Die Rückkehr des Königs ist der opulenteste und bildgewaltigste, aber gleichzeitig auch schwächste Teil der Trilogie. Vor allem dramaturgisch leistet sich Peter Jackson einige gravierende Schnitzer, so dass die enorme Spieldauer von über drei Stunden (bzw. fast viereinhalb Stunden in der BD-Extended-Edition) zeitweise eher ermüdet als überwältigt. Gleichzeitig bleibt die „Die Rückkehr des König" mit seiner entschleunigten Erzählweise, der unglaubliches Detailversessenheit sowie seinem Mut zu Pathos und übergroßen Gesten innerhalb des amerikanischen Blockbusterkinos einzigartig und im Rahmen der Gesamttrilogie absolut sehenswert.
Nachdem Saruman (Christopher Lee) vernichtend geschlagen wurde, lässt Gandalf (Ian McKellen) Sauron durch eine List glauben, der Ring der Macht befände sich in der Menschenstadt Minas Tirith. Die restlichen freien Völker Mittelerdes scharen derweil Verbündete um sich, um Saurons gewaltigen Truppenaufmarsch etwas entgegenzusetzen. Dabei wird Aragorn (Viggo Mortensen) als legitimer Thronfolger des Königreichs Gondor eine entscheidende Rolle zuteil. Gleichzeitig kommen Frodo (Eljiah Wood) und Sam (Sean Astin) ihrem Ziel immer näher, den Ring der Macht in den Feuern des Schicksalsberg zu vernichten. Doch der intrigante Gollum (Andy Serkins) treibt einen verhängnisvollen Keil zwischen die beiden Freunde, um selbst in den Besitz seines Schatzes zu gelangen.
Weihnachten 2003 - Mit „Die Gefährten" (2001) und „Die zwei Türme (2002) hatte Peter Jackson bereits neue künstlerische und kommerzielle Marksteine im Fantasy- und Blockbusterkino gesetzt. Die Erwartungshaltung von Fans und Kritiker waren immens - Schließlich galt es nicht nur, die Tolkien-Trilogie zu einem würdigen Abschluss zu bringen, sondern noch einmal alles Vorherige in Punkto Dramatik und Spektakel in den Schatten zu stellen. Der anschließende Oscarsegen (11 Auszeichnungen 2004, unter anderem in den Schlüsselkategorien „bester Film", „beste Regie", bestes adaptiertes Drehbuch", „beste Filmmusik") wurden sicherlich stellvertretend für die gesamte Trilogie verliehen, denn „Die Rückkehr des Königs" kann die Erwartungshaltung lediglich in Punkto Spektakel uneingeschränkt erfüllen.
Es scheppert und kracht an allen Ecken und Enden Mittelerdes. Regisseur Peter Jackson („Braindead", „King Kong") lässt gigantische Heere aufeinanderkrachen und auch auch wenn die vorangegangene Schlacht um Helms Klamm aus „Die zwei Türme" (2002) in Punkto Inszenierung noch etwas dreckiger und intensiver in Erinnerung bleibt, wirkt sie im Vergleich zum finalen Krieg um Mittelerde lächerlich klein. Hier wird eine ganze Stadt zusammengeschossen, deren Bewohner dem übermächtigen Feind in ihrer Verzweifelung ihre eigenen Trümmer entgegenschleudern. Dicke Trolle schlagen Kriegstrommeln und laden Katapulte, Ringgeister auf Drachenwesen pflügen durch die Gegnermassen und mächtige Reiterheere prallen auf noch mächtigere Kriegselefanten. Darum stricken Jackson und seine Drehbuchautorinnen Fran Walsh und Phillipa Boyens entlang der Buchvorlage ein Netz aus politischen Verwerfungen und fragilen Bündnissen, die den erfolgreichen Ausgang der Schlacht zwischenzeitlich mehr als ungewiss erscheinen lassen. Auf der emotionalen Ebene geht es in Minas Tirith um Schuldgefühle (Pippin), den Wunsch nach väterlicher Anerkennung (Faramir) bzw. fehlgeleiteter Vaterliebe (Denethor).
Der emotionale Schwerpunkt liegt allerdings auf der Beziehung zwischen Frodo und Sam, die mit weiterem Fortschritt der Geschichte um die Themen Freundschaft, Verrat, Vergebung und Opferbereitschaft kreist. Nachdem Gollum in „Die zwei Türme" nicht nur durch eine perfekte Tricktechnik, sondern auch durch seine komplexe Charakterzeichnung und ein geniales Szenendesign allen realen Darstellern weitestgehend die Show gestohlen hatte, wird er in Teil 3 leider zu einem recht eindimensionalen Bösewicht degradiert. Leider funktioniert der Erzählstrang um Frodo, Sam und Gollum bei weitem nicht so gut, wie die Schlacht um Minas Tirith. Dabei bleibt es verzeihlich, dass die kammerspielartigen Szenen um den beschwerlichen Marsch der beiden Hobbits zum Schicksalsberg teilweise an Theatralik kaum zu überbieten sind. Weitaus ärgerlicher ist, dass sich schon bald inhaltliche Redundanz einstellt. Sam misstraut Gollum, Frodo fühlt sich Gollum verbunden, Gollum will den Ring - in endlosen Wiederholungen wird dem Zuschauer immer und immer wieder diese Figurenkonstellation vorgebetet, die eigentlich schon im zweiten Teil hinreichend etabliert worden ist. So wünscht man sich als Zuschauer, eigentlich immer ins bedrohte Minas Tirith zurück. Aber genau das geschieht aber mit fortschreitender Zieldauer immer weniger.
