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Das ehrgeizigste Projekt der Filmgeschichte ist mit „Die Rückkehr des Königs“ vorüber und damit eine Trilogie für die Ewigkeit geschaffen. Nachdem Jackson mit „Die Gefährten“ weltweit für ungläubiges Staunen und Begeisterungsstürme sorgte, ein Jahr später mit „Die zwei Türme“ zumindest in der Kinofassung nicht ganz die perfekt ausbalancierte Dramaturgie des Erstlings erreichte, legte er mit Teil 3 wieder bombastisches Fantasy-Kino vom Feinsten hin, das alles hat, was sich Fans der Bücher oder Filmfans wünschen können.
Vorab muss ich erwähnen, das der dritte Teil der einzige ist, bei dem ich ohne Vorkenntnis des Buches ins Kino ging, über diverse Freiheiten Jacksons kann ich also nur bedingt urteilen.

Wie schon in „Die Gefährten“ steigt Jackson mit einem stimmungsvollen Prolog ein, der die Inbesitznahme Gollums durch den Ring erklärt, anschließend zerfällt der Film in drei parallel verlaufende Plots, die viel besser verknüpft wurden als beim Vorgänger und deshalb nicht so abgehackt wirken. Als größter Feind Jacksons erwies sich dabei erwartungsgemäß die Vielschichtigkeit des Buches, welche man in 200 Minuten unmöglich detailgetreu wiedergeben kann, sodass es im Verlauf doch zu kleineren Ungereimtheiten kommt, beispielsweise wird in der Kinofassung nicht klar, wie der Palantir ins Wasser kommt oder wieso Théoden plötzlich dem Wahnsinn verfallen ist. Alles Dinge, welche die Extended Edition mit Sicherheit ausbügeln wird.

Längen gibt es kaum, der Film ist fast ein einziger, langgezogener Höhepunkt, wenn man mal von der etwas schleppenden Mobilisierung des Heeres von Rohan absieht, der einzige dramaturgische Kritikpunkt. Als Nichtkenner des Buches sorgt vor allem das atmosphärisch unglaublich düstere und pessimistische Finale in Mordor für nasse Hände und darf als eine der herausragenden Sequenzen der Trilogie gelten, die in der Langfassung noch eindrucksvoller sein wird, weil das ganz offensichtlich unter enormen Zeitdruck geschnitten wurde. So wirkt das Verweilen auf den Treppen von Minas Morgul im Vergleich etwas zu sehr in die Länge gezogen, ebenso wie das plötzliche Auftauchen Gollums vor dem Schicksalsberg etwas dubios daherkommt.

Filmgeschichte schreiben wird zweifellos der Angriff auf Minas Tirith, optisch schon auf den ersten Blick eine Wucht, was jedoch bei der folgenden Schlacht visuell geboten wird, stellt jede bisher noch so beste CGI-Arbeit in den Schatten. Ein Fest für Augen und Ohren, welches fast eine Stunde lang andauert. Daran wird man sich noch lange erinnern, ebenso wie an den folgenden, aussichtslosen Kampf vor den Toren Mordors und an den Showdown im Schicksalsberg, wo die ganze Last des Ringes auf Frodo klar wird. Der Sturz Gollums in die glühend heißen Lava-Abgründe dürfte ebenso in die Analen eingehen wie das Niederknien vor den Hobbits in Minas Tirith, eine Szene mit Gänsehaut-Garantie.

Für den Epilog nimmt sich Jackson erstaunlich viel Zeit, obwohl er die Befreiung des Auenlandes ganz weg lässt. Dabei drückt er arg auf die Tränendrüse, was an manchen Stellen etwas lächerlich rüberkommt (Aufwachen Frodos), aber insgesamt gelang ihm ein zutiefst bewegender und trauriger Schluss, den man allerdings gar nicht wahrhaben will. Zumindest habe ich es noch nie erlebt, dass sich ein prall gefüllter Kinosaal den kompletten Abspann anschaut.

Dass die schauspielerischen Leistungen wie schon in den Vorgängern ebenso hervorragend sind wie die Filmmusik Howard Shores, und dass sich bei „Die Rückkehr des Königs“ um den mit Lichtjahren Abstand besten Film des Jahres 2003 handelt, brauche ich fast gar nicht mehr zu erwähnen. Rückblickend kann gesagt werden, dass Peter Jackson aus einem als unverfilmbar geltenden Stoff drei Klassiker für die Ewigkeit geschaffen hat, von denen der Mittelteil leider etwas abfällt, der Rest jedoch beinahe frei von Makel ist. Astreine Meilensteine des Fantasy-Kinos also, von denen ich Jahre später mit Stolz behaupten kann, dabei gewesen zu sein.
„Die Rückkehr des Königs“ ist ein mehr als würdiger Abschluss, ob es für die Höchstwertung reicht, entscheidet ein möglicher zweiter Kinobesuch (der fast nötig ist, denn beim ersten Mal wird man gnadenlos erdrückt) und die Langfassung.

Ich knie vor Ihnen nieder, Mr. Jackson!

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