig waren, war der Film ein Film, der begeisterte.
Den gleichen Weg geht zum Glück die Fortsetzung auch, denn hierbei fixiert man sich gradezu auf die Veränderung in Bridgettes Leben, die in ihrem Schauspiel und in ihrer Darstellung fokussiert wird. Als niedergeschlagenes, morbides, bösedreinschauendes Düsterweib spielt sie ihre Rolle allzu perfekt, ihre momentane Stellung ist quasi der Umschwung, den ihre ältere Schwester im Erstling durchmachte. Innovativ dabei, wie ihre tote Schwester ihr öfters in Visionen erscheint und dabei recht zynisch ihr Verhalten verhöhnt, da sie ihre Veränderung strikt aufhalten möchte und sich selbst so foltert. Die Charakteristik des Films ist in allen Teilen durchweg durchdacht, denn Mechanik der tiefsten Aussagen steckt in ihrem Leben darin. Die Leiterin des Entzugs, früher ebenfalls Drogenabhängig, als scheinbar wissende Frau, die Bridgette helfen kann, da der bestechende, junge Doktor, der gegen Sex Drogen verteilt, und die recht seltsame, eigenwillige Ghost, die sich als Aussenseiterin insofern als Gegenüberstellung aber auch Partnerin an Bridgettes Seite entwickelt. Die Entwicklung dabei ist die untypische Symphatie der beiden, denn Ghost sieht in Bridgette bald die nie dagewesene Schwester, der sie sich anvertrauen möchte und hilft. Bridgette hingegen, empfindet Ghost als kleines, nerviges Kind mit dem Hang zu Aufmerksamkeitsdefiziten. Das Alles wirkt wunderbar symphatisch, vorallem zeigt es die gewollte Ausrichtung des Filmes und ist eigentlich eine Gegenüberstellung an den ersten Teil. Die Geschwistergeschichte wird insofern weitergeführt und verschärft, was auch so das äusserst packende Finale beweist. Vieles dabei mag unschlüssig erscheinen, aber das ganze packt einen dabei schon an den Eiern und ist so auch richtig gefallend.
Werwolfattacken sind hierbei abermals selten anzusehen, trotzdem ist der Film stellenweise sehr hart, nicht aufgrund gewisser ausufernder Goreattacken, aber Bridgette in ihrer Darstellung ist eindringlich ohne Ende und passt sich mit ihrer elendigen Erscheinung dem schmuddeligen und dreckigen Charme des Filmes an. Eine Dominanz dieses Charakters, der durch die niedliche, aber ebenso beängstigende Ghost perfektioniert wird. Die Regie beweist öfters mal ein paar recht durchdringende Einstellungen, ohnehin sind die Kulissen und Locations perfekt, der Locationwechsel zum Landhaus, mitten im verschneiten Wald, die perfekte Änderung.
Fazit:
Ginger Snaps 2, eine Parabel auf die Wandelung während der Pubertät, personifiziert mit dem Bösen, dem Werwolfs. Immer eindringlich, charmant schmuddelig und mit 2 klasse Schauspielern versehen, die den ganzen Charme untermauern. Selten war Horror so klischeebefreit, so eigen, so intelligent und kühl.
88%