Zudem ist Teil 3 dramaturgisch etwas unglücklich konzipiert. Und damit sind noch nicht einmal die häufig kritisierten sechseinhalb Enden am Schluss gemeint. Zum einen wäre da der Nebenhandlungsstrang um die Rekrutierung der untoten und damit unverwundbaren Eidbrecher durch Aragorn, die der finalen Schlacht um Minas Tirith einiges an Spannung raubt (und deshalb in der Kino konsequent ausgespart wurde). Dazu kommen einige zeitlichen und logische Unstimmigkeiten innerhalb der Ereignisse (Stichwort: Frodos Mithril-Hemd) Weitaus schwerer wiegt allerdings die ungeschickte Dramaturgie des gesamten Films: Die suggeriert glaubhaft und nachvollziehbar innerhalb der ersten zwei Stunden, dass sich die Handlung in der Schlacht um Minas Tirith kumulieren wird. Als Zuschauer stellt man sich entsprechend darauf emotional ein und wird schließlich mit einem gigantischen Spektakel belohnt. Doch diese vermeindliche Klimax entpuppt sich infolgedessen lediglich als vollkommen überzogener Akthöhepunkt, als eine weitere Schlacht unter vielen. Für den Zuschauer hat das den unangenehmen Nebeneffekt, dass er nach Minas Tirith weitestgehend abschaltet, während der Film (zumindest in der Extended-Fassung) anschließend noch geschlagene neunzig Minuten -also in Spielfilmlänge- weiterläuft. Diese Fehlkonstruktion bleibt schon deshalb unverständlich, weil sich Jackson und sein Team auch ansonsten eine angemessene Freiheit im Umgang
mit der Originalvorlage herausgenommen haben. Stattdessen darf man weitesgehend unnötigen Episoden um eine Schlägerei im Ork-Turm beiwohmen gefolgt von ca. 20 Frodo-Schwächeanfälle, trotzigen Beistandbekundungen vom treuen Sam und enervierenden Gollum-Gollum-Gollum Wiederbelebungen. Kurz: Was bis dahin zumindest erträglich gewesen ist, überschreitet an diesem Punkt ein ums andere Mal den Punkt zur unfreiwilligen Komik. Es bildet das Äquivalent zu dem langgezogenen Baumbart-Part aus Teil 2.
Fairerhalber sei gesagt, dass in Punkto Inszenierung und technischer Perfektion Jackson die Zügel auch beim dritten Teil souverän in den Händen hält. Das mag sekundär klingen, tatsächlich trägt die technische Perfektion und die unbändige Detailversessenheit, mit der er die Welt Mittelerdes auferstehen lässt, maßgeblich zur Qualität der Filme bei. Auch erzählerisch findet Jackson zu jenem angenehm entschleunigten Rhythmus zurück, der schon die Vorgänger zu einem besonderen Erlebnis gemacht hat. Jackson erzählt seine Geschichte immer wieder über die Gesichter, die er teilweise gefühlt minutenlang zeigt, ohne das Dialog das Schauspiel unterbricht. Dabei kann er sich auf seinen eingespielten Cast verlassen, dem zwar die ganz großen Darsteller fehlen, der aber durch die Bank sehr überzeugend agieren. Daneben bleibt es natürlich dem Zuschauer überlassen, wie witzig sie das Geplänkel zwischen Gimli und Legolas oder die Späße von Merri und Pippin finden.
„Die Rückkehr des Königs" bleibt bei allen Schwachpunkten ein weitestgehend gelungener und vor allem spektakulärer Abschluss der Herr-der-Ringe-Trilogie. Trotzdem scheint Peter Jackson mit dem Endergebnis nicht gänzlich zufrieden gewesen zu sein. So versprach er jüngst im Gespräch mit Spiegel Online in Bezug auf die kommende Verfilmung von „Der kleine Hobbit" weniger Politik und Drama und mehr Abenteuer. Diese Stärken die beispielsweise „Die Gefährten" (2001) so herausragend gemacht haben, gehen „Die Rückkehr des Königs" leider ein wenig ab.
Daran werde ich mich erinnern: Denethor isst Tomaten, während sein ungeliebter Sohn Faramir einen sinnlosen Sturmangriff aufs besetzte Osgiliath ausführen muss.
UND
Die Leuchtfeuer von Minas Tirith werden entzündet und wandern über Mittelerde.