Richard Fleischers 54er Adaption des berühmten Jules Verne Romans mag ja die beste sein und ein Klassiker des Effektgeschichte, doch ein unantastbare Meisterwerk ist er trotzdem nicht.
Ein Seeungeheuer soll die Meere des 19ten Jahrhunderts unsicher machen, doch eine Crew läuft aus, um dem Biest den Garaus zu machen. Dazu gehören auch der Professor Pierre Arronax (Paul Lukas), sein Assistent Conseil (Peter Lorre) und der Harpunier Ned Land (Kirk Douglas). Das Tier greift das Schiff an und beschädigt es schwer, wobei die drei Hauptfiguren über Bord gehen. Dort sehen sie, was für den Zuschauer schon offensichtlich war: Das angebliche Ungeheuer ist ein Unterseeboot.
Sie gelangen an Bord des Gefährts, wo sie von Kapitän Nemo (James Mason) und seiner Crew entdeckt werden. Der nimmt sie halb als Gefangene, halb als Gäste mit auf seine unterseeische Fahrt…
Was nun folgt ist aus rein effekttechnischer Sicht eindrucksvoll. Selbst heute mögen die Tricks zwar nicht mehr das Beste vom Besten sein, haben aber noch sehr viel tollen altmodischen Charme – ähnlich wie die Arbeiten Ray Harryhausens. Egal ob es sich dabei um Aufnahmen vom unterseeischen Ernten, den Kampf des U-Bootes mit einer Riesenkrake oder Angriff eines Hais auf Nemos Crew in Taucheranzügen ist – sämtliche dieser Trickszenen sind echt zeitlos und zeigen, dass „20.000 Meilen unter dem Meer“ zumindest in dieser Hinsicht seinen Klassikerstatus vollkommen verdient hat.
Inhaltlich ist die Freude jedoch weniger groß, da „20.000 Meilen unter dem Meer“ ähnlich wie diverse moderne Effektblockbuster wenig außer diesen Schauwerten zu bieten hat. Kapitän Nemo entpuppt sich als verkappter Menschenhasser, der mit seiner Zivilisationskritik zwar ansatzweise ins Schwarze trifft, diese aber auf mörderische Weise durch das Versenken von Schiffen auslebt. Um das spitzzukriegen brauchen die Hauptfiguren so ungefähr die erste Hälfte des Films, um ihre Flucht zu planen die zweite. Zwischendurch gibt’s noch wenig spannende, teilweise sogar alberne Intermezzi wie der gescheiterte Fluchtversuch beim Landgang (Kannibalen sei dank), aber so richtig interessant ist die Story nicht. Relativ lieblos kommt das Finale daher, auch das finale Schicksal von Nemo und der Mann der Nautilus zumindest alle Buchunkundigen überraschen kann.
Aus der Vorlage hätte man also weit mehr herausholen können, doch besonders nervig sind die üblichen Elemente von Disney-Kitsch, die hier oft stören. Das fängt schon bei der Holzhammersymbolik an (z.B. spielt Nemo auf einer Orgel wie jeder Bösewicht in uralten Gruselfilmen) und zieht sich durch den ganzen Film: Ned singt auch gerne mal unmotiviert herum (ähnlich wie die Tierwelt in den Zeichentrickfilmen aus gleichem Hause), Conseil ist so naiv wie sonst nur Kinder und auch die Gags sind recht infantil. Das mag ja in Zeichentrickfilmen wie „Das Dschungelbuch“ ja noch zum Kontext passen, hier wirkt es einfach albern und unpassend, zumal es sich mit den ernsten Komponenten wie Nemos Fanatismus arg beißt.
Immerhin schauspielerisch kann man hier wenig meckern. Kirk Douglas lässt sich zwar etwas arg selbst in Szene setzen (andauernd ohne Hemd unterwegs) und wirkt als singender Seemann nicht immer komplett überzeugend, spielt immerhin doch recht gut aufgelegt. James Mason hingegen liefert eine wirkliche eindrucksvolle Vorstellung ab und auch die restlichen Darsteller überzeugen.
Alles in allem ist „20.000 Meilen unter dem Meer“ aus rein effekttechnischer Sicht noch heute stimmig und beeindruckend, doch das Drehbuch kann mit dem überzeugenden Visuellen nicht mithalten: Kaum Spannung und unnötig infantil. Zeitlose Klassiker sehen für mich anders aus.