Sie ist wohl eine der bekanntesten Geschichten überhaupt, die Geschichte von Peter Pan, dem Jungen der niemals erwachsen werden wollte und somit vor dem Erwachsenwerden in das zauberhafte Nimmerland geflohen ist und dort mit seinen "Verlorenen Jungs" dem Piratenkapitän Hook trotzt. Es gibt bis heute eine Vielzahl an Verfilmungen dieses klassischen Literaturstoffes, die bekanntesten dürften dabei sicher Disneys Zeichentrickversion und Steven Spielbergs vor Stars nur so strotzender Film "Hook" sein.
Die Frage ist also, braucht es da wirklich noch eine weitere Verfilmung? Und die Antwort, um das vorweg zunehmen, lautet im Falle von P.J. Hogans Film, ganz klar: JA!
P.J. Hogan erzählt die Geschichte in guten 100 Minuten voller Fantasie und hält sich dabei penibel an die Romanvorlage. Angefangen vom Bernhardiner der Familie Darling, der als Kindermädchen für die Kinder Wendy (Rachel Hurd-Wood), Michael (Freddie Popplewell) und John (Harry Newell) fungiert, über den Anfangs eher kalt wirkenden Vater (Jason Isaacs) bis hin zur alles andere als lieben Elfe Glöckchen (genial Ludivine Sagnier). Dazu kommt , das P.J. Hogan die Möglichkeiten der Hollywood Effektschmieden ILM und Digital Domain, in voller Pracht ausschöpft und somit zum ersten mal das Nimmerland wirklich aussieht wie eine gigantische Fantsiewelt, in der alles möglich scheint. Die Effekte passen sich perfekt in die klar im Vordergrund stehende Geschichte ein und sorgen für eindrucksvolle Bilder, die nicht nur Kinder begeistern dürften. Überhaupt ist Hogans Film keineswegs nur auf die Zielgruppe der Kinder ausgerichtet, was sich nicht nur in der teilweise erfreulich düsteren Optik und Härte zeigt, sondern auch in der Tiefe der Geschichte. Um so trauriger, das der Film in Deutschland für die Kinos über 6 Minuten lassen musste, um für ihn eine Familienfreundliche FSK6 Freigabe zu erhalten. Davon sollte man sich, trotz deutlich sichtbarer Schnitte aber nicht abschrecken lassen, denn ihre volle Wirkung entfalten die großartigen Bilder, die Kameramann Donald McAlpine, der auch schon Bazz Luhrmans Filme veredelte, eingefangen hat, nur im Kino.
Anders als in Spielbergs "Hook" ist Hogans Film ungleich düsterer gehalten. Sowohl in der Story, als auch in den Bildern. Insbesondere die Szenen in der Schwarzen Burg sind fantastisch anzusehen. Auch die Rolle der Fee Glöckchen, die hier in herrlich übertriebener Art von der Französin Ludivine Sagnier (Swimming Pool, 8 Frauen) gespielt wird, ist alles andere als durchweg gut, wie sie uns noch von Julia Roberst Darstellung in Hook bekannt ist. Getrieben von Eifersucht auf Wendy, die in Peter Gefühle weckt verbündet sie sich mit Hook und ist doch bereit sich schließlich für Peter zu opfern, der sie aber mit der Macht der Fantasie wieder erweckt. Es sind Szenen wie diese, die den Film ausmachen, da sie zeigen, das zum einen die Schauspieler in ihren Rollen großartig besetzt wurden und den Zuschauer mitreißen können und zum anderen P.J. Hogan den Film nicht als pures Effektkino sieht, sondern vielmehr zu aller erst eine Geschichte erzählt.
Einen besonderen Coup konnte er mit der Besetzung von Charakterdarsteller Jason Isaacs landen, der in seiner Doppelrolle als Vater Darling, und nicht wiederzuerkennen, Captain Hook perfekt besetzt ist. Zumal durch diese Doppelbesetzung der Auflehnung gegen das Erwachsensein in der Geschichte eine tiefere Bedeutung beikommt.
Ebenso erstaunlich ist es, das zum ersten mal in einem Peter Pan Film die Rolle des Peter Pan mit einem Jungen besetzt wurde. Auch hier kann man Hogan nur zu seiner Wahl gratulieren, hat er doch mit dem 14 jährigen Jeremy Sumpter (Frailty) einen Schauspieler gefunden, der Pan auch die nötige Arroganz und Aufsässigkeit verleihen kann. Rachel Hurd-Wood als Wendy steht ihm in nichts nach und kann ebenso wie der Rest der Kinderdarsteller überzeugen.
"Peter Pan" ist durchweg gelungener Film, der eindeutig nicht als Kinderfilm konzipiert wurde, sondern als Film für jedes Alter und diesem Anspruch auch gerecht wird, denn hier dürfte wirklich für jeden etwas dabei sein. Egal ob nun die großartige Atmosphäre, die Darstellerleistungen, die Kampfszenen, die Effekte oder die Geschichte an sich. Und allen die sich durch die Schnitte abgeschreckt fühlen, kann ich nur raten sich den Film spätestens auf DVD anzusehen, denn es ist eindeutig eine der besten Verfilmungen der Geschichte des Jungen der nicht erwachsen werden wollte. 8 von 10 Punkten.