Mit Ehrfurcht verließ ich den Kinosaal schon in den vergangenen beiden Jahren und daran hat sich auch nach „Die Rückkehr des Königs“ nichts geändert. Viel mehr bin ich mir nun absolut sicher den letzten Teil einer bemerkenswerten Geschichte, verfilmt von einem bemerkenswerten Regisseur, gesehen zu haben.
Es ist schier unglaublich was Peter Jackson, der ja auch Filme wie Braindead und Bad Taste auf dem Buckel hat, hier geschaffen hat. Mit Liebe zum Detail, einer unheimlich inspirierenden Romanvorlage und tollen Darstellern drehte er die wohl beeindruckenste Filmtrilogie der Geschichte. In einer Zeit, in der sich Hollywood mit sinnlosen Fortsetzungen und Remakes alter Klassiker aufhält, entwickelte er etwas Eigenständiges, etwas Neues, etwas, das als unverfilmbar galt.
Die Gefährten führte uns vor 2 Jahren in eine fantasievolle Welt voller Mysterien und Weisheiten. Es erzählte die Geschichte des jungen Hobbits Frodo, der zur wichtigsten Person in Mittelerde werden sollte, denn er hat den einen Ring sie alle zu knechten. In wunderbaren Bildern zeigte Peter Jackson die Reise von Frodo und seinen Freunden bis zu Elronds Haus, immer verfolgt von den Ringgeistern, die sich des Ringes bemächtigen wollen. Dort angekommen sollte die Gefolgschaft des Ringes entstehen. Gemeinsam wollte man selbigen in den Feuern des Schicksalsberges vernichten um die Macht des dunkeln Herrschers Sauron für immer zu bannen. Doch es kam anders. Die Gefährten wurden getrennt.
Ein Jahr später in „Die Zwei Türme“ bekam man nun mehrere Handlungsstränge präsentiert. Frodo und Sam erhielten einen Führer zum Land Mordor in Form des schizophrenen Wesens Gollum, welches selbst nach dem Ring trachtet. Aragorn, Legolas und Gimli sind derweil auf dem Weg zum Königreich von Rohan und die beiden Freunde Frodos, die von Orks entführt wurden, befinden sich in einem geheimnisvollen Wald....
Dieses Mittelstück der Trilogie endet mit einer gigantischen (Material)Schlacht um Helms Klamm.
Genau dort setzt dann die Rückkehr des Königs ein. Während Frodo, Sam und Gollum auf dem Weg nach Mordor sind, bereitet Sauron einen Angriff auf Minas Tirith vor, einer der letzten Bastionen der Menschen. Zahlenmäßig ist sein Heer bei weitem überlegen, trotz des späteren Zusammenschlusses der Kräfte Gondors und Rohans. Aragorn, der rechtmäßige Erbe des Thrones von Gondor, muss sich nun auf alte Verbündete aus längst vergangener Zeit besinnen um die Entscheidungsschlacht gewinnen zu können.
Frodo wird währenddessen immer mehr von Gollum, der sich dessen Abhängigkeit vom Ring zunutze macht, gegen Sam aufgehetzt. Nachdem Frodo Sam nach Hause geschickt hat, lockt Gollum ihn in eine Falle und Frodo wird von der Riesenspinnen Kankra betäubt. Sam, der ihn für tot hält, sieht mit an, wie er von Orks verschleppt wird. Der Ring scheint verloren…
Die Rückkehr des Königs ist der grandiose Abschluss vom „Herrn der Ringe“. Die Dramatik steigt nun ins Unermessliche. In diesem letzten Teilstück fiebert man natürlich wie nie zuvor mit den Figuren mit. Die Situation ist absolut aussichtslos und trotzdem bleiben die Menschen der Hoffnung, die ja bekanntlich zuletzt stirbt, treu. Dies kommt vor allem zum Ausdruck als Aragorn und seine relativ kleine Armee vor die Tore Mordors marschieren um Sauron abzulenken. In diesem Fall verlassen sie sich darauf, dass Frodo es schafft den Ring zu vernichten. Sie wissen, dass sie, wenn dem nicht so sein sollte, verloren sind.
Sehr gut bebildert ist dieser dritte Teil der Trilogie, ähnlich wie seine Vorgänger. Grelle, warme und kalte, dunkle Bilder wechseln sich ab und schaffen während der Schlacht um Minas Tirith noch mehr Spannung. Diese Stadt an sich ist ebenfalls ein richtiges Kunstwerk. Selten hat man so eine großartige Kulisse in einem Film gesehen (selbst wenn es sich in diesem Fall sicherlich nur um ein Modell handeln kann).
Die visuellen Effekte des Films sind in einigen Sequenzen überragend, in anderen ein bisschen unfertig (Drachen) geraten. Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt.
Einige Szenen wurden für die Kinofassung leider herausgeschnitten, was den Genuss des Films aber kaum schmälert und in der Special Extended Edition sicherlich korrigiert wird. Viel mehr kann man sich zurücklehnen und alles einfach auf sich wirken lassen. Es handelt hierbei sich um einen von jenen Filmen, bei denen man jegliches Zeitgefühl verliert. In einigen Szenen, der brillant gestalteten Schlachten, kommt man aus dem Staunen sowieso nicht mehr heraus. So vergeht die Zeit im Kino wie im Flug.
Auch die Darstellter können wie schon in den beiden Teilen zuvor überzeugen. Elijah Wood nimmt man den vom Ring abhängigen und langsam zugrunde gehenden Hobbit vollends ab und Viggo Mortensen als Aragorn versprüht eine unglaubliche Leidenschaft in seiner Rolle. Man könnte glauben, er sei wirklich der tapfere und furchtlose Krieger.
Die anderen Charaktere mussten sich in diesem Teil etwas zurücknehmen, so sieht man von von Gimli und Legolas längst nicht mehr so viel. Doch auch sie haben ihre Szenen, die dem Zuschauer für immer in Erinnerung bleiben werden.
Auch atmosphärisch hat der Film eine Menge zu bieten. Die Musik unterstreicht wilde Schlachten wie auch düstere Zwischensequenzen. Immer wieder wechselt sich Action mit ruhigeren Szenen vom Weg Frodos ab. Zur Steigerung der Dramatik ist das besonders dienlich.
Zum Schluss besitzt die Rückkehr des Königs dann noch einen bewegenden Abschied, der aber zu keiner Zeit kitschig oder aufgesetzt wirkt. Jeder, der sich in die Figuren auch nur annähernd hineinversetzen kann, wird mit ihnen fühlen können, nach allem was sie zusammen durchgestanden haben.
Nun ist sie also zu Ende, die große Saga unseres Jahrzehnts. Soll man nun trauern oder sich freuen? Wahrscheinlich beides. Freude sollte aufgrund des ausgezeichneten Abschlusses eines Meisterwerkes herrschen, an das sich die Welt noch lange erinnern wird. Und doch darf man den Kinosaal auch ein bisschen wehmütig verlassen, in der Gewissheit so etwas in naher Zukunft nicht so schnell wieder geboten zu bekommen und so schließe ich mit den Worten, die Sam auf dem Abhang des Schicksalsberges spricht: Es ist vorbei.